Gubrist

Wie der Fels im Gubrist langsam abgeraspelt wird

In der dritten Gubrist-Röhre herrscht bereits reger Verkehr: Lastwagen fahren ständig hin und her, um das Aushubmaterial ins Freie zu transportieren. Der neue Tunnel ist bereits mehr als einen Kilometer lang.

Bleibe der Berg gutmütig, dann werde der Durchstich der dritten Gubrist-Röhre im Sommer 2020 erfolgen, sagte gestern Ulrich Weidmann. Der Gesamtprojektleiter des Grossprojekts «A1 Ausbau Nordumfahrung Zürich» vom Bundesamt für Strassen (Astra) ist mit dem Verlauf der Arbeiten zufrieden; im Tunnel gab es bislang keine Unfälle, es traten auch keine Überraschungen auf. Der Berg sei ja, da bereits zweimal durchbohrt, an sich bekannt, ergänzte Gubrist-Projektleiter Roland Hug an einer Baustellenbegehung für Medienvertreter.

24-Stunden-Betrieb

Inzwischen sind die Arbeiter, die von Montag 6 Uhr bis Samstag 17 Uhr im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr im Einsatz stehen und von denen rund 100 in Containern in unmittelbarer Nähe des Tunnelportals auf Affoltemer Seite leben, 1140 Meter in den Berg vorgedrungen: Knapp 40 Prozent der Strecke haben sie damit gebohrt.

Wobei «gebohrt» das falsche Wort ist: Projektleiter Hug spricht von «abraspeln». «Der Fels ist ja nicht so wahnsinnig hart, es ist kein kristallines Gestein.» Es handle sich um eine Süsswassermolasse, die vor allem aus Sandstein und Mergel besteht.

Blick in die dritte Gubriströhre

Blick in die dritte Gubriströhre

Am Gubristtunnel wird gebaut: Bis 2022 soll eine dritte Tunnelröhre in Betrieb gehen. Die Arbeiten kommen gut voran, wie Projektleiter Ulrich Weidmann mitteilt. Der Bau der dritten Gubriströhre ist das Kernstück des Ausbaus der Nordumfahrung Zürich.

Zuvorderst im Tunnel, direkt am Fels, steht deshalb eine Teilschnittmaschine (TSM): Deren Stahldorn-bewehrte Walze schrämt das Gestein heraus, das sogleich mit grossen Dumpern aus dem staubigen Tunnel transportiert wird. Sobald so mit der TSM eineinhalb Meter Gestein «abgeraspelt» ist, wird ein Stahlbogen versetzt und es werden drei Lagen Spritzbeton angebracht, um den Ausbruch zu sichern. Jede Schicht schafft gemäss Hug in der Regel mindestens einen solchen Abschnitt.

Pro Tag dringen die Arbeiter viereinhalb bis sechs Meter vor. Der Durchmesser der dritten Röhre beträgt knapp 16 Meter. Laut Astra gibt es in der Schweiz «keinen zweiten Tunnel mit diesem Ausbruchsdurchmesser im Hartgestein».

Eine eingespielte Maschinerie

Während sich die Teilschnittmaschine langsam in Richtung Weiningen vorwärts-raspelt, kommt dahinter eine gut eingespielte Maschinerie in Gang: Es folgt eine Kaskade von weiteren Arbeitsschritten. So fräst hinter der TSM etwa eine Oberflächenfräsmaschine schichtweise bis 30 Zentimeter Fels ab und gräbt die Sohle.

Weiter zurück, in Richtung Tunnelportal, werden die Wände abgedichtet, damit eindringendes Wasser nicht in den Tunnel gelangt, sondern in die Entwässerungsrohre läuft. Zudem wird in der Sohle ein Werkleitungskanal erstellt, über den ab 2022 dann die Fahrzeuge in Richtung Bern dahinbrausen werden. Die für diesen Kanal verwendeten Betonelemente, von denen insgesamt 2000 eingebaut werden, sind so gross, dass sie vor dem Portal derzeit auch als provisorische Autogaragen genutzt werden.

Tunnelvortrieb nur von einer Seite

Auf der anderen Seite des Gubrists, auf Weininger Boden, ist nur ein 95 Meter langes Teilstück in den Berg hineingetrieben worden. Dieses wurde bergmännisch und vorsichtig erstellt, um die direkt darüber liegenden Häuser zu schonen.

Dass die drei Kilometer lange dritte Röhre fast ausschliesslich von Affoltemer Seite vorangetrieben wird, ist auch auf ökologische Überlegungen zurückzuführen, wie Gubrist-Projektleiter Hug erklärte. Denn bei jenem Portal wurde eigens ein temporärer Verladebahnhof für das Aushubmaterial erstellt. Züge bringen das Gestein nach Wildegg AG, wo ein ehemaliger Steinbruch der Zementindustrie aufgefüllt wird. 160 000 Lastwagenfahrten lassen sich so gemäss Astra vermeiden.

Im Jahr 2022 soll die dritte Gubrist-Röhre eröffnet werden. Dann stehen in Richtung Bern/Basel drei Fahrspuren zur Verfügung. In Gegenrichtung dauert es länger, bis es zu einer Entlastung kommt. Denn sobald der neue Tunnel in Betrieb ist, werden die beiden alten Röhren nacheinander gesperrt und saniert. 2025 sollen dann beide – mit je zwei Fahrspuren in Richtung St. Gallen – zur Verfügung stehen. Staumeldungen vom Gubrist dürfte es dann weniger geben.

Der Ausbau am Gubrist ist nur ein Teil der umfassenden Arbeiten an der Nordumfahrung: Die Strecke zwischen dem Limmattalerkreuz und der Verzweigung Zürich Nord, auf der täglich 120 000 Fahrzeuge rollen, wird derzeit durchgehend auf zweimal drei Fahrspuren ausgebaut.

Schlaue Wand und leiserer Belag

Laut Gesamtprojektleiter Ulrich Weidmann schreiten diese Arbeiten ebenfalls wie geplant voran. Dabei gelangen auf verschiedenen Abschnitten neue Techniken zum Einsatz. So wird beispielsweise im Stelzentunnel eine «schlaue Schutzwand» installiert. Diese «Antirezirkulationswand» soll verhindern, dass bei einem Brand Rauch in den Tunnel auf der Gegenfahrbahn gelangt.

Zudem wird auf der gesamten Strecke der Nordumfahrung ein neuer Belag eingebaut, der den Abrolllärm der Auto- und Lastwagenreifen reduziert. Dieser Belag weist kleine Poren auf. Dadurch werde der Schall nachhaltig um mindestens ein Dezibel abnehmen, sagte Weidmann gestern. Das töne zwar nach wenig, sei aber deutlich wahrnehmbar.

Die Kosten für das Projekt «A1 Ausbau Nordumfahrung Zürich» werden auf
1,55 Milliarden Franken veranschlagt. Ein Drittel davon entfällt auf den Neubau der dritten Gubrist-Röhre.

Neue Ausstellung eröffnet

Die Grossbaustelle ist nicht öffentlich zugänglich. Das Interesse an den Arbeiten sei aber gross, heisst es beim Astra. Aus diesem Grund hat das Bundesamt die Ausstellung im Infopavillon Regensdorf erneuert und ausgebaut. Sie ist ohne vorgängige Anmeldung am Mittwoch (von 14 bis 19 Uhr) und am Samstag (von 9 bis 14 Uhr) geöffnet.

Am 21. September will das Astra zudem einen «Tag des offenen Trassees» bei der neuen, 580 Meter langen Überdachung Katzensee durchführen.

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