Katholische Kirchgemeinde Dietikon
«Wie bedeutsam der Schatz wirklich ist, haben wir erst jetzt erfahren»

Die bedeutenden Goldschmiedearbeiten der katholischen Kirche werden im Pfarreizentrum St. Agatha ausgestellt.

Sandro Zimmerli
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Kirchenschatz Dietikon
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 Die Heilige-Kreuz-Reliquie dürfte aus dem Jahr 1792 stammen. Sie dient dem Wettersegen, einem alten Brauch in der katholischen Kirche, mit dem die Gläubigen Gott um gutes Wetter für die Ernte bitten. Er wird üblicherweise zwischen dem Fest der Kreuzauffindung (3. Mai) und dem Fest der Kreuzerhöhung (14. September) am Ende der Messe erteilt.
 Die katholische Kirche Dietikon stellt zum 90. Geburtstag der Kirche St. Agatha ihren Kirchenschatz im Ortsmuseum aus.
 Der Messkelch von Pater Coelestin Schindler stammt aus dem Jahr 1709 und wurde von Goldschmied Hans Peter Staffelbach (1657 – 1736) aus Sursee gefertigt. Er gelangte 1862 in den Besitz der Kirche Dietikon, nachdem das Kloster Rheinau aufgelöst und der dortige Kirchenschatz von der Zürcher Kantonsregierung an verschiedene katholische Kirchgemeinden verschenkt wurde.
 Ein Ziborium ist ein Behältnis, das zur Aufbewahrung der geweihten Hostie dient. Das Wort stammt vom lateinischen Begriff cibus für Speise ab. Ziborien haben meistens eine Kelchform, verfügen aber zusätzlich über einen Deckel mit Kreuz. Dieses Exemplar aus dem Dietiker Kirchenschatz stammt aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.
 Ein Vortragekreuz, auch Prozessionskreuz genannt, ist ein auf einer Stange befestigtes Kreuz. Jenes aus Dietikon dürfte um 1700 geschaffen worden sein. Sowohl Vorder- als auch Rückseite sind als Ansichtsseiten gearbeitet, was sich aus der Verwendung bei der Prozession erklärt, wo beide Seiten zu sehen sind. Bereits im frühen Mittelalter kannte man Vortragekreuze.

Kirchenschatz Dietikon

Sandro Zimmerli

Das Geschäft wurde fein säuberlich in einem Kaufbrief festgehalten. 280 Gulden musste Pfarrer P. Coelestin Schwaller im Jahr 1710 dem Schaffhauser Goldschmied Johann Jakob Läublin für die prächtige Hostienmonstranz bezahlen. Seither ist sie im Besitz der katholischen Kirche Dietikon und bildet das Hauptstück des Kirchenschatzes, der Objekte aus den letzten 300 Jahren umfasst.

Dieser wird nun ab dem 16. September im Rahmen des 90-Jahr-Jubiläums der Kirche St. Agatha während sechs Tagen im Pfarreizentrum St. Agatha zu sehen sein. Neben der Monstranz werden auch Kelche, ein Vortragekreuz sowie Ziborien, in denen die geweihte Hostie aufbewahrt wurde, gezeigt. Komplettiert wird die Ausstellung durch alte Messgewänder und eine extra für den Anlass gestaltete Tonbildschau über die Geschichte des katholischen Dietikons.

«Bereits vor drei Jahren haben wir darüber diskutiert, den Schatz auszustellen. Das 90-Jahr-Jubiläum der Kirche St. Agatha ist eine gute Gelegenheit, dies nun zu tun», sagt Karl Geiger, Präsident der katholischen Kirchgemeinde Dietikon. Der Schatz befinde sich normalerweise in einem Tresor und sei der Öffentlichkeit nicht zugänglich. «Es ist doch schade, dass man ihn nicht zu sehen bekommt», so Geiger. Um die Objekte in einem angemessenen Rahmen zeigen zu können, wurde das Ortsmuseum um Hilfe gebeten. «Dort kennt man sich mit Ausstellungen aus. Zudem war für uns immer klar, dass der Schatz in Dietikon gezeigt werden soll. Er gehört hierher», sagt Geiger.

Für die Mitarbeiter im Ortsmuseum ist das Konzipieren dieser Ausstellung etwas Besonderes, wie Museumsleiterin Regula Stauber sagt. «Durch die Arbeit entstanden viele spannende Begegnungen. Etwa mit den Schwestern im Kloster Fahr.» Diese hätten unter anderem dabei geholfen, die Symbole auf den Messgewändern zu deuten.

Ein besonderer Moment ist die Ausstellung auch für die Kirche. Denn in dieser Form wurde der Schatz noch nie präsentiert. «Zudem hat die Ausstellung auch einen Nebeneffekt. Wir wussten zwar, dass sich besondere Objekte in unserem Besitz befinden, wie bedeutsam der Schatz aber wirklich ist, haben wir erst jetzt erfahren», so Geiger. Denn bei den Vorbereitungen auf die Ausstellung hat sich die Kirche mit Hanspeter Lanz, dem ehemaligen Kurator für Edelmetalle im Landesmuseum, Hilfe ins Boot geholt. Er hat die Informationen über die verschiedenen Objekte zusammengetragen und unter anderem auch den Kaufbrief der Hostienmonstranz im Staatsarchiv Aarau entdeckt.

Die besondere Stellung Dietikons

Die grosse Bedeutung des Dietiker Kirchenschatzes ist in seiner Einmaligkeit im Kanton Zürich begründet. Das wiederum hat viel mit der besonderen Stellung der katholischen Kirche im Bezirkshauptort zu tun. Bereits im Jahr 1089 stand in Dietikon nachweislich eine Kirche an der gleichen Stelle der heutigen Pfarrkirche St. Agatha. Ab 1257 gehörte das Kirchenpatronat dem Zisterzienserkloster Wettingen. Auch nach der Reformation blieb Dietikon katholisch, als einzige Gemeinde im Kanton Zürich. Später kamen dann noch Winterthur und Rheinau dazu. Der grösste Teil der heute existierenden katholischen Kirchgemeinden im Kanton Zürich entstand erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts oder gar noch später und verfügt deshalb nicht über derart alte Schätze.

Dietikon wurde aufgrund dieser Stellung nach der Reformation zu einem wichtigen Zentrum für die Katholiken. «Aus dem ganzen Kanton Zürich und auch der Innerschweiz kamen die Gläubigen hierher. Manche Chronisten gehen von bis zu 1000 Katholiken aus, die in Dietikon den Gottesdienst besuchten», sagt Geiger. Bis 1839 waren fast ausschliesslich Mönche aus Wettingen als Pfarrer in Dietikon tätig. Zwei Jahre später wurde das Kloster vom Kanton Aargau aufgehoben.

Zwei Kelche aus Rheinau

Für einen Grossteil der Objekte des Kirchenschatzes lassen sich daher Verbindungen zum Kloster Wettingen herstellen. Aufgrund der Wappenschilder der einzelnen Äbte auf den Monstranzen lässt sich das Alter der jeweiligen Objekte gut bestimmen. Eine Ausnahme bilden zwei Messkelche, die nicht von den Wettinger Mönchen erworben wurden. Sie stammen aus Rheinau. Als das dortige Kloster 1862 aufgelöst wurde, entschied der Kanton Zürich, den Schatz an katholische Kirchgemeinden zu verteilen. Eine davon war Dietikon.

Obschon der heutige Bezirkshauptort stets katholisch blieb, gab es auch eine reformierte Minderheit im Dorf. Die alte Pfarrkirche wurde deshalb gemeinsam genutzt, nicht immer konfliktfrei. Das änderte sich erst, nachdem sich die Reformierte Kirchgemeinde Dietikon 1925 aus der alten Simultankirche auskaufte und ihr eigenes Gotteshaus baute. Für die Katholiken, die schon lange unter den prekären Platzverhältnissen zu leiden hatten, war der Weg frei, die St. Agatha-Kirche zu errichten. Am 10. September 1927 wurde sie geweiht. Und so erzählt der Kirchenschatz nicht nur ein Stück Kunst-, sondern auch einen wichtigen Teil der Zürcher Kirchengeschichte.

Die Vernissage findet am Samstag, 16. September, um 10 Uhr im Pfarreizentrum St. Agatha statt. Am Sonntag ist die Ausstellung von 10.30 bis 19 Uhr geöffnet, von Montag bis Donnerstag (Ausstellungsende) von 16 bis 19 Uhr.

Am 10. September um 10 Uhr findet zudem ein Jubiläumsgottesdienst 90 Jahre
St. Agatha statt. Der Abt von Wettingen und Prior von Mehrerau wird dort anwesend sein.

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