Sonntagsgepräch
Urdorffäscht-OK-Präsident: «Attraktionen sind für mich zweitrangig»

Am nächsten Donnerstag fällt der Startschuss für das Urdorffäscht. OK-Präsident Stefan Schmid hat schon mehrere Grossanlässe organisiert, dies ist jedoch sein bisher grösster. Gigantismus wird ihm jedoch nicht vorgeworfen.

Alex Rudolf
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Auf der langen Rutschbahn fühlt sich Schmid wohl, den 80 Meter hohen Freefall Tower wird er aber nicht besteigen: «Ich habe Höhenangst». Emanuel Per Freudiger

Auf der langen Rutschbahn fühlt sich Schmid wohl, den 80 Meter hohen Freefall Tower wird er aber nicht besteigen: «Ich habe Höhenangst». Emanuel Per Freudiger

Herr Schmid, in wenigen Tagen beginnt das Urdorffäscht. Haben Sie noch ruhige Nächte?

Stefan Schmid : Mal so, mal so. Meine nächtliche Ruhe hängt davon ab, wie viele E-Mails ich den Tag durch erhalten habe. Aber im Moment schlafe ich eher ruhig.

Sie waren bereits bei drei Gewerbeschauen als Präsident federführend. Was ist beim Urdorffäscht anders?

Es ist sicherlich der grösste Anlass, den ich je in Angriff genommen habe. Speziell dabei ist, dass das Organisationskomitee aus 30 Ressortchefs besteht. Mit so vielen Leuten zusammenzuarbeiten, ist schon etwas anders. Zudem investierte ich im vergangenen Jahr durchschnittlich ein 30-Prozent-Arbeitspensum auf das Urdorffäscht.

Bereits drei Jahre und drei Monate dauert die Organisationszeit für diesen Anlass insgesamt. Woher nehmen Sie die Motivation dafür?

Das OK besteht aus Menschen, die ich gut kenne und denen ich vertraue. Zudem kann ich mich auf sie verlassen. Wenn dies nicht so wäre, dann könnte ich womöglich nicht mehr so gut schlafen und wäre dementsprechend unmotiviert.

Vor dem Embrisaal sind bereits Tische und Bänke aufgestellt. Während des Festes können sich die Freiwilligen dort verpflegen. Entspannt sitzt Stefan Schmid an einem der Festbänke. Mit einem Auge hat er jedoch immer das Mobiltelefon im Blickwinkel. Klingelt es, nimmt er ab und beantwortet der Person am anderen Ende der Leitung ihre Fragen. Organisieren, das liegt Stefan Schmid im Blut.

Gibt es etwas, das Ihnen im Hinblick auf kommenden Donnerstag noch Kopfschmerzen bereitet?

Nichts. Ich hoffe aber auf gutes Wetter während des Festes. Organisatorisch sind wir aber sehr gut vorbereitet.

Was bringt das Urdorffäscht der Gemeinde?

An diesem Fest arbeiten rund 1000 Freiwillige in irgendeiner Form mit. Der dörfliche Geist und der Zusammenhalt in der Gemeinschaft wird so gestärkt. Das ist wichtig.

Ist die Gemeinschaft auch das, was Ihnen am meisten gefällt am Fest? Oder ist es der 80 Meter hohe Freefall Tower, das Beach-Soccer-Turnier oder die längste Rutschbahn?

Es ist in der Tat die Gemeinschaft. An jedem Anlass, an dem ich mitgewirkt habe, gab es einen speziellen Moment. Einen Moment, in dem mir klar wurde, dass viele Menschen friedlich zusammen sind und eine gute Zeit erleben. Dann bin ich stolz, einen Teil an die Organisation beigetragen zu haben. Die Attraktionen sind für mich persönlich nur zweitrangig.

Trotzdem werden Sie alle Anlässe besuchen?

Zu 100 Prozent.

Die Gewerbeschau Urdorf, die im Urdorffäscht integriert ist, ist die letzte im Limmattal. Wie schätzen Sie ihre Erfolgschancen ein?

In Urdorf funktioniert die Gewerbeschau, weil sich die Menschen kennen und den Kontakt zum lokalen Gewerbe suchen.

Sind Sie überrascht, dass bereits 5000 der 10 000 Urdorffäscht-Becher, die als Eintrittskarte zum Fest gelten, verkauft wurden?

Ja. Für einen Vorverkauf ist dies schon eine enorme Zahl. Die restlichen 5000 werden wir am Fest selber noch verkaufen.

Werden Sie nach dem Anlass im Plus oder im Minus sein?

Ziel ist, eine schwarze Null zu schreiben. Mit 300 000 Franken Sponsorengeld ist dies aber sehr realistisch.

Gingen Sie auf der Suche nach Sponsoren auch selber Türklinken putzen?

Ja. Ich schätze, dass rund 50 Prozent der Sponsoren Freunde oder Geschäftskontakte von mir sind. Die meisten aus der Baubranche und aus Urdorf.

Wie begeistern Sie Menschen, die nichts mit der Gemeinde zu tun haben, für das Fest? Auch diese müssen für ein finanzielles Gelingen hierherpilgern.

Das Fest bietet Unterhaltung für die ganze Familie – von der Chilbi bis zur Rutschbahn. Auch rund 50 Konzerte und ein Musical werden aufgeführt. Kulinarisch gibt es alles, was das Herz begehrt.

Auch 300 Tonnen Sand werden aufgeschüttet für das Beach-Soccer-Turnier.

Ja. Dank Beziehungen eines OK-Mitglieder konnte sich Urdorf als Austragungsort der Suzuki Swiss Beach League bewerben und wurde schliesslich auserwählt. Eine weitere Attraktion unseres Megafestes.

Apropos Megafest. Müssen Sie sich im Vorfeld des Festes auch Gigantismus vorwerfen lassen?

Eigentlich nicht. Im Vergleich zu anderen Festen – dem Zürifäscht zum Beispiel – ist dies eine kleine Nummer. Für Urdorf ist es aber tatsächlich ein Grossanlass. Kritische Stimmen in Bezug auf die Grösse höre ich allerdings nur wenige.

Bei einem kleinen Rundgang durch das Festgelände zeigt sich die Begeisterung Schmids für das Geleistete. Dass sich derart viele Vereine für das Fest einsetzen, rührt ihn beinahe. Eine andere Emotion – die Angst – kommt beim Gedanken an den Freefall Tower. Aus 80 Metern über dem Erdboden können sich die Mutigen dann gen Boden gleiten lassen. Dies sei die einzige Attraktion am Urdorffäscht, die er auslassen werde. Schmid hat Höhenangst.

Dieses Megafest wäre ohne die Hilfe der Gemeinde womöglich nicht realisierbar gewesen?

Vermutlich nicht. Die Unterstützung der Gemeinde ist sehr wichtig. Die 50 000 Franken in bar und zirka nochmals so viel in Wertleistungen ist eine grosse Hilfe. Zwei Abgeordnete, Martin Büchi und Patrick Müller, sind auch im OK mit dabei und schauen uns auf die Finger, sodass das Budget nicht aus dem Ruder läuft.

Mussten bei der Planung viele Abstriche gemacht werden?

Natürlich ist nicht alles ohne Wenn und Aber realisierbar. Zu Beginn wollten wir einen Top Act wie Bligg verpflichten. Wir sahen dann aber schnell ein, dass dieser unser Budget zu stark belastet hätte.

Wann war der Zeitpunkt, an dem Sie wussten, dass jetzt alles gut kommen wird?

Das war, als wir vor sechs Monaten alle Sponsorengelder beisammen hatten. Da wusste ich, dass wir auf der sicheren Seite sind.

Sie haben bereits mehrere Grossanlässe organisiert. In einem Interview nach der letzten Gewerbeschau fragte Sie die Limmattaler Zeitung, ob sie wieder einen solchen Anlass organisieren würden. Was antworten Sie heute auf diese Frage?

(...Lacht...lacht... lacht) Was habe ich damals geantwortet?

Auch damals haben Sie ausgiebig gelacht.

(Lacht weiter) Diese Frage vor dem Urdorffäscht zu beantworten, ist hart. In der Regel gilt aber, nach dem Fest ist vor dem Fest. Ich organisiere nun mal einfach gerne.

Alle Artikel zum Urdorffest finden Sie hier.

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