Das «Gleis 21», das neue Kulturzentrum in Dietikon, verfügt zwar nur über begrenzte Mittel: Die Bühne wirkt improvisiert, der Event-Raum industriell und minimalistisch. Schickimicki sucht man hier vergeblich. Doch ist das «Gleis 21» schliesslich nicht selbst die Attraktion, sondern vor allem ein Raum, der belebt und bespielt werden will.

Am Samstag war das wieder der Fall – und der Event bescherte der Kulturstätte einen kleinen Geldsegen. Im Rahmen einer Benefiz-Gala traten die Komiker Oropax aus Freiburg im Breisgau auf und überliessen ihre Gage grosszügig dem Kulturverein. Entstanden ist der Auftritt über Christian Höhener, als Teil des Dietiker Duos Lapsus selbst ein bekannter Komiker und Kassier vom «Gleis 21».

Das Publikum miteinbezogen

Oropax veranstaltete ein wildes Chaos-Theater, das streckenweise höchst unterhaltsam war und immer wieder, ob es das nun wollte oder nicht, das Publikum miteinbezog. Zunächst stürmten Volker und Thomas in Neoprenanzügen auf die Bühne und begannen, sich in eindeutiger Weise darin zu räkeln. Man wusste nicht: Sind hier gerade Aliens gelandet oder hat sich eine exotische Strip-Show hierhin verirrt? So viel Körpereinsatz ist man sich von Komikern nicht gewohnt! Volker und Thomas taten aber ihr Bestes, bei den Turnübungen zu verunglücken und generell denkbar wenig Grazie an den Tag zu legen.

Nach den körperlichen kam es zu den verbalen Entgleisungen. Eine schräge Assoziation jagte die nächste, wobei vor allem die Glatze von Volker für Spässe herhalten musste. Für das Musical «Hair» brauche er sich nicht zu bewerben, sagte sein Bruder spöttisch. Dafür eigne er sich für Kalauer, was sogleich demonstriert wurde, indem Thomas lauernd hinter dem Kahlen Aufstellung nahm.

Ein Mönch pilgert nach Dietikon

Man merkte, dass die Komiker kein gewöhnliches Programm abspulten, sondern den örtlichen Gegebenheiten Rechnung trugen. So hatte ein immer wieder in die Szene platzender Mönch seine Weltwanderung ausgerechnet vom Bellevue aus nach Dietikon geplant, um sie dann in Spreitenbach zu beenden und dort zu einem Adventskranz-Outlet zu pilgern.

Auch waren die Komiker durchaus nicht scheu, direkt mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen. So schäkerten sie mit einem Herrn in der ersten Reihe, dessen Berufstätigkeit – Versicherungsvertreter – zu manchem Witz und Wortspiel ausgesponnen wurde. Besonders schätzten und lobten sie seine Bekanntschaft, als auf der Bühne unbeabsichtigt ein Scheinwerfer in die Brüche ging.

Einer Dame entwendeten sie sogar todesmutig die Handtasche und förderten daraus einen interessanten Gegenstand nach dem anderen zutage. Während sich Volker an ihrer Lippenpomade gütlich tat, bediente sich Thomas ihrer Ricola, wobei er immerhin die Höflichkeit besass, die abgeschleckten Bonbons wieder in die Schachtel zurückzustecken.
Das Publikum zeigte sich vom Abend begeistert und spendete viel Applaus. «Mir gefielen der geballte Nonsens und das Improvisationstalent der beiden», sagte Matthias Müller aus Zürich. «Einfach genial!», fand Lisa Seiler aus Dietikon. «Sie brauchen nur ein Schlagwort zu hören und könnten tagelang damit improvisieren.»