Schlieren
Wer für die erneute Sanierung des Gasometers zahlt, ist noch offen

Die Stiftung Gasometer Schlieren hat die Stadt ins Boot geholt – im Juli soll das Vorgehen zur Sanierung des Gasometers feststehen. Vor etwas mehr als zehn Jahren scheiterte ein ähnliches Vorhaben.

Florian Niedermann
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Das Gasometer soll endlich saniert werden (Archivbild).

Das Gasometer soll endlich saniert werden (Archivbild).

Jürg Krebs

Einst war er ein sichtbares Merkmal der Industriestadt Schlieren. Seit einigen Jahren jedoch gilt er als denkmalpflegerisches Problemkind.

Nichtsdestotrotz: Der Gasometer auf dem Gaswerkareal soll für die Nachwelt erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, findet die Stiftung Gasometer Schlieren.

Sie plant, die Sanierung des Zeitzeugen wieder aufzunehmen. Und dies, obwohl ein erster Wiederbelebungsversuch ab 2003 zu jahrelangen Problemen führte.

Doch nun nimmt die Stiftung nochmals einen neuen Anlauf, um den Gasometer zu sanieren. Dies habe vor allem mit personellen Veränderungen zu tun, sagt Thomas Müller, der das Präsidium des Stiftungsrats übernommen hat.

«Der Kanton hat ein auf 25 Jahre beschränktes Baurecht gewährt, um den Gasometer zu erhalten», so Müller. «Wir sind mit dem neuen Sanierungsversuch bestrebt, diesem Auftrag nachzukommen.» Von Vorteil sei auch, dass mit Peter Baumgartner ein Vertreter des kantonalen Denkmalschutzes im Stiftungsrat sitze. «Er ist sehr motiviert, das Projekt voranzutreiben», sagt Müller.

Kanton kaufte das Land

Viel Motivation ist auch nötig. Denn die Situation, die sich dem neuen Stiftungsratspräsidenten und seinen Kollegen stellt, ist, gelinde gesagt, herausfordernd: Der 1898 erbaute Gasometer steht auf einem Grundstück, das der Stadt Zürich gehört. Vor elf Jahren wurde es vom Kanton erworben und im Baurecht an die Stiftung «Pro Zürcher Haus» abgetreten, die zwischenzeitlich in «Gasometer Schlieren» umbenannt worden ist. Ihr Auftrag: Den letzten teleskopierbaren Niederdruckgasbehälter Zentraleuropas zu sanieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

2007 folgte die Enttäuschung

Nach zwei Jahren Bauzeit war die Sanierung 2005 abgeschlossen – der Gasometer konnte für Publikumsführungen geöffnet werden. Während einer 35 Minuten dauernden Demonstration konnte man miterleben, wie ein 25 000 Kubikmeter fassender Metallbehälter innerhalb eines Stahlgerüsts mit Wasser «aufgeblasen» wurde. Ein spezielles Lichtkonzept machte den Vorgang in der 34 Meter hohen Maschine zu einem eindrücklichen Erlebnis.

Doch die Freude am sanierten Gasometer währte nicht lange: 2007 fand man heraus, dass durch den Boden des Gasometers Wasser entweicht – die Führungen wurden aus Sicherheitsgründen eingestellt. Und damit nicht genug – es tauchte auch noch ein Problem mit dem Korrosionsschutz auf: Beim Ablassen des Wassers blätterte die Farbe vom Becken ab. Es folgten langwierige Verhandlungen zwischen der Stiftung und der Firma, die den Rostschutz angebracht hatte. «Dabei ging der Fokus auf die eigentlichen Erhaltungsmassnahmen verloren», sagt Müller. Noch heute steckt die Stiftung in Verhandlungen mit der Korrosionsschutz-Firma, wie Müller sagt. Ob die Kosten für die Garantiearbeiten zurückerstattet werden und wie hoch der Betrag ausfallen wird, kann er aber noch nicht abschätzen. 2012 ging die Stiftung von rund einer Million Franken aus.

Unklar ist derzeit, welche Massnahmen getroffen werden müssen, um den Zeitzeugen wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Unklar ist deshalb auch, wie hoch die Kosten für die erneuten Sanierungsarbeiten ausfallen werden, wie Müller sagt: «Der Stiftungsrat wird Anfang Juli 2014 eine Projektleitung einsetzen, um die einzuleitenden Massnahmen zu eruieren und im zweiten Schritt die Kosten zu schätzen.»

Gesamtkosten von 6,09 Millionen

Bisher investierten der kantonale Denkmalschutz und der Zürcher Heimatschutz bereits 6,09 Millionen Franken in den Gasometer. Alleine die Reparatur des Lecks werde weitere 300 000 Franken kosten, schätzte der damalige Stiftungsratspräsident Ulrich Ruoff vor zwei Jahren. Die Frage der Finanzierung wurde damals zu einem gordischen Knoten. Um Kosten zu sparen, erwog die kantonale Denkmalpflege gar, den Gasometer als unbewegliches Objekt instand zu setzen.

Darüber, woher das Geld für den erneuten Sanierungsanlauf fliessen soll, will Müller erst Auskunft geben, wenn die neue Projektleitung erste Abklärungen gemacht hat. Klar ist für ihn jedoch, dass eine Sanierung als statische Baute nicht infrage kommt: «Wir verfolgen klar das Ziel, den Gasometer als bewegliche Maschine zugänglich zu machen», so Müller.

Die Stadt redet diesmal mit

Neu ist, dass ab Juli auch die Stadt Schlieren mit Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) als Standortgemeinde im Stiftungsrat vertreten ist. Die Stiftung habe die Stadt angefragt, sagt er auf Anfrage: «Bisher betrachteten wir die Arbeit am Gasometer von aussen. Nun erhalten wir Informationen aus erster Hand und können mitreden.»

Fürchtet Bärtschiger nicht, dass das Problemkind auf dem Gasi-Areal für ihn zum Stolperstein werden könnte? Nein, sagt er: «Wenn ich nicht an einen guten Ausgang der Sanierung glauben würde, hätte ich mich nicht bereit erklärt, als Stiftungsrat zu amten.» Die Stadt würde den Gasometer jedenfalls gerne bewahren. Bärtschiger ist auch überzeugt, dass die Erhaltung technisch realisierbar ist: «Am Ende setzen wohl die Kosten die Grenzen.» Wird die Stadt also Geld an die Sanierung beitragen? «Bisher war von einer Beteiligung in den Gesprächen mit dem Stiftungsrat noch nicht die Rede», sagt der Bauvorstand, «erfahrungsgemäss wird dieses Thema früher oder später aber sicher auf den Tisch kommen.»

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