Bibliotheken
Wegen Streaming besteht keine Nachfrage mehr: Die Musik-CDs verschwinden

Viele Bibliotheken im Limmattal führen keine Musik-CDs mehr. DVDs trotzen hingegen noch den verschiedenen Streamingangeboten.

Carmen Frei
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Musik-CDs werden in vielen Bibliotheken zu wenig ausgeliehen – und darum aus dem Sortiment genommen.

Musik-CDs werden in vielen Bibliotheken zu wenig ausgeliehen – und darum aus dem Sortiment genommen.

Carmen Frei

Braucht es heute noch CDs? Diese Frage stellen sich inzwischen einige Bibliotheken im Limmattal. Das veränderte Konsumverhalten, das sich vor allem im Bereich der Musik zeigt, führt allmählich zur Ausmusterung des flachen, runden Mediums.

Die Bibliothek Uitikon hatte Anfang Jahr bekanntgegeben, dass sie ab sofort keine Musik-CDs mehr anbieten werde. «Wir haben schon ein paar Jahre daran herumstudiert, da die Ausleihzahlen zurückgehen», sagt Bibliotheksleiterin Ursula Eigenmann. Gerade jüngere Besucher orientierten sich anders, vor allem über die Streamingdienste Spotify und Youtube. Es gebe inzwischen auch ältere Leute, die keine CD-Geräte mehr besitzen würden.

«Es ist wahrscheinlich auch eine Frage der Zeit, bis die DVDs verschwinden.»

Hörbücher werden in Uitikon aber weiter angeboten. «Kinder-Hörbücher laufen wahnsinnig gut, die kaufen wir auch weiterhin ein», sagt Eigenmann. Aber auch Erwachsene nutzten das Angebot. «Ältere Leute, die nicht mehr lesen können, leihen oft Hörbücher aus», sagt sie. Für diese pflege man auch ein Sortiment. Die DVD ist trotz Streamingdiensten wie Netflix ebenfalls noch sehr beliebt. «Bei den DVDs haben wir viele Ausleihen», sagt Eigenmann. Allerdings könne sie auch dort einen Rückgang beobachten, gerade im letzten Jahr. «Es ist wahrscheinlich auch eine Frage der Zeit, bis die DVDs verschwinden.»

In der Bibliothek Birmensdorf sind die DVDs hingegen sehr beliebt. «Sie laufen überraschend gut, auch im Zeitalter von Netflix», sagt Bibliotheksleiterin Katja Brogle. «Gerade im Moment, mit dem Lockdown und der Schliessung der Kinos hat das eher wieder einen Schub erhalten.» Sie seien auch darum bemüht, immer das Neuste anzubieten. Bei den CDs sieht sie einen ähnlichen Trend wie in Uitikon. Neue Musik-CDs würden sie nicht mehr einkaufen. «Das läuft nicht mehr», sagt Brogle. Kinder-CDs liefen hingegen sehr gut. «Sachen wie Globi oder Bibi Blocksberg sind beliebt.»

Im benachbarten Aesch bietet die Bibliothek seit jeher keine Musik-CDs an. Die Hörbücher würden aber gut ausgeliehen, sagt auch Nicole Mansfeld, Leiterin der Gemeindebibliothek. «Hörbücher im Kind- und Jugendbereich laufen sehr gut.» An eine Abschaffung der DVDs denkt Mansfeld ebenfalls noch nicht. «Dies, weil wir immer wieder neue kaufen», sagt sie. Die gäbe es dann noch gar nicht auf Netflix oder im Fernsehen. «Die Kinder schauen auch eine DVD zehnmal hintereinander», sagt Mansfeld.

Vor allem Kinder-DVDs werden viel genutzt

Auch die Bibliothek in Unterengstringen bietet schon einige Jahre keine Musik-CDs mehr an. «Hörbücher für Kinder laufen aber trotz Spotify und Streamingdiensten noch gut», sagt Bibliotheksleiterin Karin Baeriswyl. Für die Erwachsenen-Hörbücher hätten sie zudem eine Vereinbarung mit der Bibliothek der Stadt Schlieren. «Alle drei Monate leihen wir ein Paket von ihnen aus», sagt Baeriswyl. DVDs würden auch nach wie vor zufriedenstellend ausgeliehen. «Wir haben viele Kinder-DVDs», sagt sie. Diese würden viel genutzt. Sie würde jeweils die monatliche Statistik ansehen und Angebote gegebenenfalls auslaufen lassen. Aber Baeriswyl sagt: «Solange wir Interessenten haben, wird es auch ein Angebot geben.»

Bei der Gemeindebibliothek Weiningen erkennt man ebenso einen Trend weg von Musik-CDs. «Die Musik läuft schlecht, da kaufen wir wenig ein», sagt Bibliotheksmitarbeiterin Myriam Imhof. Sie kauften nach wie vor Sampler wie «Bravo Hits» oder «Let’s Dance», seien jedoch am Abbauen. Auch CD-ROMs bieten sie noch an. «Da kaufen wir auch nicht mehr viel ein. Die sind relativ teuer und es ist schwierig, das Richtige zu kaufen.» DVDs liefen aber sehr gut. «Da haben wir immer das Neuste, das ist sehr gefragt», sagt Imhof. Bei den Hörbüchern seien Kinder-Hörbücher sehr beliebt. «Die Hörbücher für Erwachsene leihen wir teilweise auch bei anderen Bibliotheken aus.» Kathrin Amrein von der Bibliothek Oberengstringen unterscheidet auch klar zwischen Musik-CDs und Hörbüchern. «Bei den Hörbüchern haben wir einen grossen Bestand», sagt sie. «Den Bestand der Musik-CDs, vor allem für Jugendliche, bauen wir ab.» Die Jugendlichen hätten dafür andere Kanäle. Anders sei es bei Kinderliedern und Kinder-Hörbüchern, die für die Leseförderung eine wichtige Rolle spielen. «Dort haben wir einen sehr grossen Bestand, der gut läuft», sagt sie.

CD-Bestand für Erwachsene schon seit längerem aufgehoben

Bei den DVDs hätten sie ebenfalls ein grosses Angebot. Sie würden gut ausgeliehen, sagt Amrein. Im Moment pflegten sie die Bestände darum noch. «Gerade Kinder-DVDs laufen sehr gut, Erwachsene haben hier auch wieder andere Kanäle», meint Amrein. Die Bibliothek in Geroldswil hat den Musik-CD-Bestand für Erwachsene schon seit längerer Zeit aufgehoben. «Für die Kinder wird er noch weitergeführt, da er rege genutzt wird», sagt Bibliotheksleiterin Marianna Portaluri. Sie verfügten auch über ein grosses Hörbuchangebot für Kinder und Erwachsene, das ebenfalls sehr geschätzt werde. Bei den Kindern erfreuten sich zudem die neuen Tonie-Hörfiguren, die als Datenträger von Kinder-Hörbücher funktionieren, grosser Beliebtheit.

Ein DVD-Angebot für Kinder und Erwachsene bestehe nach wie vor, es werde gut genutzt, sagt Portaluri. Die Ausleihzahlen seien aber in den letzten Jahren etwas rückläufiger geworden. «Dies hat sicher auch mit der wachsenden Beliebtheit von Netflix, Amazon prime oder ähnlichen Anbietern zu tun.» Die Gemeindebibliothek in Urdorf ist eine der wenigen, die noch Musik-CDs, Hörbücher und DVDs anbietet. «Wir behalten das im Sortiment», sagt die stellvertretende Bibliotheksleiterin Jessica Purkert. Das DVD-Sortiment laufe ausserdem sehr gut. Daran, eines der Sortimente auslaufen zu lassen, denke sie darum nicht. «Wir schauen später wieder weiter», sagt sie.

Neue Musik-CDs werden nicht mehr angeschafft

In der Stadtbibliothek in Schlieren wurde das Musik-CD-Sortiment ebenfalls stark reduziert. «Wir schaffen nichts Neues mehr an», sagt Monique Roth, die Leiterin der Bibliothek. Irgendwann würden sie die Musik-CDs sicher aus dem Sortiment nehmen. «Die Hörbücher pflegen wir weiterhin, hier ist noch Bedarf vorhanden», erklärt Roth. Diese würden sie auch weiterhin einkaufen. «Sie werden gut genutzt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen», sagt sie. Die Möglichkeit der elektronischen Ausleihe, die sogenannte Onleihe, über den Verbund der Digitalen Bibliothek Ostschweiz (Dibiost) werde ebenfalls genutzt. Auch das DVD-Sortiment wird weiterhin gepflegt. «Es ist wirklich noch ein Interesse da», sagt Roth. Was sie allerdings aus dem Sortiment genommen hätten, seien CD-ROMs.

Die Stadt- und Regionalbibliothek Dietikon gehört ebenfalls zum Verbund Dibiost und bietet die elektronische Ausleihe an. Seit letztem November bietet sie zudem einen Musikstreamingdienst an. «Freegal hat etwa 15 Millionen Songs, die den Nutzern zur Verfügung stehen», sagt Agnes Matt, Leiterin der Bibliothek. Die Kunden könnten drei Stunden pro Tag gratis streamen und ausserdem drei Songs pro Woche kostenlos herunterladen. Aber auch CDs sind noch im Angebot der Bibliothek. «Dort schauen wir, was noch läuft», erklärt Matt. Das Musik-CD-Angebot werde bereits reduziert.

Die Hörbücher laufen ebenfalls nach wie vor gut. «Vor allem die Kinder-CDs sind beliebt», sagt Matt. Das werde weiter beibehalten. «Auch Tonies bieten wir zur Ausleihe an.» Die DVDs würden zwar auch bei ihnen noch ausgeliehen, sie beobachte aber einen Rückgang. «Das kann alles anders konsumiert werden», sagt Matt. Solange es aber keine Alternative gebe, werde man die DVDs behalten. «Für Bibliotheken gibt es im Moment einfach noch nichts mit einem breiten Angebot, das man den Kunden anbieten könnte.»