Bergdietikon

Was ist denn das für ein Tier? Yvan der Schreckliche ist im Dorf bekannt

Wenn Familie Seybold in Bergdietikon mit ihrem grossen irische Wolfshund spazieren geht, ziehen sie die Blicke auf sich.

Was ist denn das für ein Tier? Diese Frage muss die Bergdietiker Familie Seybold öfters beantworten, wenn sie mit ihrem Vierbeiner spazieren geht. Es ist tatsächlich ein Hund. Kein Pony, kein Kalb und auch kein Lama, wie schon Vorschläge entgegengenommen wurden. Yvan, so sein Name, weist von der Schnauze bis zur Schwanzspitze eine stolze Länge von 2,2 Meter auf. Dazu ist er knapp ein Meter hoch und reicht seinen Besitzern bis zur Hüfte. Die Rasse: Ein irischer Wolfshund.

Die Liste an Anekdoten, die die Familie über ihren Vierbeiner erzählen kann, ist lange und amüsant. So auch die Geschichte, wie Manuel Seybold überhaupt auf die Idee kam, sich ein Haustier in dieser Grösse anzuschaffen. Er habe früher in Dietikon gewohnt und der Vermieter habe das Halten von Hunden nicht explizit verboten, aber Bedingungen gestellt. Nicht erlaubt seien Tiere gewesen, die laut bellen, Haare verlieren oder zu viel Radau machen, sagt er. Also habe er nach einer entsprechenden Rasse gesucht und im irische Wolfshund gefunden. «Er ist gesetzt, ruhig und haart nicht.» Das Einzige was der Vermieter vergass, sei die Angabe einer maximalen Grösse gewesen.

Zwölf Pärchen Schuhe hat er auf dem Gewissen

Es ist durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn Yvan auf einen zusteuert, obwohl seine Schritte aufgrund der schlanken Statur federnd wirken. Dabei wird schnell klar, worauf er aus ist: auf Kuscheln. Denn der irische Wolfshund zeichnet sich durch seine Anhänglichkeit aus. «Er gibt nicht auf, jemanden von seiner Liebe zu überzeugen», sagt Seybold und lacht. Dass er so riesig ist, scheint er nicht immer einschätzen zu können. Besonders dann nicht, wenn er sich bei Besuchern auf den Schoss setzen will und sich in allen Richtungen verbiegt. Er versucht vergebens, sich klein zusammenzurollen.

Nur wenige Zentimeter fehlen: Yvan ist fast der grösste Hund der Welt

Nur wenige Zentimeter fehlen: Yvan ist fast der grösste Hund der Welt

Rund ein Kilo Trockenfutter frisst Yvan täglich. Dazu kommen Leckereien aus dem Speiseplan der Familie, die Hunde vertragen – etwa 1,2 Kilo Nahrung pro Tag. «Es ist besser, bei einem Spaziergang zwei oder drei Plastiksäckchen für das Verdaute mitzunehmen», sagt Seybold. Ausser man beherrsche einen guten Knotentrick. Bis vor kurzen gab es in der Wachstumsphase noch mehr zu fressen. Yvan ist gerade mal 21 Monate alt. Bis zum achtzehnten Monat wachsen die Welpen in einem rasanten Tempo. Rund siebzig Kilo bringt er auf die Waage. Nun sollte er nur noch etwas an Breite gewinnen.

Yvan, so sein Name, weist von der Schnauze bis zur Schwanzspitze eine stolze Länge von 2,2 Meter auf.

Yvan, so sein Name, weist von der Schnauze bis zur Schwanzspitze eine stolze Länge von 2,2 Meter auf.

Auch die beiden Kinder Ronja (7) und Finn (5) haben ihre Freude an Yvan. Ronja strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie mit dem Viech am Boden herumtollt. Er scheint wie ein grosses Plüschtier und gleichzeitig ein bester Freund zu sein. Und trotzdem hat der Hund von der Familie den Übernamen Yvan der Schreckliche erhalten. Er sei ein Schmusemonster, aber neben verkratzen Türen, beweise er auch hin und wieder seine Beisskunst. «Schuhe der Marke Adidas mag er besonders gerne, zwölf Pärchen hat er schon auf dem Gewissen», sagt Seybold. Für kleine Dekorationsartikel seien sie ebenfalls nicht empfänglich, denn zerbrechliche Dinge landeten immer auf dem Boden.

In Bergdietikon geniesst Yvan bereits eine gewisse Bekanntheit. «Wenn er vor dem Volg wartet, bis der Einkauf erledigt ist, dann wissen die meisten, wem er gehört», sagt Tine Seybold. Aber in den Ferien erstaune es sie manchmal, wie Fremde ohne weiteres auf ihn zugehen und ein Foto knipsen. «Ich komme dann aus dem Laden und um ihn herum stehen Leute und posieren mit ihm gemeinsam für ein Selfie», sagt sie. Es sei gut, dass Yvan so zahm und gelassen sei, aber sie hätte etwas mehr Respekt, sich einem solchen Tier zu nähern. «Ich hatte viele Jahre panische Angst vor Hunden, aber es ist die beste Rasse, um diese Angst innert Kürze zu verlieren.»

Alte Sofas werden zu einem Hundebett umfunktioniert

Eine lustige Szene sei auch jene gewesen, als eine entgegenkommende Spaziergängerin ihren kleinen Hund rasch auf den Arm nahm. Aber Yvan sei dadurch überhaupt erst auf den Kleinen aufmerksam geworden. Als die Frau merkte, dass er ihr sowieso bis auf Bauchhöhe reicht, liess sie ihren Hund hastig wieder los. «Sie schien ihren kleinen Hund zu opfern», sagt Tine Seybold und lacht.

Yvan ist gerade mal 21 Monate alt. Bis zum achtzehnten Monat wachsen die Welpen in einem rasanten Tempo.

Yvan ist gerade mal 21 Monate alt. Bis zum achtzehnten Monat wachsen die Welpen in einem rasanten Tempo.

Manchmal stelle es ein Problem dar, ein neues Bett für Yvan zu finden. Denn der Hund braucht eine eigene Couch als Schlafplatz. «Wir nehmen gelegentlich alte Sofas entgegen, die nicht mehr gebraucht werden», so Tine Seybold weiter. Gerade seien sie wieder auf der Suche, weil das alte mittlerweile zu sehr verkratzt wurde. Auch die Wahl eines Familienautos stellte eine Herausforderung dar. «Es musste schon ein kleiner Bus her», sagt ihr Mann Manuel Seybold. Yvan ist schon der dritte Wolfshund in Folge, den er besitzt. Denn die Tiere werden in der Regel nur sechs bis neun Jahre alt. Der Wolfshund sei aber eine sehr alte Rasse, sagt Manuel Seybold. «Und eine, die bei alten Bildern mit Königen gerne an der Seite des Thrones ruhen.» Wenn man auf einen Markt gehe, habe man jedenfalls immer freie Bahn, weil alle schön auf die Seite gehen, wenn Yvan auftaucht.

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