Schlieren
Projekt «LimmiViva» - «So richtig ruhig wird es wohl nie»

Spitalpräsident Markus Bärtschiger ist zuversichtlich, dass der Neubau Ende 2018 bezogen werden kann. Danach geht es gleich an die nächsten Projekte.

Sophie Rüesch
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Spitalpräsident Markus Bärtschiger.

Spitalpräsident Markus Bärtschiger.

Matthias Studer

Herr Bärtschiger, das Volk sagte vor einem Jahr mit überwältigender Mehrheit Ja zum Neubau «LimmiViva». Die Finanzierung ist geregelt, der Bauplan steht, Einsprachen gab es keine, gestern fuhren die Bagger auf. Kann jetzt noch etwas schiefgehen?

Markus Bärtschiger: Schiefgehen kann immer etwas. So könnten etwa noch Altlasten zum Vorschein kommen. Doch eigentlich haben wir unsere Abklärungen sauber gemacht und erwarten nicht, dass das der Fall sein wird. Wir sind guten Mutes, dass es jetzt weiter vorwärts geht.

Der Neubau wird realisiert, während das alte Spital noch steht. Ist dennoch mit Engpässen zu rechnen?

Es wäre etwas blauäugig, zu erwarten, dass der Betrieb völlig unbeschadet weitergehen kann. Mitarbeiter sowie Patienten und deren Angehörige werden auch mal kleine Umwege nehmen müssen. Auch Unannehmlichkeiten wie Erschütterungen, Staub und Lärm werden nicht gänzlich zu vermeiden sein. In der Vereinbarung mit dem Totalunternehmer Losinger Marazzi ist als eine der obersten Prioritäten aber festgehalten, dass die Auswirkungen auf Patienten gering und ein Spitalaufenthalt möglichst angenehm bleiben muss.

Rechnen Sie trotzdem damit, dass Patienten während der Bauzeit andere Spitäler wählen könnten?

Die Qualität, die wir im medizinischen und im Pflegebereich bieten, sorgt dafür, dass die Patienten nicht in Massen abwandern. Natürlich kann es sein, dass der eine oder andere wegen der Arbeiten ein anderes Spital wählt, aber das werden nicht allzu viele sein. Wir geniessen einen starken Rückhalt in der Bevölkerung, das zeigte das überwältigende Abstimmungsresultat vor zwei Jahren. Nun hoffen wir, dass wir diesen auch während der Bauphase haben werden.

Könnten dennoch auch leichte Patienteneinbussen Auswirkungen auf die Abzahlung der Zinsen haben, die das Spital ja aus dem laufenden Betrieb zahlen muss?

In unserem Businessplan sind diese abgebildet, wir sind also darauf vorbereitet. Es bleibt aber eine Herausforderung, die künftigen Patientenzahlen zu schätzen: Wie wirkt sich das Bevölkerungswachstum im Limmattal aus? Gibt es künftig mehr oder weniger Grippewellen? Diese und andere Fragen sind nur schwer zu beantworten und im Businessplan abzubilden und werden wohl die Auswirkungen des Baus überlagern.

Letzte Woche stützte das Bundesverwaltungsgericht die Zürcher Spitaltariffestsetzung, mit der das Spital Limmattal seit 2012 gut zurecht kommt. Freut Sie dieser Entscheid?

Ja. Wir gehören zu den betriebswirtschaftlich effizientesten Spitälern des Kantons und kommen mit den heutigen Tarifen tatsächlich gut zurecht. Die Gewinne brauchen wir aber auch künftig, um Investitionen machen zu können. Darum ist es wichtig, dass die Tarife nicht sinken. In letzter Zeit ging man aber eher davon aus, dass sie sinken werden. Dass das allem Anschein nach nun nicht der Fall sein wird, ist natürlich eine Erleichterung.

Die Annahme der Zweckverbands-Statuten stand 2012 auf der Kippe. Deshalb stellten Sie im September desselben Jahres eine Überprüfung der Rechtsform innert zweier Jahre in Aussicht – was jetzt wäre. Haben Sie Ihr Wort gehalten?

Ja. Der Verwaltungsrat hat eine Überprüfung vorgenommen, einerseits intern, andererseits mit externen Beratern.

Ursprünglich war der Bezugstermin des neuen Spitals auf Mai 2018 angesetzt, nun wurde er auf Ende 2018 verschoben. Ist mit weiteren Verzögerungen zu rechnen?

Nein, den Termin auf Ende 2018 müssen wir schaffen. Der Totalunternehmer ist vertraglich verpflichtet, dass er eingehalten wird. Einen Strich durch die Rechnung könnte ihm aber ein nicht beeinflussbares Ereignis machen, zum Beispiel eine lange Periode mit kalten Temperaturen. Für die meisten übrigen Verzögerungen wären wir wohl selbst verantwortlich, indem wir noch grosse Änderungen am Projekt anbringen – was wir aber nicht vorhaben.

Erst wenn das neue Spital bezogen wird, beginnen die Rückbauarbeiten des alten Spitalhochhauses. Wie lange werden diese dauern?

Gemäss Plan sollte der Abbruch rund ein halbes Jahr dauern. Ob wir das schaffen, hängt aber noch davon ab, was wir im Altbau vorfinden; er wurde immerhin in einer Zeit erstellt, als die Asbest-Verwendung noch nicht verboten war. Zudem sind wir – vor allem für die Erstellung der neuen Parkanlage, die auf der Fläche des heutigen Spitals entsteht – vom Wetter abhängig. Sollte es Verzögerungen geben, wäre das aber weit weniger problematisch als in den vorgängigen Phasen.

Wird es im Spital danach wieder ruhiger? Auch das Pflegezentrum muss früher oder später saniert oder neu gebaut werden.

So richtig ruhig wird es wohl nie. Wir haben in der Tat noch einige Projekte, die nach dem Neubau auf uns zukommen werden. Dazu gehört auch das Pflegezentrum, das nur unbedeutend weniger alt ist als das Spital und bei dem eine reine Pinselsanierung nicht genug sein wird. Bis in rund zehn Jahren werden wir eine grössere Sanierung vornehmen müssen, wobei sich dann schnell die Frage stellt, ob nicht gleich ein Neubau sinnvoller wäre. Hier müssen wir aber zuerst strategische Entscheide fällen, bevor wir uns mit der baulichen Umsetzung befassen: Wir müssen entscheiden, wer unsere künftigen Patienten sein sollen, welche Angebote im «Limmi» verfügbar sein sollen.

Wird das «LimmiViva» auch 50 Jahre halten, wie das alte Spital es tat?

Das wird sich weisen müssen. Generell sorgt der medizinische Fortschritt für immer grössere und schneller wechselnde Ansprüche an einen Spitalbau. Dazu kommt die Frage, wie schnell das Limmattal weiterwächst und ob sich dereinst ein Erweiterungsbau aufdrängt.