Der Schlieremer Stadtrat und die Rechnungsprüfungskommission (RPK) sind sich nicht einig, was die Kosten der Glasfaser-Vernetzung von städtischen Liegenschaften anbelangt. Für 2,3 Millionen Franken will der Stadtrat die städtischen Liegenschaften mit Glasfaser-Leitungen verbinden. Das soll der Verwaltung und den Schulen eine schnellere, leistungsfähigere Internetnutzung ermöglichen.

An der letzten Gemeinderatssitzung stellte sich das Parlament mit 19 zu 9 Stimmen hinter die RPK und wies das Geschäft an den Stadtrat zurück. Dabei handle es sich bei der Vorlage um eine gute Vorlage, wie RPK-Präsident Boris Steffen (SVP) sagte.

Im vergangenen April noch nahm das Parlament eine andere IT-Vorlage einstimmig an: das ICT-Konzept. Dieses sieht vor, Software und Hardware der Schlieremer Schulen für 2,3 Millionen Franken aufzustocken. Das zweite grosse IT-Geschäft des Stadtrates hatte es nun schwieriger. «Die Mehrheit der RPK erachtet es als nicht notwendig, die Schulanlagen an ein städtisches Glasfasernetz anzubinden. Das Gebot der Sparsamkeit wird verletzt», sagte Steffen in seinem Votum an der letzten Sitzung, betonte aber, dass die RPK für den Glasfaser-Anschluss der restlichen städtischen Liegenschaften sei.

RPK pocht auf Drittanbieter

Anstelle der Verlegung eigener Glasfaser-Leitungen schwebt der RPK vor, solche von Drittanbietern zu nutzen. Auch beim Unterhalt sehen die Rechnungsprüfer Sparpotenzial. Anstelle der vom Stadtrat beantragten Variante, wonach der Dienstleistungserbringer dafür zu sorgen hat, dass die Verbindung reibungslos funktioniert, schlägt die RPK Eigenverantwortung vor. Die IT-Angestellten der Stadt sollten selber allfällige Probleme beheben und für einen ungestörten Betrieb müssten Redundanzen beim Internetzugang und automatische Wechsel auf andere Netzwerkdienste integriert werden.

Laut einer Präsentation der RPK-Mehrheit müssten die Schulhäuser mit der zentralen Server-Infrastruktur im Reitmen und dem Internet verbunden sein. Und nicht, wie es der Stadtrat vorsieht, auch untereinander. «Dies ist kein Vorteil, da sich ein Virus so über das gesamte Netzwerk verbreiten kann», heisst es. Laut Berechnungen der RPK würden sich so Investitionen von 1,2 Millionen Franken und jährliche Folgekosten von 50 000 Franken einsparen lassen.

Bedürfnisse der Schule

Dass das Glasfasernetz die Zukunft ist, darin sind sich alle einig: «Der Stadtrat erachtet den Nutzen von Glasfaser-Verbindungen als hoch, da Daten in grosser Geschwindigkeit über weite Distanzen verlustfrei transportiert werden können», sagte Manuela Stiefel (FDP) an der letzten Gemeinderatssitzung. Weiter sehe der Stadtrat die sogenannte Ring-Erschliessung als optimale Massnahme zur Umsetzung der Anforderungen. «Der Stadtrat sieht keine Verletzung der Sparsamkeit in dieser Vorlage, da diese langfristig auf die Bedürfnisse von Schule und Stadt ausgerichtet ist», sagte sie weiter. Nach dem Nein vom Parlament werde der Stadtrat das Projekt nun überarbeiten. Wann er genau mit einer neuen Vorlage vors Parlament treten wird, ist noch offen.

Da die Aufrüstung der Schul-IT schon im Gang ist und die Zeit drängt, sprach der Stadtrat bereits Anfang Juni gebundene Ausgaben in der Höhe von etwas mehr als 235 000 Franken. Dieses Geld umfasst insbesondere die Miete von Übertragungsleitung einer Telekommunikationsanbieterin für drei Jahre. Bereits diesen Sommer und Herbst sollen die Schulhäuser Hofacker, Reitmen und Kalktarren angeschlossen werden.

Verdoppelung alle zwei Jahre

Ob es für die Schule der Zukunft einen eigenen Glasfaser-Ringanschluss braucht, kann das Zürcher Volksschulamt nicht beantworten, da es keine definierte Standardausrüstung gebe, sagt Amtschefin Marion Völger. Zur Unterstützung werde den Schulen eine Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt. Darin werden abhängig von Schulstufen und Schulgrössen Empfehlungen zu Bandbreiten abgegeben. «Da sich die Möglichkeiten laufend verändern, werden die Schulen darauf hingewiesen, langfristig zu planen und tendenziell eine grössere Bandbreite als aktuell benötigt zu wählen», sagt Völger. Ein Erfahrungswert sei etwa eine Verdoppelung der nötigen Bandbreite alle zwei Jahre.