Dietikon

«Vom Labor zur Smart City»: Die EKZ-Insel gewährt einen Blick in die Zukunft

Dietikon und die kantonalen Elektrizitätswerke kooperieren bei der Suche nach neuen technischen Lösungen. Dafür wurden beide mit einem Preis von Energie Schweiz ausgezeichnet.

Über die vergangenen Jahre erregten die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) in Dietikon mit der Erneuerung ihres Kraftwerks und den dazugehörigen Renaturierungsmassnahmen entlang der Limmat viel Aufsehen. Eher unbeachtet wurde das EKZ-Areal auf der Grien-Insel, auf dem sich der Werkhof und Bürogebäude befinden, innerhalb des letzten Jahres zum Smart-­City-Labor umfunktioniert und damit zu einem Kompetenzzentrum für Smart-City-Lösungen. Die Zukunftsinsel, wie sie von der EKZ genannt wird, wurde mit diversen Komponenten ausgestattet, die Messdaten liefern, neue Anwendungen ermöglichen oder sich intelligent steuern lassen.

In einem nächsten Schritt soll das Testgebiet auf die ganze Stadt Dietikon ausgeweitet ­werden. Um aussagekräftigere Daten sammeln zu können, will die Stadt den EKZ städtische Infrastruktur für Tests zur Verfügung stellen. «Das ist eine Win-win-Situation. Die Stadt profitiert vom Know-how der EKZ und diese kann ihre Tests auf Stadtgebiet unter realen Alltagsbedingungen durchführen», sagt Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP).

Das gemeinsame Projekt «Vom Labor zur Smart City» wurde bei der Smart City Innovation Challenge von Energie Schweiz, einem Programm des Bundesamts für Energie, als eines von vier Gewinnerprojekten ausgewählt. Dies teilten die Stadt und die EKZ diese Woche gemeinsam mit.

Mit technischen Lösungen den Alltag vereinfachen

Das Ziel des Smart-City-Labors sei es, neue technische und innovative Lösungen für Stadt- und Gemeindeinfrastrukturen zu finden, sagt Jörg Haller, Leiter Smart City und öffentliche Beleuchtung bei den EKZ. «Wir überlegen uns, wie wir das Alltagsleben mit neuen Technologien vereinfachen, erleichtern, verbessern und nachhaltiger gestalten können.» Die Beschreibung ist bewusst so breit gefasst. Der Begriff Smart City umfasst alle Konzepte und Ideen, Städte mit Hilfe technischer Entwicklungen und Informations- und Kommunikationstechnologien zu modernisieren. Auch die Digitalisierung von Verwaltungen gehört dazu, weil sie die digitale Vernetzung einer Stadt erst möglich macht.

Jörg Haller erklärt das Smart-City-Labor der EKZ in Dietikon

Konkret bedeutet dies, dass auf der EKZ-Insel derzeit viele Messungen durchgeführt und Daten erhoben werden. Dazu gehören unter anderem Luftqualität, Lärmemissionen, Verkehrsdichte, Wasserstand und Bodentemperaturen. Auf Basis der erhobenen Daten sollen konkrete Massnahmen ergriffen werden oder neue Angebote entstehen. Die Erhebung der Verkehrsdichte erlaubt etwa eine bessere Lenkung und Verteilung des Verkehrs und nachts eine intelligente Lichtsteuerung. Bodenmessungen können im Winter helfen, umsichtig und intelligent zu salzen. Und Sensoren in Abfallcontainern können den Füllstand erheben und so unnötige Fahrten zur Überprüfung von Containern ver­hindern. «Es ist nie abschliessend, ständig kommen neue Messungen dazu», sagt Haller.

Alle Daten laufen in einer App zusammen

Die Daten laufen auf der EKZ- Insel in der zentralen Smart-
City-Plattform, die auf einer Open-Source-Technologie basiert, zusammen und werden dort ausgewertet. So können ganz verschiedene Einzellösungen zusammengeführt werden. Die Insel dient dabei auch als eine Art Showroom für Gemeinden und Städte, um die derzeitigen Möglichkeiten erlebbar zu machen. Denn ein Ziel der EKZ ist es, aus den vielen einzelnen Applikationen integrierte Angebote und damit Zukunftslösungen für interessierte Gemeinden und Städte zu schaffen. Einen Einblick in die vorhandenen Daten erlaubt auch die für iPhones und Android-Handys verfügbare App «EKZ Smart City».
Trotz aller Euphorie stellt Haller klar: «Die Technik muss immer dem Menschen folgen.» Es gehe nicht darum, das technisch Mögliche auszureizen, sondern sinnvolle und praktische Lösungen zu finden. Und gerade die intensive Datenerhebung bedinge, dass nach aussen transparent informiert werde.

Die Planung des Niderfelds als grosse Zukunftschance

«Was die EKZ alles erheben und testen, ist für uns hoch spannend», sagt Stadtpräsident Bachmann. Deshalb sei die Stadt für eine Zusammenarbeit auf die EKZ zugegangen. Nicht zuletzt auch, weil der Stadtrat die Digitalisierung hoch gewichtet und Dietikon als Wirtschaftsstandort mit Fokus auf Umwelt und Energie etablieren will. Das Thema Mobilität sei für Dietikon besonders spannend und biete interessante Möglichkeiten für intelligente Lösungen, zum Beispiel bei der Verkehrsleitung oder der Parkplatzbewirtschaftung. «Aber auch gesellschaftliche und soziale Themen wie die Gestaltung von Frei- und Grünräumen gehören zur Smart City», so Bachmann.

Und nicht zuletzt biete das Niderfeld, eine der grössten Baulandreserven im Kanton, viele Chancen, zu einem intel­ligenten Quartier zu werden. Denn schon in der Planung könnten alle Möglichkeiten berücksichtigt werden, sagt Bachmann. Etwa bei einer nachhaltigen Energieproduktion und beim Energieverbrauch sieht er viel Potenzial.

Aber auch in anderen Bereichen will Dietikon digitaler werden. Die Infrastrukturabteilung arbeite derzeit an einem Beleuchtungskonzept und stehe dafür im Austausch mit den EKZ, so Bachmann. Zudem plant die Stadt eine eigene App. Diese soll zunächst unter anderem Informationen, städtische Dienstleistungen und den Austausch unter der Bevölkerung und einen Veranstaltungskalender an einem Ort zusammenführen. Aber laut Bachmann bietet sie dereinst auch interessante Verbindungsmöglichkeiten mit den Messdaten der EKZ.

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