Oberengstringen

Ortsparteien bekämpfen die «Anti-Kultur-Initiative»

Kulturelle Anlässe wie das Dorfplatzfest sind laut Parteien gefährdet, wenn die Initiative angenommen würde.

Kulturelle Anlässe wie das Dorfplatzfest sind laut Parteien gefährdet, wenn die Initiative angenommen würde.

Von der SVP bis zur SP üben fast alle Oberengstringer Parteien harte Kritik an der Einzelinitiative, die Ausgaben für Kultur und Vereine kürzen will.

«Im Fussball wäre das ein gestrecktes Bein mit Anlauf, und zwar gegen alle Vereine, die sich für Jugend, Breitensport, Freizeitgestaltung, Integration und eine lebendige und lebenswerte Gemeinde einsetzen», kritisiert Kurt Leuch, Präsident des Politischen Forums Engstringen (PFE) und Oberengstringer Sozialvorstand. Sogar die SVP und die SP sind sich vollumfänglich einig, dass eine Annahme der Einzelinitiative von Artur Terekhov für das Dorf schlimme Folgen haben könnte.

Die Initiative «Für eine kosteneffiziente Oberengstringer Kultur- und Freizeitpolitik» fordert, dass die Gemeinde pro Jahr für Kulturförderung maximal 100 000 Franken ausgeben und dabei höchstens vier kulturelle Veranstaltungen unterstützen darf. Ausgenommen davon wären die Bibliothek, der Jugendtreff und Anlässe politischer Natur. Am 19. Mai befinden die Stimmberechtigten an der Urne über das Anliegen.

Bis auf die FDP, die laut Präsident Jürg Trüb innerhalb der nächsten Woche ihre Parole fassen wird, haben alle Ortsparteien Stellung bezogen. Das Urteil ist vernichtend. «Bei minimalem Spareffekt würde diese Initiative maximalen Schaden anrichten», sagt Leuch. Weil die Ausgangslage derart klar sei, nehme er im Namen des PFE Stellung, obwohl die Partei die Initiative noch nicht intern besprochen habe.

Eine Annahme würde das Vereinsleben im Dorf, die Freiwilligenarbeit und damit die Attraktivität der Gemeinde massiv gefährden, so CVP-Präsident und Bauvorstand René Beck. «Ich habe selber erlebt, dass Sport die beste Lebenserziehung ist», sagt er. Ohne finanziellen Zustupf müssten Sportvereine ihre Mitgliederbeiträge erhöhen und viele Jugendliche könnten ihren Sport nicht mehr ausüben. Das sei für die Integration höchst problematisch. Auch die SVP hebt in einer Mitteilung hervor, dass die Vereine eine wichtige Funktion für das Gemeinwesen einnehmen: «Kaum ein anderer Weg ist besser geeignet für die Integration als Freizeitaktivitäten in Vereinen», schreibt SVP-Parteipräsident und Ressortvorsteher Gesellschaft Andreas Leupi.

Identität des Dorfs auf dem Spiel

Identifikation, Zusammenhalt, Verbundenheit, Gemeinschaft: Die in den Stellungnahmen benutzten Schlagwörter zeigen, dass es den Ortsparteien um nichts Geringeres als die Identität ihres Dorfes geht. So warnen alle Parteien davor, dass Oberengstringen bei einer Annahme der Initiative zur reinen Schlafgemeinde verkommen könnte. «Herr Terekhov benutzt Oberengstringen vermutlich nur zum Schlafen und befriedigt seine kulturellen Bedürfnisse in der nahen Grossstadt», sagt Mark Würth als offizieller Vertreter der SP Oberengstringen.

Der Bezug zur Wohngemeinde entstehe über persönliche Kontakte, dafür seien Treffpunkte und gemeinsame Projekte wichtig. Beispielhaft hebt er die Arbeit des Jazzclubs Allmend hervor. Die SVP lobt den Einsatz der Kulturkommission und der Jugendarbeit. CVP und PFE verweisen auf die Arbeit der Sportvereine wie dem Turnverein, dem Handballclub und dem Fussballclub.

Der Weg an die Urne des von der SVP als «Anti-Kultur-Initiative» kritisierten Vorstosses war lang. Im September 2018 reichte Terekhov seine Initiative ein. Damit wolle er tiefere Steuern erreichen. Ausserdem seien Anlässe wie das Dorfplatzfest Luxus, kritisiert er. Zwei Monate später erklärte der Gemeinderat den Vorstoss für ungültig. Doch Ende Januar hiess der Bezirksrat Terekhovs Beschwerde gut und urteilte, dass die Einzelinitiative nicht gegen übergeordnetes Recht verstosse (die Limmattaler Zeitung berichtete).

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