Schlieren

Vom Hobby-Bäcker der ein Glas voll bäckt – zum Müeslimacher der wöchentlich 50 Kilo Granola produziert

Cyrill Badir hat die perfekte Granolamischung für sich gefunden. Nun bäckt er pro Woche 50 Kilo davon. Ein Augenschein.

In der Backstube der Bio-Bäckerei Neuhof in Schlieren ist auch am Samstagnachmittag noch keine Ruhe eingekehrt. Statt Brötchen und Patisserie schiebt Cyrill Badir nun aber Granola, wie das gebackene Müesli genannt wird, in den Backofen. Danach tippt der 31-Jährige etwas in sein Smartphone. Backtemperatur und Zeitangabe auf dem Ofen sind abgedeckt. «Das ist das Geheimnis», sagt Badir und lacht. Die Kunst der Granola-Herstellung sei, dass man exakt die richtige Zeit finde, um das Granola knusprig, aber nicht verkohlt, aus dem Backofen zu holen. Nach wenigen Minuten klingelt der Timer auf seinem Handy und er holt die Bleche mit dem goldbraunen Granola aus dem grossen Ofen.

Not macht erfinderisch, dasselbe gilt wohl für unzufriedene Feinschmecker wie Badir. «Ich war einfach nie glücklich mit den herkömmlichen Granolas», sagt der Schlieremer. So begann er zuhause seine eigene Mischung herzustellen. Er pröbelte an der perfekten Mischung von Nüssen (ein Drittel des Müeslis), Ahornsirup (statt Zucker oder Honig), Haferflocken (weiterhin die Müesli-Grundlage) und Vanillepulver (delikate, aber teure Abrundung). Sein Granola sollte ihm einerseits schmecken und andererseits genug Energie für sein Workout zur Verfügung stellen. Als er eine Mischung fand, die ihn überzeugte, nahm er hin und wieder ein Glas als Geburtstagsgeschenk zu Freunden mit. «Diese fragten dann jeweils nach Nachschub», sagt er. Als er das Rezept perfektioniert hatte und die Nachfrage weiter stieg, entschied er sich, aus dem Hobby ein Geschäft zu machen und das Granola zu verkaufen.

Zur Coronazeit verdreifachte sich die Bestellmenge

Deshalb gründete Badir im letzten Sommer «Nuts and Friends» (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Unter diesem Label verkauft er seither das vegane, mit Ahornsirup gesüsste Bio-Granola im Glas. Mit dieser Kombination hat er genau den Nerv der heutigen Feinschmecker getroffen. Entsprechend haben sich bereits über 20 Läden gemeldet, die sein Granola an die Kunden bringen. Regelmässig schicken sie Badir ihre Bestellungen. Die Nachfrage führt dazu, dass der Hobby-Bäcker nun jede Woche in der Backstube steht und mindestens 50 Kilo Granola herstellt.

In den vergangenen Wochen sei die Zahl der Anfragen noch zusätzlich gestiegen. «Die Bestellungen stiegen beinahe analog zur Coronakurve», sagt er. Auf einmal habe er das Dreifache ­produzieren müssen. Die Bestellungen werden ihm mittlerweile aus den verschiedensten Kantonen zugesandt.

Granola sei zu seinem Hobby geworden, wobei die anderen Hobbies wie Joggen oder Fitness-Workout immer noch auf seinem Programm stehen. «Man steht halt ein wenig früher auf», sagt er. Für sein Granola-Projekt nimmt er das aber gerne in Kauf. «Es ist mein Traum, den ich hier verwirkliche.» Zur Entlastung werde er künftig jedoch eine zusätzliche Person engagieren. Nach Monaten würde er sich so wieder ein freies Wochenende gönnen.

Viele Kunden verlangten es, nun gibts auch Schoggimüesli

Das beliebteste Produkt in seinem Webshop war seit Beginn das Originalmüesli, doch bald schon kam die Anfrage der Kunden nach Schoggimüesli. «Das ist eigentlich nicht die Idee hinter meinem gesunden Granola», sagt Badir. Doch aufgrund der Nachfrage fand er einen Kompromiss für seine
Kunden und seither produziert er auch ein Granola mit Schokoladenstücken. «Diese haben jedoch einen sehr hohen Kakaoanteil und stammen auch aus Bioproduktion», sagt Badir. Als ­Nächstes wird er nun ein Granola mit Kakaonibs lancieren. «Dabei ist es mir wichtig, dass man die Nibs wirklich spürt und nicht im Müesli suchen muss», sagt er, während er eine Ladung zu den anderen ­Zutaten leert und das Granola von Hand mischt.

Irgendwann stellt sich bei jedem ­wachsenden Projekt die Frage nach der Priorisierung. Bislang sieht Badir das Granola-Geschäft noch als ­Nebenbeschäftigung neben seiner ­Anstellung als Stellvertretender ­Produktionsleiter bei den SBB. Er habe auch noch keinen fixen Plan, wie es weitergehen soll. Momentan investiert er einen Grossteil der Einnahmen wieder in neue Produkte. «Auch wenn ‹Nuts and Friends› ­momentan eine leidenschaftliche Nebenbeschäftigung ist, so würde ich mich doch freuen, wenn sich daraus ­irgendwann etwas ­Grösseres ent­wickeln kann», sagt er. Als Badir Mitte März für die Produktion
in die Bio-Bäckerei ­Neuhof zog, war dies ein erster Schritt in diese ­Richtung.

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