Die reformierte Kirche Dietikon war bis zum letzten Platz gefüllt, selbst auf der Empore drängten sich die Leute. Man hätte meinen können, hier finde ein Rock- oder ein Gospelkonzert statt.

Weit gefehlt! Stattdessen trat das Streichorchester Dietikon auf und zeigte – verstärkt von zwei jungen Solistinnen – dass klassische Musik auch heute noch anziehen kann.

Auf dem Programm stand sozusagen die klassische Klassik; jener Ausschnitt aus der mehr als 500 jährigen Kunstmusik-Geschichte, die jedermann und jede Frau mit dem Begriff Klassik in Verbindung bringt: Mozart und Haydn. Bevor jedoch die beiden Österreicher zum Zug kamen, kündete Günther Stückle, der langjährige Dirigent des Orchesters, einen unbekannteren Namen an.

Geist Haydns eingefangen

Alles hat seinen Anfang, auch ein uns heute so zeitlos erscheinender Stil wie die Wiener Klassik. Entscheidende Schritte in diese Richtung – und weg von dem kunstvoll-komplizierten Musikverständnis eines Johann Sebastian Bach – unternahm Johann Wenzel Stamitz.

Das Streichorchester Dietikon spielte seine Symphonie in Es-Dur und liess zeitweise vergessen, dass hier vor allem Liebhaberinnen und Liebhaber – Amateure – am Werk waren. Gekonnt demonstrierten sie die musikalischen Innovationen dieser Zeit: die dynamisch anschwellenden Crescendi und die klare, geradlinige Melodieführung.

Nachdem sozusagen der Teppich ausgerollt worden war, war es Zeit für den ganz grossen Innovator, den vor Schalk und Spielwitz nur so sprühenden Haydn. Gerade im Kopfsatz spürte man viel von seinem Geist und wurde mitgerissen von den frisch und vital aufspielenden Dietikern. Ein etwas verhalten musizierter Mittellauf wurde durch das anschliessende Presto wieder wettgemacht.

Was wäre die Wiener Klassik ohne Mozart, den unverschämt Begünstigten und Liebling aller Musikgötter. Die in Dietikon aufgewachsene Chantal Gautschi und Domenica Berlepsch traten an, um ihn in aller Tiefe auszuloten. Gautschi spielte Flöte, Berlepsch Harfe, zusammen mit dem Streichorchester Dietikon wagten sie sich an Mozarts Konzert für diese beiden Instrumente.

An vielen Stellen hatten die beiden Solistinnen Gelegenheit, die schwungvolle Heiterkeit des Stückes ganz ohne Mittun des Orchesters zu zelebrieren. Man hörte entzückt, wie mühelos Berlepsch die schwindelerregenden Läufe auf der Harfe meisterte und welch innig-seelenvolle Töne Gautschi ihrem Instrument zu entlocken wusste.

Nicht von ungefähr erhob sich nach dem Finale einer nach dem anderen, bis schliesslich das ganze Publikum stehend applaudierte. Die beiden Solistinnen dankten den Applaus mit einer Zugabe, einem technisch anspruchsvollen Stück von Jacques Iber.

Viel Lob aus dem Publikum

Wenig überraschend fielen die Stimmen aus dem Publikum äusserst positiv aus. «Es ist etwas ganz anderes, diese Musik live hören zu können», meinte etwa Monika Levy. Man könne das nicht mit dem Abspielen einer CD vergleichen.

Ihr gefiel vor allem das behände Spiel der Harfenistin. «Bei Laienorchestern hat man manchmal das Gefühl, dass sie sich übernehmen», sagte Charly Hobi, «das war hier ganz klar nicht der Fall».