Dietikon

Parkieren ist doch zu teuer: SP-Gemeinderätin fordert jetzt günstigere Parkkarten

Für die Tagesparkkarte in der blauen Zone, wie etwa hier an der Haslernstrasse im Altbergquartier, zahlt man 10 Franken. Für Kurzzeitbesucher zu viel, findet Gemeinderätin Catherine Peer (SP). Sie verlangt jetzt Halbtages-Parkkarten für 5 Franken.

Für die Tagesparkkarte in der blauen Zone, wie etwa hier an der Haslernstrasse im Altbergquartier, zahlt man 10 Franken. Für Kurzzeitbesucher zu viel, findet Gemeinderätin Catherine Peer (SP). Sie verlangt jetzt Halbtages-Parkkarten für 5 Franken.

Gemeinderätin Catherine Peer (SP) fordert die Einführung einer Halbtages-Parkkarte in Dietikon. 2016 sprach sie sich noch für die Anhebung der Tarife aus. Die FDP, die damals gegen die Gebührenerhöhung kämpfte, sieht sich jetzt bestätigt.

Im Juli 2017 haben sich die Kosten für Tagesparkkarten in Dietikon um ein Fünffaches erhöht. Statt wie vorher 2 Franken bezahlen Fahrzeuglenker nun 10 Franken, wenn sie ihr Auto länger als eineinhalb Stunden abstellen wollen (die Limmattaler Zeitung berichtete). Das ist zu viel, findet Gemeinderätin Catherine Peer (SP) und bittet nun in ihrem Postulat den Stadtrat, die Einführung von Halbtages-Parkkarten für 5 Franken oder eine Mehrstundenparkkarte zu prüfen. «Viele Dietiker sind auf mich zugekommen und haben mir gesagt, dass sie den Tarif viel zu hoch finden», sagt Peer.

Mühsam sei der neue Gebührenrahmen vor allem für Besucher. «Wenn die Eltern ihre erwachsenen Kinder zum Beispiel zum Mittagessen einladen, müssen diese jedes Mal 10 Franken bezahlen.» Das sei teurer als jedes Parkhaus. Zu spüren bekämen die neuen Tarife aber auch die Patienten der Arztpraxis, in der Peer als Medizinische Praxis-Assistentin arbeitet. «Ein Termin übersteigt zeitlich oft die Gratisparkzeit. Dass sie dann aber gleich 10 Franken zahlen müssen, obwohl das Auto nur zwei Stunden auf dem Parkplatz steht, ist gar viel», sagt die Gemeinderätin. Aufgrund der Rückmeldungen der Bevölkerung habe sie sich deshalb entschieden, sich für eine moderatere Lösung einzusetzen.

Pikant ist, dass sich ausgerechnet Peer bei der Abstimmung zur Totalrevision der Parkierverordnung Ende 2016 für die Anhebung der Tarife aussprach. «Höhere Gebühren bringen nicht nur Geld in die Stadtkasse, sondern motivieren auch, aufs Velo umzusteigen», sagte sie damals. Darauf angesprochen, sagt Peer, dass man seine Meinung auch durchaus ändern dürfe. Damals sei sie der Ansicht gewesen, dass man diese Preiserhöhung schlucken müsse. «Auch der Gemeinderat darf gescheiter werden.» Die SP-Politikerin betont aber: «Grundsätzlich bin ich mit der Gebührenanpassung zufrieden und stehe nach wie vor zum Entscheid, der 2016 im Gemeinderat getroffen wurde.» Diese Detailanpassung biete nun der Bevölkerung und den Besuchern eine zusätzliche Möglichkeit.

Schlechte Koordination

Philipp Müller (FDP) empfindet Peers 180-Grad-Kehrtwende als ironisch. «Als ich beim Betrachten der Traktandenliste der nächsten Gemeinderatssitzung das Postulat gesehen habe, musste ich schon etwas schmunzeln», sagt der ehemalige FDP-Fraktionspräsident und baldige Stadtrat. Er und seine Partei kämpften damals gegen eine Erhöhung des Gebührenrahmens für alle Parkkarten. Müllers Minderheitsanträge scheiterten. Durch Peers Postulat fühlt er sich nun bestätigt. Übel nimmt Müller ihr den Meinungswechsel aber nicht. «Fehler kann man immer machen. Es kann ein Zeichen von Stärke sein, diese nun korrigieren zu wollen.» Etwas andere Töne schlägt FDP-Fraktionspräsident Olivier Barthe an. «Dieses Postulat ist Teil einer schlecht koordinierten, ideologisch geprägten Verkehrspolitik von linker Seite. Dieses Zurückrudern macht die Urheber unglaubwürdig», sagt er. Man verteufle den motorisierten Individualverkehr. «Doch nun zeigt sich, auch die Linken fahren Auto.» Die FDP sei für ein pragmatisches Nebeneinander von allen Verkehrsmitteln und ein kundenfreundliches Parkierregime. Wie sich die Partei zum Inhalt des Postulats stelle, werde an der Fraktionssitzung kommende Woche besprochen.

Zusätzliche Variante

Unterstützung erhält Peer von Beat Hess, dem Fraktionspräsident der Grünen. «Ich persönlich befürworte diese zusätzliche Variante. Ich verstehe, dass 10 Franken für Leute, die nur zwei, drei Stunden zu Besuch sind, zu viel ist», sagt er. Hess ist einer der acht Mitunterzeichner des Postulats. Wenn man die Möglichkeit habe, die Parkierverordnung in diesem Punkt zu verbessern, solle man dies tun, meint er.

Doch nicht nur im linken Lager findet Peers Anliegen Zuspruch. «Der Preisaufschlag ist happig. Wenn man dem mit Halbtages-Parkkarten entgegenwirken kann, finde ich das nicht schlecht», sagt SVP-Fraktionspräsident Konrad Lips. Dass man bereits bei der Abstimmung 2016 diese Änderung hätte berücksichtigen können, wäre natürlich besser gewesen. Tragisch findet er eine nachträgliche Änderung aber nicht. «Anpassungen kann man immer wieder machen.» Auch er wird sich nächste Woche mit seinen Parteikollegen treffen und über das Postulat beraten.

Am 7. Juni wird das Anliegen an der Gemeinderatssitzung diskutiert.

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