Limmattal
Schwingen ist in - doch der Schwingklub kämpft um seine Existenz

Während dem «Eidgenössischen» rückt das Schwingen in den Fokus. Doch der Klub in der Region kann nicht davon profitieren.

Aline Ilk
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Nicht mehr viele können sich fürs Schwingen begeistern. (Symbolbild)

Nicht mehr viele können sich fürs Schwingen begeistern. (Symbolbild)

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Es ist wieder soweit: Das eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das nur alle drei Jahre stattfindet, geht dieses Wochenende in Estavayer-le-Lac im Kanton Freiburg über die Bühne. Auch die Verantwortlichen des Schwingklubs Glatt- und Limmattal freuen sich darauf, denn der Anlass rückt den Schwingsport in der Schweiz in den Fokus. Doch in der Region wünschen sie sich mehr Schwingbegeisterte.

Laut Stefan Tresch, Präsident des Klubs, ist der Sport im Limmattal nicht sehr bekannt. Das ändert auch das «Eidgenössische» nicht. «In unserem Schwingklub haben wir einen eher schlechten Zulauf», sagt er. «Auch nach einem grossen nationalen Fest gibt es bei uns leider keinen Ansturm.» Für einen städtischen Agglomerationsklub sei es schwieriger, Leute anzuziehen, als für Vereine in ländlichen Gegenden. Denn Kinder und Jugendliche, die auf dem Land wohnen, hätten viel weniger Möglichkeiten, sich in der Freizeit zu beschäftigen als solche in urbanen Gegenden.

«Heute bevorzugen viele Jugendliche die typischen Mannschaftssportarten wie Fussball, Eishockey oder Handball bevorzugen», sagt er. Vor allem aber sei es auch ein Problem, dass der Schwingklub Glatt- und Limmattal ein so weites Einzugsgebiet umfasse und das Training nur an einem Ort in Schlieren durchführe. «So kann ein Kind beispielsweise aus Unterengstringen oder Geroldswil nicht allein mit dem Velo ins Training kommen. Es ist auf seine Eltern angewiesen, die Zeit haben und den Weg mit dem Auto auf sich nehmen müssen», so Tresch. Fussballvereine hingegen gibt es in den meisten Dörfern. Da Schwingen gerade bei der Jugend nicht mehr gross im Gespräch ist, liegt es laut Tresch auch an den Eltern, ihre Kinder wieder auf den Traditionssport aufmerksam zu machen.

Wie der Vater, so der Sohn

Als Traditionssport wird Schwingen oft in der Familie weitervermittelt. Waren schon der Grossvater oder der Vater aktiv, ist es wahrscheinlicher, dass auch die Söhne den Zugang finden. Und auch auf den Beruf käme es an, sagt Tresch: Landwirte schwingen eher als Bankangestellte. Früher sei der Sport auch beliebter gewesen, da es weniger Akademiker und mehr Handwerker und Landwirte gab. «Die guten Zeiten waren vor etwa 40 Jahren. Da hatten wir bis zu 30 aktive Mitglieder. Heute haben wir gerade mal vier Aktive und acht Jungschwinger.» Kinder von acht bis 15 Jahren trainieren bei den Jungschwingern, ab 16 Jahren werden sie zu Aktivschwingern. «In diesem Alter müssen sich die Jugendlichen auf ihre Ausbildung konzentrieren», sagt Tresch. «Deswegen steigen viele aus, weil sie einfach keine Zeit mehr haben.»

Beliebt ist dafür der Schnuppertag, den der der eidgenössische Schwingerverband jährlich organisiert, um den Nachwuchs für den Sport zu begeistern. Auch der Schwingklub Glatt- und Limmattal macht mit. «Unser Schnuppertag ist immer sehr gut besucht», sagt Tresch. Dieses Jahr findet der Anlass am 3. September im Rahmen des Kellerfestes in Oetwil statt. «Am Tag selber sagen alle begeistert, sie würden einmal in ein Training kommen, doch nachher hört man nichts mehr», so Tresch.

Werbung in den Schulen

Auch in verschiedenen Schulen macht der Klub Werbung und stellt den Kindern den Schwingsport vor. Im Dezember findet jeweils das traditionelle Niklausschwinget in Dietikon statt, an dem Schwinger aus der ganzen Schweiz teilnehmen. Doch trotz allen Bemühungen würde sich der Schwingklub Glatt- und Limmattal über mehr Zulauf freuen.

Schlussschwinget Glatt- und Limmattal
3 Bilder
Severin Müller (l.) wird Zweiter
Noel Boll (oben) wird Dritter

Schlussschwinget Glatt- und Limmattal

Bruno Auf der Maur

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