Mein Ding: Handwerk
Diese 15-Jährige sucht Abnehmer für ihr selbstgebautes Insektenhotel – den gesamten Erlös will sie spenden

Die Oetwiler Sekundarschülerin Saskia Frei hat in wochenlanger Arbeit ein eigenes Insektenhotel gebaut. Dieses will sie aber nicht für sich behalten, sondern für mindestens 1000 Franken verkaufen. Das Geld soll einer Naturschutzorganisation aus der Region zugutekommen.

Sven Hoti
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Nach zwei Monaten harter Arbeit: Das Insektenhotel von Saskia Frei ist fertig und wartet auf einen neuen Besitzer.

Nach zwei Monaten harter Arbeit: Das Insektenhotel von Saskia Frei ist fertig und wartet auf einen neuen Besitzer.

Bild: Severin Bigler

In einem unscheinbaren Limmattaler Hinterhof steht es, das knapp zwei Meter grosse, eine halbe Tonne schwere Insektenhotel von Saskia Frei. Die 15-jährige Sekundarschülerin aus Oetwil hat es im Rahmen des Pflichtfachs Projektarbeit gebaut. Von Februar bis März war sie fast jedes Wochenende und einen Grossteil ihrer Ferien damit beschäftigt. Nun ist es fertiggestellt und abholbereit.

Denn für sich behalten will sie den hölzernen Koloss nicht. Dafür fehle ihr schlicht ein Garten bei ihrem Zuhause, sagt Frei. Stattdessen soll es an einen grosszügigen Spender gehen. Mindestens 1000 Franken erhofft sich Frei vom Verkauf. Darin eingerechnet seien die Materialkosten und der Aufwand für das Projekt. Der Name des Spenders soll dann mit demjenigen der Erbauerin auf einem Schildchen am Insektenhotel verewigt werden.

Den gesamten Erlös aus dem Verkauf will sie dem Natur- und Vogelschutzverein Limmattal rechtes Ufer vermachen, der in den Gemeinden Oberengstringen, Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil tätig ist. Der Verein finanziere sich hauptsächlich über Mitgliederbeiträge, so Frei. «Dort wird meine Spende mehr bringen als bei grösseren Organisationen wie etwa dem WWF.»

Umgefallener Eichenstamm diente als Rohling

Dass sie ihr Projekt mit einer Spende an eine gemeinnützige Organisation koppeln möchte, sei ihr eigentlich von Anfang an klar gewesen. «Ich wollte auch etwas für mein Gewissen tun», sagt die 15-Jährige. Ihr erster Vorschlag für die Projektarbeit – nicht mehr gebrauchte Brillen zu sammeln und diese in ein Drittweltland zu spenden – sei von der Schule abgelehnt worden. Durch einen Kollegen ihres Vaters sei sie schliesslich auf die Idee gekommen, ein Insektenhotel zu bauen. Dabei hatte sie sich viel vorgenommen:

«Ich wollte etwas Grosses, etwas Spezielles machen, was direkt ins Auge sticht.»

Aus dem Stamm einer Eiche sägte und schliff sie den Rohling, das Gehäuse sowie Einzelteile für die Innenausstattung des Insektenhotels. Für die Nistplätze bearbeitete die Oetwilerin Bambusrohre, Ziegelsteine und Holzscheite. Aus einer alten Kupferrinne und Schindeln fertigte sie das Dach. Verschiedene Personen standen der 15-Jährigen fachlich und technisch zur Seite.

Sämtliche Materialien für das Insektenhotel hat die Oetwilerin aus der Natur oder aus der Bauschutt- und Alteisenmulde rezykliert. Für den Rohling etwa konnte sie sich einen über 80-jährigen Eichenstamm sichern. Der Baum war bei den Schneefällen im Januar umgestürzt und wäre wohl geschreddert worden.

Aus einer alten, umgestürzten Eiche sägte Saskia Frei den Rohling für ihr Insektenhotel.
5 Bilder
Richtig schön wird der Rohling nur durch den richtigen Schliff.
Dachziegel zersägte Frei zu passenden Nistelementen für das Insektenhotel.
Viele Nistplätze im Insektenhotels bestehen aus solchen Bambusröhrchen.
Im Insektenhotel sollen dereinst Wildbienen, Hornissen und andere Insekten ihre Nistplätze einrichten.

Aus einer alten, umgestürzten Eiche sägte Saskia Frei den Rohling für ihr Insektenhotel.

Bild: zvg

Nach rund zwei Monaten und etwa 100 Arbeitsstunden ist das Insektenhotel, wo künftig Wildbienen, Hornissen und andere Insekten nisten sollen, nun fertig – und Saskia Frei erleichtert: «Ich bin froh, dass alles gelungen und nichts kaputtgegangen ist.» Für den Abschluss des Projekts fehle nun nur noch ein Käufer.

In den vergangenen Wochen arbeitete die 15-Jährige jeweils samstags oder sonntags sowie in den Schulferien. Normalerweise seien von der Schule aus eigentlich nur zwei Stunden Arbeitszeit pro Woche vorgesehen, so Frei. Als verschwendete Zeit sieht sie das allerdings überhaupt nicht: «Ich mache lieber so etwas in meiner Freizeit, als immer auf den sozialen Medien zu sein.»

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