«Du bekommst von mir die letzte Rose - ich hoffe sehr, dass du sie annimmst». Bachelor Lorenzo Leutenegger (29) nimmt die letzte Rose in die Hand - und übergibt sie an die Aargauerin Cam Müller (25). Die Dietikerin Rachele Sarcione (24) steht geknickt daneben, etwas verloren in dem stattlichen Ballsaal eines Pariser Schlosses. Sie ist Zweite, Lorenzo hat sich nach 19 anderen Frauen nun auch gegen sie entschieden. Es ist die finale Szene der Sendung «Der Bachelor», die am Dienstagabend auf 3+ ausgestrahlt wurde.

Rachele zum zweiten Platz beim Bachelor

Rachele zum zweiten Platz beim Bachelor

Mittwochmorgen im verschneiten Dietikon. Paris, Lorenzo und die roten Rosen sind weit weg. Rachele wirkt gelöst, erleichtert. «Endlich ist es raus, die Entscheidung verkündet», sagt sie und lacht. Zweieinhalb Monate lang, seit Ende der Dreharbeiten im September, musste sie schweigen, durfte keinem etwas verraten. «Keine einfache Sache für jemanden, der so gerne redet, wie ich.»

«Froh über Lorenzos Entscheid»

Und wie fühlt es sich an, Zweite zu sein? «Ich bin sehr froh über Lorenzos Entscheid», sagt Rachele bestimmt. Hinter den Kulissen sei viel mehr passiert, als schliesslich im Fernsehen gezeigt wurde. «Für mich war klar, dass ich nicht gewinnen werde. Lorenzos Entscheid kam deshalb nicht überraschend.»

Sie habe nicht daran geglaubt, in der Sendung ihre grosse Liebe zu finden, sagt Rachele. Sie sei seit zwei Jahren Single und verschenke ihr Herz nur sehr vorsichtig. «Ich habe auch nie vor der Kamera gesagt, dass ich Gefühle für Lorenzo habe oder dass es kribbelt.» Dafür sei eine solche Sendung auch nicht der richtige Ort, die Voraussetzungen ganz anders als im richtigen Leben. «Ich würde einen Mann niemals teilen wollen. Wenn ich wüsste, dass mein Date am Vorabend eine andere geküsst hat, würde ich ihn zum Teufel jagen.»

Bei Lorenzo sei das halt anders gewesen, weil es Teil der Sendung war. Trotzdem habe sie sich auch da entsprechende Bemerkungen nicht verkneifen können. «Ich habe Lorenzo gesagt, dass mich das stört.» Auch, dass sie gegen 20 andere Frauen um den Bachelor kämpfen musste, sei für sie ein No-Go. «Als Frau um einen Mann zu kämpfen geht nicht. Das ist Sache des Mannes.»

Nicht nur eitel Sonnenschein

Trotzdem würde Rachele jeder Singlefrau empfehlen, bei der Sendung mitzumachen. Man lerne das Fernsehmachen kennen - und die Folgen des Berühmtseins. Dass da nicht nur eitel Sonnenschein herrscht, hat auch Rachele merken müssen. In den Kommentarspalten der Onlinepublikationen wurde sie durch den Kakao gezogen wie kaum eine andere Kandidatin. Zu Beginn der Sendung habe sie diese Kommentare noch gelesen, dann aber schnell damit aufgehört. «Dagegen muss man sich abschotten», sagt sie. Wichtig sei ihr nur, was ihre Freunde von ihr halten. «Und für die war es genauso ein Abenteuer wie für mich, sie haben alle mitgefiebert.»

Rachele ist keine Frau, die mit ihren Reizen geizt. Im Gegenteil. In der Sendung zeigte sie vollen Körpereinsatz, führte vor, was sie als Poledancerin alles kann. Während Cam als die Zurückhaltende mit den Rehaugen galt, gab Rachele vor den Kameras die freizügige Abenteuerin. Ein falsches Bild? Nein, meint Rachele, sie sei tatsächlich so. Abenteuerlustig, aktiv, gesprächig. «Aber ich kann auch anders», sagt sie, «ich kann auch ruhig, sinnlich und romantisch sein. Aber erst, wenn ich in einen Mann verliebt bin.»

Keine Langweiler

Dass die Sendung irgendwelche Konsequenzen auf ihr Berufsleben haben wird, glaubt die angehende Primarschullehrerin nicht. Gemerkt habe sie nur, dass sie sich vor lauter Bachelor nicht mehr recht auf die Ausbildung habe konzentrieren können. «Jetzt muss ich mich wieder etwas zusammenreissen, schliesslich will ich die Ausbildung unbedingt fertigmachen.» Und Auswirkungen auf die Partnersuche? Rachele lacht. «Jetzt, da mich die Männer im Fernsehen gesehen haben und wissen, wie aktiv ich bin, meldet sich bestimmt kein Langweiler.»
Glaubt sie denn, dass es bei Cam und Lorenzo die grosse Liebe werden könnte? Rachele überlegt kurz, dann nickt sie. «Sie müssten sich einfach die Möglichkeit geben, sich neu kennen zu lernen - ohne Fernsehkameras und Scheinwerfer in der Nähe.» Und wie sieht es bei ihr mit der Liebe aus? Rachele lächelt und schweigt. Sie sei sehr wählerisch, sagt sie. Müsste es denn ein Typ wie Lorenzo sein? Sie schüttelt den Kopf. «Nein, eigentlich stehe ich auf Blonde mit blauen Augen.»