Dietikon

«Pick-me 24/7» — das Brot kommt vom Ladenroboter

Der Verkaufsautomat in der Dietiker Silbern hat eine wachsende Kundschaft. Er generiert Stellen und Daten.

Drei Männer starren auf das Förderband. Es entspringt einem in Holz verkleideten Container. «Genau 40 Sekunden hat es gedauert», sagt einer. Sie langen zu und nehmen Sandwich, Softdrink und Smoothie vom Band. Einer der Männer, er trägt einen lässigen Sakko, hat den ganzen Vorgang mit dem Handy aufgenommen. Der Roboterladen auf dem Gelände der Teslaladestation in der Dietiker Silbern ist der erste seiner Art.

Migrolino entwarf «Pick-me 24/7», wie der 24-Stunden-Shop heisst, mit einem Start-up. «Wir wählten den Standort bei der Teslaladestation, da hier viele innovationsgetriebene Leute herkommen», sagt Tobias Jordi, ­Projektleiter Unternehmens- entwicklung der Migrolino AG.

Die Kundenbedürfnisse sind sehr unterschiedlich

Seit acht Wochen versucht Jordi nun das Sortiment den Kundenwünschen anzupassen. «Momentan ist der Migros-Ice-Tea eines der Top-Produkte», sagt er. Überraschend sei, dass die Tabakwaren bisher nicht so oft gekauft wurden. «Die Produktewahl ist momentan die grösste Herausforderung.» Die Ansprüche der Kunden variieren stark. Einmal werde in der Nacht eine Zahnpasta verkauft, ein anderes Mal ein Tetrapak Milch oder ein frisches Brot. Letzteres sei auch sehr beliebt. Noch steht das rund 430 Artikel umfassende Sortiment nicht definitiv fest: «Wir sind immer noch am Ausprobieren», sagt Jordi. Nebst dem Verkaufspersonal fällt auch die Kasse weg: Die Kunden können nur digital bezahlen.

Jeden Morgen kommt ein Lieferwagen und bringt die bestellten Artikel. Ein Migrolino- Mitarbeiter liest diese ins System ein. Dann übernimmt der Roboter: Er versorgt die Produkte entweder im Trocken- oder im Kühlcontainer und holt sie je nach Kundenwunsch wieder raus. «Der Roboter hat ein Chaos-Lagersystem. Er achtet nur darauf, dass der Platz optimal ausgelastet ist», sagt Jordi. Es sei ein Vorteil des Roboters, dass er jeweils das älteste Produkt auf das Förderband stellt. «So haben wir nicht so viele Abschreiber», sagt Jordi. Das bedeute auch weniger Food Waste. Ist ein Produkt abgelaufen, wird es gesperrt und kann vom Kunden nicht mehr angewählt werden. Die abgelaufenen Produkte entfernen die Migrolino-Mit­arbeiter jeweils am Morgen.

Tobias Jordi,  Projektleiter

Tobias Jordi, Projektleiter

Insgesamt braucht der Verkaufsroboter pro Tag bis zu zwei Stunden menschliche Betreuung. «Jemand muss einlagern, bestellen und putzen», sagt Jordi. Dass Roboterarme statt Menschenhände zum Einsatz kommen, stösst manchen sauer auf. Doch den Vorwurf, dass der Roboter Arbeitsplätze vernichte, verneint Jordi. Das Gegenteil sei der Fall. «Der Roboter schafft neue Arbeitsplätze. Er wird an Orten aufgestellt, an denen sonst nie ein Laden stehen würde», sagt Jordi. Für «Pick-me 24/7» wurde ein zusätzlicher Mitarbeiter in einem 40-Prozent-Pensum eingestellt. Der Roboter tue den grossen Einkaufsläden nicht weh. «Er ist vor allem für Noteinkäufe gedacht», sagt Jordi.

Seit der Lancierung des Roboters stiegen die Verkaufszahlen laut Jordi kontinuierlich. Er hat bereits den nächsten Roboter beim Start-up bestellt. Dieser dürfte sogar etwas grösser sein, um ein grösseres Sortiment anbieten zu können.

Den Warenkorb kann man auch via App füllen

Bereits ist ein weiterer Kunde herangerollt. Er steigt aus dem Auto und kommt mit gezücktem Handy näher. Der kahlköpfige Mann fotografiert einen QR-Code an der schwarzen Wand des Ladenroboters. Seit zwei Wochen können die Kunden nicht nur am Bestellautomaten, sondern auch über eine App ihren Warenkorb zusammenstellen. Diesen können sie dann beim Roboter abholen oder den Abholschein mit Freunden, Bekannten oder einem Kurier teilen. Eine Frau, die in der Lounge wartet, bis ihr Tesla ­aufgeladen ist, sagt: «Ich denke, das System hat Zukunft. Es ist sauber, man kann Essen einkaufen und muss mit niemandem reden.»

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