Dietikon
Ohne neue Stimmen ist die Zukunft des reformierten Kirchenchors gefährdet

Zum 125-jährigen Bestehen wagen Präsidentin Magrit Hassenpflug und Heinz Zeller, seit 50 Jahren Sänger, einen Ausblick in die Zukunft. Will der Verein weitere Jubiläen erleben, muss er neue Mitglieder finden.

Anina Gepp
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Im Jahre 1999 reist der Chor gemeinsam nach Heidelberg. Bis heute unternehmen die Sänger jährlich einen Ausflug, um den Zusammenhalt der Gruppe zu stärken. zvg

Im Jahre 1999 reist der Chor gemeinsam nach Heidelberg. Bis heute unternehmen die Sänger jährlich einen Ausflug, um den Zusammenhalt der Gruppe zu stärken. zvg

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Auch wenn sich niemand der heutigen Mitglieder an die Anfänge des Vereins erinnert, ist man in Dietikon stolz auf die lange Tradition des reformierten Kirchenchors. Das erste Mal schriftlich erwähnt wurde der Verein 1925, anhand der erwähnten Jubiläen kann das Gründungsjahr jedoch genau bestimmt werden. Damals zählte Dietikon gerade einmal 2500 Einwohner, die Hälfte davon war reformiert, der andere Teil katholisch.

Margrit Hassenpflug, die heutige Präsidentin des Chors, blickt immerhin auf 35 Jahre im Verein zurück. Als sie damals in den Chor eintrat, hatte dieser noch doppelt so viele Mitglieder wie heute. Dass die Mitgliederzahl immer mehr abnimmt, bereitet Hassenpflug Sorgen. Derzeit singen noch 26 Stimmen mit. Da viele Sänger mittlerweile aber ein gewisses Alter erreicht haben, sind junge Nachfolger dringend gesucht. Schon jetzt tut sich der Chor jeweils mit anderen Gruppen zusammen, um ein grösseres Konzert auf die Beine zu stellen.

Verständnis für Berufstätige

Dennoch hat Hassenpflug viel Verständnis dafür, dass es für jüngere Menschen, die im Beruf ausgelastet sind, oftmals nicht möglich ist, sich in einem Chor zu verpflichten. Sie selbst musste während ihrer Karriere eine mehrjährige Pause einlegen, als sie in der Politik und Schulpflege in Dietikon aktiv war. «Das Singen habe ich nur schweren Herzens aufgegeben», sagt die Präsidentin. Lange habe sie darum gekämpft, die Proben und die Arbeit unter einen Hut zu bringen. Doch obwohl sie das Singen erfüllte und entspannte, sei es zeitlich nicht mehr vereinbar gewesen. Seit 2005 ist Hassenpflug jedoch wieder mit im Chor dabei und glücklich darüber, ihre Leidenschaft wieder ausleben zu können.

Aktuell ist das jüngste Mitglied im Chor 35, das älteste mittlerweile 81 Jahre alt. Jung halte den Chor vor allem auch der Dirigent André Lichtler, so Hassenpflug. «Der heutige Schweizer ist in Brasilien aufgewachsen und dementsprechend temperamentvoll», so Hassenpflug. Lichtler bringe Schwung und Dynamik in den Chor und habe gleichzeitig viel Verständnis für die älteren Mitglieder des Vereins. Der 48-Jährige sei immer auf dem neusten Stand der Dinge und habe das Entspannungs- und Stimmbildungstraining zu Beginn jeder Probestunde eingeführt. Seither hätten sich die Stimmen im Chor enorm verbessert, so Hassenpflug. Das sei auch unbedingt notwendig, da kräftige Stimmen einen guten Chorklang schaffen.

Ein Foto aus dem Archiv des Chors zeigt die Sänger am 23. Juni 1929 auf der Reise nach Brünig, Reuti und Hasleberg.

Ein Foto aus dem Archiv des Chors zeigt die Sänger am 23. Juni 1929 auf der Reise nach Brünig, Reuti und Hasleberg.

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Dankbar ist die Präsidentin auch für Heinz Zeller. Der 81-Jährige ist seit 1964 Mitglied und somit am längsten mit dabei. Er ist für Verein deshalb nicht wegzudenken. «Er ist unser Mann für alles», sagt Hassenpflug. Besonders gerne organisiert Zeller die jährlichen Reisen für de Chor. Dieses Jahr geht es für zwei Tage nach Rhainau.

Zeller freut sich auf den kommenden Samstag. Dann findet um 17 Uhr das erste Chortreffen in der Geschichte des Vereins in der reformierten Kirche Dietikon statt. Eingeladen sind vier Chöre aus umliegenden Gemeinden. «Das gemeinsame Singen ist natürlich auch aus der Not heraus geboren, weil es immer weniger Mitglieder sind», sagt er. Dennoch habe es auch etwas befruchtendes, wenn so viele Chöre aufeinandertreffen. Zeller ist es wichtig, dass das Jubiläum gebührend gefeiert wird. «Es ist nicht selbstverständlich, dass der Chor noch immer Bestand hat», sagt er. Der Zusammenhalb innerhalb des Vereins sei bemerkenswert und man sei auch privat miteinander befreundet.

Jubiläumsfest am Samstag

Schwarzmalen möchte auch Hassenpflug die Zukunft des reformierten Kirchenchors keinesfalls. Zurzeit überwiegt die Freude auf das Jubiläumsjahr. Zudem schätze sie die guten Gemeinschaft des Chors. «Wenn es etwas zu organisieren gibt, helfen alle mit.» Vor allem der Vorstand leiste grossartige Arbeit. Die Freundschaft der Vereinsmitglieder werde an geselligen Anlässen und den Auftritten gepflegt. Das Konzert am kommenden Samstag zeige, wie vielfältig die Kirchenmusik heute sei.

Der Höhepunkt des 125-jährigen Bestehens bildet aber das Konzert vom 15. November 2015 mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Proben für diesen Auftritt haben für den Chor bereits begonnen. Am 7. März findet zudem die Vernissage im Ortsmuseum Dietikon, wo es eine Ausstellung zur Vereinsgeschichte geben wird, die mit zahlreichen Erinnerungen an Konzerte dokumentiert wird.

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