Schlieren
Walter Stalder: «Hobbys sind mit dem Aufkommen des Smartphones in den Hintergrund gerückt»

Walter Stalder setzt sich mit der Vereinigung für eine aktive Freizeitgestaltung ein. Er erklärt, wie die Menschen im Limmattal gerne ihre Freizeit verbringen und warum es wichtig ist, die Hobbys in den Vordergrund zu rücken.

Alex Rudolf
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Rund 20 Jahre Arbeit stecken in der Modell-Eisenbahn in seinem Garten: Walter Stalder. Foto:Aru

Rund 20 Jahre Arbeit stecken in der Modell-Eisenbahn in seinem Garten: Walter Stalder. Foto:Aru

Alex Rudolf

Dass Walter Stalder vielseitig interessiert ist, merkt man spätestens bei einem kleinen Rundgang durch sein Schlieremer Zuhause. In der kleinen Kellerwerkstatt finden sich zahlreiche selbst gefertigte Holzobjekte wie Schlitten oder «Gampirosse», an mehreren Orten im Wohnzimmer sind Vitrinen mit Puppen-Sammelstücken ausgestellt und draussen, da dreht bei gemässigten Temperaturen eine kleine Eisenbahn ihre Runden durch eine eindrückliche Miniatur-Welt. Rund 15 Jahre Arbeit stecken darin.

Herr Stalder, Sie sind in ihrer Freizeit unglaublich aktiv. Sie werken mit Holz, bauten eine Miniatureisenbahn in ihrem Garten, zaubern, spielen Keyboard und turnen jeden Dienstag. Wie wichtig sind Hobbies?

Walter Stalder: Sehr wichtig. Vor allem seit meiner Pensionierung vor zehn Jahren sind meine Hobbies in den Vordergrund gerückt. Doch auch als ich noch als Werklehrer berufstätig war, sorgten Hobbies und Interessen für einen Ausgleich.

Wie verbringen die Menschen im Limmattal heute ihre Freizeit?

Ich habe den Eindruck, dass Hobbies und Interessen mit dem Aufkommen des Smartphones und all der Sozialen Medien in den Hintergrund gerückt sind. Vor allem natürlich in der jüngeren Generation. Ich besitze zwar ein Smartphone, verwende es aber sehr bewusst und zielführend.

Die Limmattaler Zeitung wollte es wissen und hat auf der Strasse nachgefragt: Wie gestalten Sie ihr Freizeit?

Lili Schlatter (11), Geroldswil Mit meinen Freundinnen verbringe ich Zeit auf Snapchat und musical.ly, einer sozialen Musikplattform. Zusammen drehen wir für diese Kanäle mit dem iPhone Videos, auf denen wir beispielsweise zu Hiphop posen. Mit einem App schneide ich die Filme und setze sie in Slowmotion oder in Zeitraffer.
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Rösli Maier (76), Geroldswil Ich mache jeden Tag Sport, drei Mal Lady Gym, einmal Tennis und am Wochenende gehe ich mit meinem Ehemann wandern. Ab und zu koche ich für meine beiden Grosskinder. Manchmal begleite ich meine Enkelin zum Reitunterricht ins aargauische Klingnau, da hat es einen schönen See.
Alim Ben Arbia (15), Fahrweid Ich schaue gerne Dokumentarfilme auf Youtube. Da erfahre ich, wer Produzent meiner Lieblingsmusik ist. Ich fahre mit meinen Kollegen ÖV und entdecke so neue Orte im Grossraum Zürich. Jedes Quartier hat seine eigene Atmosphäre mit seinen Bewohnern, seiner Kultur und Architektur.
Jessica Wüthrich (24), Wetzikon Mit meinem Freund und seinen Kollegen spiele ich «Destiny» auf Playstation. Es braucht Schnelligkeit und Geschicklichkeit, um das Böse im Weltall zu bekämpfen, nachdem die Menschen andere Planeten besiedelt haben. Ab und zu schaue ich Dokus über Schwarze Löcher oder Meteoriten.

Lili Schlatter (11), Geroldswil Mit meinen Freundinnen verbringe ich Zeit auf Snapchat und musical.ly, einer sozialen Musikplattform. Zusammen drehen wir für diese Kanäle mit dem iPhone Videos, auf denen wir beispielsweise zu Hiphop posen. Mit einem App schneide ich die Filme und setze sie in Slowmotion oder in Zeitraffer.

Ly Vuong

Ist dies auch einer der Gründe für den Mitgliederschwund, den viele Vereine beklagen?

Nicht unbedingt. Ich denke, einerseits wurde das Angebot für eine Freizeitgestaltung in den vergangenen Jahrzehnten grösser. Damit meine ich unter anderem die Vielzahl an Fitnesscenters, die es gibt. Dieser Trend kann sich positiv auswirken. Denn bei uns in der Freizeit-Vereinigung merkt man, dass Gesundheitskurse wie etwa Yoga den Nerv der Zeit treffen. Diese sind der absolute Renner. Vor zehn Jahren waren noch Computer- und Sprachkurse die Beliebtesten.

Walter Stalder

Der 75-Jährige war während 37 Jahren Werklehrer an der Berufswahlschule Limmattal in Schlieren. Seit 50 Jahren ist er mit seiner Frau Marlies verheiratet. Er hat zwei Töchter und ist Grossvater von sieben Enkeln. Seit dem Jahr 1994 ist der Präsident der Freizeit-Vereinigung Schlieren.

Dieses Jahr erhielt die 1974 gegründete Freizeit-Vereinigung die Goldene Lilie der Stadt Schlieren verliehen. Damit würdigt die Stadt den Verdienst der aktuell über 600 Mitglieder. Für Walter Stalder war dies ein denkwürdiger Moment, da noch nie zuvor ein Verein zu dieser Ehre kam. Frühere Preisträger waren Werner von Aesch (2004), Peter Kner (2007), die Arbeitsgruppe Ortsgeschichte (2010) und Erica Brühlmann-Jecklin (2013). Beinahe zeitgleich wurde bekannt, dass sich die Freizeit-Vereinigung rundumerneuert.

Neben dem Einsatz von neuen Vorstandsmitgliedern und einem neuen Werbekonzept wurde auch der Elternverein und die IG Paraplü (Setzt sich für ein Gemeinschaftszentrum ein) als Interessengruppen aufgenommen. Zudem kann sich die Vereinigung vorstellen, per Leistungsvereinbarung mit der Stadt Aufgaben im Bereich Integration zu übernehmen. All dies unter der Ägide des Urdorfer Werbers Charly Mettier, der neu auch im Vorstand der Vereinigung einsitzt.

Die Freizeit-Vereinigung wurde vor über 40 Jahren ins Leben gerufen, um die Aktivitäten der Kirche, des Frauenvereins und von Privaten zu bündeln. Braucht es dies heute noch?

Das war damals sehr wichtig. Die Menschen wollten in Organisationen mithelfen. Heute liegt unser Fokus eher darauf, jüngere ins Boot zu holen. Nun, da wir den Elternverein bei uns haben und uns für einen Treffpunkt einsetzen, wird uns dies hoffentlich gelingen. Doch auch heute ist die Koordination von Anlässen und Veranstaltungen noch wichtig.

Freizeit-Vereinigung

Die Freizeit-Vereinigung wurde 1974 gegründet mit dem Ziel, Kurse und Aktivitäten von Vereinen und Privaten zu organisieren. So werden unter anderem Sprach-, Gesundheits- und Freizeitkurse angeboten. Auch sechs Interessengruppen sind der Vereinigung angeschlossen, wie die Töpfer-, die Steinschleif- und die Nähgruppe.

Allein 2016 nahmen 750 Personen an einem der rund 90 Kurse der Vereinigung teil. Seit 1974 besuchten 28 000 Menschen eine Veranstaltung der Freizeitvereinigung. Einen Teilnehmerrekord verzeichnete die Vereinigung im Jahr 1992. Damals nahmen 1700 Personen an einem der Angebote teil. Aktuell sind rund 80 Prozent der Mitglieder weiblich, zudem stammt ein Drittel der Mitglieder nicht aus Schlieren

Wie haben Sie reagiert, als ihnen Charly Mettier, der für die Neuausrichtung verantwortlich zeichnet, erstmals von seinen Plänen erzählte?

Ich war schon erstaunt. Einen solchen alten Dampfer wie die Freizeit-Vereinigung auf einen neuen Kurs zu bringen, ist nicht einfach. Ich fand seine Ideen von Beginn weg spannend. Auch die neuen Menschen, die er in die Organisation brachte, sind sehr motiviert. Genau das brauchen wir. Dass von den alteingesessenen, langjährigen Mitgliedern nicht alle von den Neuerungen begeistert sind, versteht sich von selbst. Doch auch den Kritikern ist klar, dass etwas passieren muss.

Nun, da der Dampfer auf einen neuen Kurs gebracht wird, lehnt sich Stalder jedoch nicht zurück. Noch rund zweieinhalb Jahre wird er der Freizeit-Vereinigung vorstehen. Dann zieht er sich zurück und überlässt Charly Mettier das Ruder.

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