Geroldswil

Trotz des Corona-Virus werden munter Kleider gespendet

Bereits in den Tagen vor dem eigentlichen Spendetag kamen 280 Kisten zusammen.

Bereits in den Tagen vor dem eigentlichen Spendetag kamen 280 Kisten zusammen.

Die katholische Kirche Geroldswil hatte zum Verzicht aufgerufen. Dennoch pilgerten viele mit Waren ins Zentrum.

Vor dem katholischen Pfarramt in Geroldswil stapelten sich in den letzten Tagen die Kisten und Säcke mit allerlei Waren, die für Rumänien gespendet werden sollten. Seit 40 Jahren wird die Aktion im März durchgeführt. Gesammelt wird nicht mehr Gebrauchtes. Darunter fallen Kleider, Plüschtiere, Geschirr, bis hin zu Fahrrädern. Im Auftrag des Guten pilgerten Personen deshalb in den letzten Tagen vermehrt ins Zentrum, Corona-Virus hin oder her. «Wir waren in den letzten zwei Wochen damit konfrontiert, die ganze Aktion abzusagen», sagt Ernst Bauer. Er hat die Organisation vor 16 Jahren übernommen. Es sei ein Hin und Her gewesen mit Diskussionen. Sie mussten sich immer wieder an die neuen Situationen anpassen. «Egal, was wir gemacht hätten, die Leute hätten uns ihre Sachen trotzdem vor die Tür gestellt», ist Bauer überzeugt. Sein Know-how als ehemaliger Logistiker war in diesem Jahr deshalb besonders gefragt.

Die Lösung war nun, dass wesentlich weniger Helferinnen und Helfer mit genügend Abstand zwischen den Tischen die Waren sortierten und verpackten. Eintritt wurde niemandem mehr gewährt, ausser diesen acht freiwilligen Personen. Die Spende konnte nur vor der Tür abgegeben werden. Der eigentliche Sammeltag begann gestern und sollte heute weitergeführt werden. «Wir kommunizieren, dass man zu Hause bleiben soll, anstatt mit den Waren vorbeizukommen», sagt Hans Hintermann, Präsident der katholischen Kirchenpflege. Auch die Plakate, um auf die Aktion aufmerksam zu machen, wurden längst entfernt. Gebracht hat es wenig.

Die Freude der anderen motiviert zum Engagement

Die Leute scheinen die Kisten zu bringen, weil sie wissen, dass die Spendentage anstehen. Bereits in den zwei Tagen vor dem eigentlichen Termin zur Entgegennahme kamen 280 Kisten zusammen. «Ich habe jeden Tag vergebens gehofft, dass es weniger werden», so Bauer. Ein Teil der bereits sortierten Waren kann im Kirchensaal gelagert werden, weil sämtliche Anlässe und Gottesdienste abgesagt wurden. Einen weiteren Lagerraum stellte die Non-Profit-Organisation «Casa Helvetia – Rumänienhilfe» zur Verfügung. Im vergangenen Jahr wurden 930 Kisten in einem Lastwagen nach Rumänien befördert. Diesmal dürften es trotz dem anhaltenden Bedürfnis zur Spende etwas weniger werden.

Es sei eine aussergewöhnliche Situation, sagt Bauer. Wenn man einmal im Osten von Rumänien gewesen sei und diese Armut gesehen habe, dann motiviere das zum Engagement. «Wenn man später ein Foto in der Hand hält, wie ganze Familien sich über die Plüschtiere oder eine Nähmaschine freuen, dann lohnt sich der ganze Aufwand.»

Der Verzicht auf das Spenden wäre vernünftiger

Im Hintergrund liefen die Telefonleitungen in den letzten Tagen ebenfalls heiss. Auch die Ehefrau von Ernst Bauer, Annemarie Bauer, und das Sekretariat der katholischen Kirche waren mit unzähligen Anfragen konfrontiert. Viele waren unsicher, ob die Aktion nun trotz der Notlage mit dem Corona-Virus durchgeführt werden kann. Gemäss den Organisatoren konnte sie das eigentlich nicht, aber sie musste trotzdem. Es dürfte viele geben, die es nicht gut finden, dass in dieser Zeit so viele Dinge vorbeigebracht wurden. Die meisten Leute waren aber dankbar, dass sie die Sachen bringen durften. Die gute Tat wird auch nächstes Jahr durchgeführt. Ein Lastwagen kann im Moment nicht nach Rumänien fahren.

Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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