Kloster Fahr
Mehr Erlebnisse vor Ort: Die neuen Mutterkühe sind mit ihren Kälbern in den umgebauten Stall eingezogen

In den nächsten Wochen und Monaten entwickelt die Fahr Erlebnis AG das Klosterareal weiter zum Erlebnisort für Erwachsene und Familien. Mit der Eröffnung des umgebauten Kuhstalls ist nun die erste Etappe geschafft – die Klosterfrauen freuen sich.

Sven Hoti
Merken
Drucken
Teilen
«Ein emotionaler Moment»: Am Mittwoch besichtigten die Schwestern des Kloster Fahr den umgebauten Kuhstall.

«Ein emotionaler Moment»: Am Mittwoch besichtigten die Schwestern des Kloster Fahr den umgebauten Kuhstall.

Bild: Severin Bigler

«Kommt rein! Kommt rein!», ertönt es aus dem frisch umgebauten Kuhstall. Zwei Schwestern des Klosters Fahr versuchen, die Kühe nach drinnen zu locken. Einzelne Mutterkühe blicken etwas unsicher vom Aussengehege hinein in ihr neues Zuhause. «Die sind noch etwas skeptisch – wie wir manchmal auch», sagt eine der beiden Schwestern. Beide lachen los.

Auch die erstaunliche Wärme am Mittwochnachmittag vermag die ­Mutterkühe mit ihren Kälbern nicht dazu zu bewegen, ihr neues Zuhause auszukundschaften. Lieber lassen sie sich von der automatischen Bürste im Aussengehege vor dem Stall massieren. «Sie sind noch etwas nervös, weil ein Teil ihrer Gspänli fehlt», erklärt Meisterlandwirt Andreas Benz.

Benz ist Mitgründer der Fahr Erlebnis AG, welche das Kloster Fahr als Ausflugsziel neubeleben will. Dafür hat sie den Landwirtschaftsbetrieb und das Restaurant auf dem Areal gepachtet. Die Mutterkühe mit ihren Kälbern stammen von seiner Herde in Wettingen. Benz hat sie in zwei Etappen am vergangenen Mittwoch zum Kloster Fahr transportiert.

«Wir wollen, dass die Leute Freude haben»: Landwirt Andreas Benz (rechts) war zuständig für den Umbau des Kuhstalls.

«Wir wollen, dass die Leute Freude haben»: Landwirt Andreas Benz (rechts) war zuständig für den Umbau des Kuhstalls.

Bild: Severin Bigler

Der Landwirt war auch zuständig für den Umbau des Stalls, der seit letztem Mittwoch für Besucherinnen und Besucher offen steht. Die alte Scheune ist neu dreigeteilt: Im vorderen Teil befindet sich eine begehbare Besucherbühne aus Holz, in der Mitte ist der Liege­bereich für die Kühe und im hinteren, durch eine Wand abgeschirmten Bereich können sich die Arbeiterinnen und Arbeiter in Ruhe um die Tiere kümmern.

Der Stall sei besucherorientiert gestaltet worden, so Benz. «Wir wollen, dass die Leute Freude daran haben.» Gleichzeitig erfülle er einen hohen Tierwohlstandard. «Der Umbau war viel Arbeit. Aber nun freuen wir uns, dass wir auf Kurs sind», sagt er.

Der Kuhstall beim Kloster Fahr ist nun dreigeteilt: Neu verfügt er über eine begehbare Bühne für die Besucherinnen und Besucher.

Der Kuhstall beim Kloster Fahr ist nun dreigeteilt: Neu verfügt er über eine begehbare Bühne für die Besucherinnen und Besucher.

Bild: Severin Bigler

Freude herrscht am Mittwoch auch bei den Schwestern des Klosters Fahr, welche dem Einzug der tierischen Neuankömmlinge interessiert beiwohnten. «Es ist ein sehr emotionaler Moment für uns», sagt Priorin Irene Gassmann. «Wir freuen uns, dass es mit der Landwirtschaft weitergeht und der Stall wieder belebt ist.»

Seit Jahresbeginn entwickelt die Fahr Erlebnis AG das Angebot auf dem Areal weiter. Mit dem Einzug der Mutterkühe und ihren Kälbern findet die erste Etappe dieses Prozesses ihren Abschluss. Im Laufe der nächsten Wochen und Monaten wird das Angebot weiter ausgebaut. Es folgen unter anderem ein Ferienlager für Kinder, die Eröffnung des neuen Hofladens, des familiären Fährigartens sowie die Wiedereröffnung des Restaurants Zu den Zwei Raben – sofern es die Pandemiesituation erlaubt.

Die Eröffnung des neuen Kuhstalls ist am Mittwoch praktisch im Stillen vonstattengegangen. Abgesehen von den Verantwortlichen der Fahr Erlebnis AG waren lediglich die Schwestern des Klosters Fahr zugegen. «Wir haben absichtlich noch keine Werbung gemacht, damit sich die Tiere in Ruhe an ihre neue Umgebung gewöhnen können», erklärt Nicole Sozzi, Geschäftsführerin der Fahr Erlebnis AG. Der neue Stall stehe von jetzt an aber allen Besucherinnen und Besuchern offen.

«Mit unseren finanziellen Mitteln wollen wir etwas starten, das sich in Zukunft weiter entwickeln kann», sagt Nicole Sozzi, Geschäftsführerin der Fahr Erlebnis AG.

«Mit unseren finanziellen Mitteln wollen wir etwas starten, das sich in Zukunft weiter entwickeln kann», sagt Nicole Sozzi, Geschäftsführerin der Fahr Erlebnis AG.

Bild: Severin Bigler

Die neuen Pächter des Landwirtschaftsbetriebs und des Restaurants hatten bereits im Vorfeld angekündigt, beim Betrieb der Liegenschaften grossen Wert auf das Tierwohl und einen biologischen Anbau ihrer Produkte zu legen. Diesen nachhaltigen Prozess treibe man nun sukzessive voran, so Sozzi. Mit dem Ziel, den Landwirtschaftsbetrieb am Schluss zertifizieren zu lassen.

Eine Herausforderung bei der Umgestaltung seien insbesondere die denkmalgeschützten Gebäude und die damit einhergehenden Auflagen gewesen, erklärte Sozzi. Für die Arbeiten am Stall und in der historischen Trotte seien daher auch Externe beauftragt worden. Insgesamt zeigt sich die Geschäftsführerin zufrieden mit dem bisherigen Fortschritt:

«Es läuft alles sehr sportlich. Vieles ist aufwendiger, als wir ursprünglich erwartet hatten. Und die grössten Herausforderungen kommen erst noch. Aber wir sind auf Kurs.»

Das Ziel sei nicht, einen Millionenumbau zu realisieren, sondern mit den bestehenden Ressourcen das Beste herauszuholen. «Wir haben zwar nicht Unmengen an Geld, aber Unmengen an Ideen und Tatendrang. Mit unseren Mitteln wollen wir etwas starten, das sich in Zukunft weiterentwickeln kann.»