Dietikon
Simon Nádasi und Ana Turkalj reisen im Konzert durch die Musikgeschichte

Die beiden decken an ihrem Konzert ein breites Repertoire ab. Sie überzeugten mit Boccherini, Beethoven, Schumann und weiteren.

Tobias Bolli
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Simon Nádasi und Ana Turkalj versanken in der Musik, die sie im Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon zum Besten gaben.

Simon Nádasi und Ana Turkalj versanken in der Musik, die sie im Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon zum Besten gaben.

Tobias Bolli

«Wir wollen von der Klassik bis in die Moderne einen weiten Bogen spannen und möglichst vieles zeigen», verriet Simon Nádasi vor dem Konzert. Der Dietiker Musiker und Komponist warb mit dem Konzertprogramm auch für seine neue CD. Diese enthält das gleiche Repertoire, lässt aber statt dem Ibach-Flügel, der am Sonntag im katholische Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon zum Einsatz kam, eine mächtige Orgel erklingen.

Sowohl auf der CD wie auch am Konzert wurde Nádasi von der renommierten Cellistin Ana Turkalj begleitet. Bis kurz vor dem Auftritt probten die beiden kritische Passagen. Der Anspruch an die eigene Musik war hoch, trotzdem blieb das grosse Publikum am Ende aus.

Von Boccherini zu Beethoven und Schumann

Die erschienenen Zuhörer kamen dafür in den Genuss einer grossartigen Zeitreise. Diese begann in der Klassik, sie schien da Schwung zu holen, für den Flug durch die Jahrhunderte. Rasant und feurig war der Auftakt: Er wurde mit Affekt und Leidenschaft vorgetragen, genauso wie es das Affettuoso von Boccherini verlangte.

Von der Klassik ging es weiter zu Beethoven, der, wie man hörte, die traditionellen Formen bis zur Überspannung dehnte. Man hatte im Rondo das Gefühl, einem launischen Individuum zuzuhören: Ruhige Passagen wechselten sich ab mit regelrechten Grolleruptionen. Hier war jemand cholerisch und zärtlich zugleich; ein Kontrast, der von Nádasi und Turkalj treffend hervorgehoben wurde.

Die Hingabe des Duos an die Musik liess sich nicht nur hören. Auch visuell machten die beiden den Eindruck, tief in den Tönen versunken zu sein. Obschon Turkalj mit grossem mimischen Einsatz dabei war, wirkte sie aber hoch konzentriert. Nádasi dagegen machte am Klavier einen jugendlich-verspielten Eindruck und schien Note für Note auszukosten.

Den nächsten musikalischen Zwischenhalt legte das Duo in der Romantik ein, und zwar mit den Fantasiestücken von Robert Schumann. Diese boten vieles, was für diese Epoche bezeichnend ist: Eine kühne Harmonik, freie formale Gestaltung, so wie eine irrwitzig zu nennende Rhythmik. Ständig kippt der Romantiker von einem Rhythmus in einen anderen, dabei wurde es dem Zuhörer beinahe schwindlig.

Verspätete, aber geglückte Zugabe

Eine ganz andere Stimmung verbreitete Debussy, der grosse Komponist des Impressionismus. Nádasi spielte die Suite Bergamasque, die das bekannte Stück Clair de Lune enthält. Mit vielen Farbtupfern malte er ein musikalisches Gemälde, das die Melodien verträumt ineinander verschwimmen liess.

Weiter ging es mit einem Tanz des Spätromantikers Rachmaninow. Das Werk wurde von den beiden herausragend gespielt, zumal es in Hinblick auf ein grösseres, orchestrales Klangbild komponiert worden war. Ob dem leidenschaftlichen Zusammenspiel vermisste man das Orchester aber keineswegs.

Uneinigkeiten über Art der Zugabe

Der Schlussapplaus war trotz des überschaubaren Publikums gross. Bravo-Rufe ermutigten das Duo zu einer Zugabe. Hier kam es zum ersten Mal zu Abstimmungsproblemen: Trotz zahlreicher Gesten und Worte konnten sich die beiden Musikanten über die Art der Zugabe nicht einig werden. Nach einem ausgedehnten Klärungsprozess wurde das Publikum dann aber doch noch mit einem letzten Stück beglückt.

Die Zuhörer zeigten sich angetan vom Konzert: «Wunderbar und ausgesprochen professionell!», meinte etwa Rosemarie Werz aus Dietikon. Auch Eveline Duttweiler aus Schlieren war begeistert: «Ich bin beeindruckt von dieser Virtuosität. Schade nur, dass nicht mehr Leute kamen.»

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