Schlieren
Rolf Sommer geht unter – als Musical-Darsteller mit der «Titanic»

Gerade noch als Stripper auf der Bühne, sticht der Schlieremer Musical-Darsteller Rolf Sommer jetzt mit der «Titanic» in See.

Daniel Diriwächter
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Rolf Sommer als Edgar Beane im Musical «Titanic». Bad Hersfelder Festspiele/ Klaus Lefebvre

Rolf Sommer als Edgar Beane im Musical «Titanic». Bad Hersfelder Festspiele/ Klaus Lefebvre

Rolf Sommer geht scheinbar durch harte Zeiten. Eben erst musste er sich Abend für Abend in aller Öffentlichkeit entkleiden und ab Juli wird er mit grossem Getöse untergehen. Was sich dramatisch anhört, ist tatsächlich ein voller Spielplan mit interessanten Rollen für den Schlieremer Musical-Darsteller.

Das Stück «Ladies Night», in welchem arbeitslose Männer als Stripper durchstarten, lief bis vor kurzem im Theater am Hechtplatz. Der 41-Jährige spielte eine der Hauptrollen und zog mit dem Ensemble am Ende des Stücks blank. «Das Ausziehen gehörte zur Geschichte des Stücks und war somit Teil meines Jobs als Schauspieler», sagt Sommer.

Anders sei die Situation beim Schlussapplaus gewesen. «Sich als Privatperson, nur mit einem Handtuch bekleidet, vor dem Publikum zu verneigen, war ein bisschen unangenehm.»

Seine nächste Rolle wartet dafür mit hochgeschlossener Bekleidung auf. Sommer wird zum zweiten Mal bei den Bad Hersfelder Festspielen im Bundesland Hessen im Musical «Titanic» auf der Bühne stehen. Es ist eine Freilichttheater-Produktion, die nicht nur durch ein imposantes Bühnenbild besticht, sondern auch durch hinreissende Musik. Inszeniert wird das Spektakel vom Zürcher Regisseur Stefan Huber, der auch «Io senza te», das erfolgreiche Musical mit der Musik von Peter, Sue & Marc, auf die Bühne brachte.

Sommer verkörpert in «Titanic» die Rolle des Edgar Beane, eines Passagiers der zweiten Klasse, dessen Frau lieber in der ersten Klasse reisen würde. «Das Musical ist eines der besten, das ich kenne. Die Musik ist wunderschön und bombastisch orchestriert», so Sommer, der bei einem Casting in Berlin die Rolle ergatterte.

Von wuchtiger Grösse

Laut Sommer handelt «Titanic» vom Aufbruch, vom Fortschritt, von der Dekadenz und den Träumen einfacher Leute. «Vor allem geht es aber darum, Abschied nehmen zu müssen von seinen Liebsten», sagt er. Also sticht er bald jeden Abend in See, um gegen Schluss in eisigen Fluten zu ertrinken, während seine Bühnen-Frau einen Platz auf dem Rettungsboot findet.

«Hubers Inszenierung ist unglaublich behutsam und gleichzeitig von wuchtiger Grösse. Ein wahrer Traum für mich als Darsteller», sagt Sommer.

Die Karriere von Sommer geht entgegen seinem «Titanic»-Charakter aber nicht unter – im Gegenteil. Schon ab Ende August tritt er in «Die Rache der Fledermaus» auf, einer «liebevollen Abrechnung mit Johann Strauss», wie das Casinotheater Winterthur schreibt. Wiederum unter der Regie von Stefan Huber.

Auch Sommers Arbeit hinter den Kulissen geht weiter: Im Frühjahr debütierte er als Regisseur mit der Theatergruppe «Eigägwächs» und dem Musical «Pippin» in seinem Heimatkanton Uri. Sämtliche Vorstellungen waren ausverkauft und die Kritik voll des Lobes. Es erstaunt nicht, dass Sommer bei der nächsten Produktion wieder Regie führen wird. «Das Kreativ-Team wird weitgehend dasselbe sein wie bei ‹Pippin›, was mich enorm freut», so Sommer. Derzeit suchen er und sein Team nach einem neuen Stück und prüfen diverse Optionen. «Im Herbst wollen wir bekannt geben, für welches Musical wir uns entscheiden.»

Das Musical Titanic

Das Musical «Titanic» von Maury Yeston (Musik) und Peter Stone (Libretto) wurde 1997 am Broadway uraufgeführt und gewann fünf Tony Awards. Es hat nichts mit dem gleichnamigen Filmerfolg zu tun, noch erklingt darin Céline Dions «My Heart will go on».

Geschildert wird die Geschichte verschiedener Menschen auf dem Luxusdampfer vom Auslaufen bei Southampton bis zu jener Nacht am 14. April 1912, als die «Titanic» sank. Bei den Bad Hersfelder Festspielen wurde im Juli 2017 die deutsche Fassung von Wolfgang Adenberg in der Inszenierung des Zürcher Regisseurs Stefan Huber mit grossem Erfolg aufgeführt, sodass «Titanic» nun auch in diesem Sommer gespielt wird.

An den Festspielen im Nordosten von Hessen wird neben «Titanic» auch das Musical «Hair» gezeigt. Es stehen Konzerte von den Prinzen oder Gregor Meyle auf dem Programm, sowie Theaterstücke wie «Peer Gynt» oder «Der alte Mann und das Meer».

Bad Hersfelder Festspiele, 13. bis 29. Juli

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