Die Abstimmungen von kommendem Sonntag dürften die bisher tiefste Stimmbeteiligung des Jahres 2016 verzeichnen: Denn bei den Abstimmungen im Juni und im Februar war der Rücklauf an Stimmkuverts grösser.

Als Beispiel die Stadt Schlieren: Dort haben bisher 1441 Personen ihr Stimmkuvert per Post geschickt oder persönlich auf der Stadtverwaltung vorbeigebracht. Das sind 18 Prozent aller Stimmbürger. Wie Daniele Palm von der Stadtkanzlei auf Anfrage sagt, waren es im Juni zur gleichen Zeit 350 Stimmen mehr. Noch grösser ist der Unterschied im Vergleich mit der Abstimmung im Februar. Damals gingen in Schlieren bis zum Montag vor der Abstimmung 2658 Stimmen ein. Das waren gut 84 Prozent mehr als jetzt.

Im Laufe der Woche werden aber noch viele Bürger abstimmen: «Bei der Abstimmung im Juni hatten wir am Montag vor der Abstimmung 1741 Stimmen, am Schluss waren es dann 3200. In der letzten Woche läuft jeweils am meisten», sagt Palm.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Aesch, das traditionell die höchste Stimmbeteiligung im Bezirk Dietikon aufweist. Gut ein Drittel aller Stimmen gehen dort jeweils in der letzten Woche vor der Abstimmung ein, wie Gemeindeschreiberin Claudia Truttman sagt. Bisher haben 195 Aescher ihre Stimme abgegeben. Im Juni waren es zum gleichen Zeitpunkt 216 Stimmen.

Falsche Adresse: Zustellung klappt

Das gleiche Bild auch in Dietikon, wo das Stimmvolk zudem über den 5-Millionen-Kredit für den neuen Schulpavillon Steinmürli abstimmt: Bisher haben 15 Prozent der Stimmberechtigten ihre Stimme abgegeben – im Juni waren es zum gleichen Zeitpunkt 17,5 Prozent, im Februar 27,6 Prozent. Mit dem Verwaltungs- und Rechenzentrum St. Gallen (VRSG), das die Dietiker Stimmkuverts falsch adressierte, traf die Stadt inzwischen eine Vereinbarung, wie Stadtschreiberin Karin Hauser auf Anfrage sagt: Das VRSG habe sich entschuldigt und übernimmt die Zusatzkosten, die der Stadt wegen der falschen Adressierung entstehen. Die Zustellung der Stimmkuverts klappe bisher tadellos, so Hauser. So sammelt die Postzustellstelle in Schlieren die Kuverts und liefert sie täglich nach Dietikon. Von morgen Mittwoch bis Samstag übernimmt dann ein Kurier diese Lieferungen.

Weniger Stimmen auch in Urdorf

Auch Urdorf ist auf dem Weg zu einer tiefen Stimmbeteiligung, obwohl das Dorf über die Zusammenlegung von Schulgemeinde und politischer Gemeinde zu einer Einheitsgemeinde abstimmt. Bisher haben 1335 Personen ihre Stimme abgeben, was 22 Prozent aller Stimmberechtigten entspricht. Zum gleichen Zeitpunkt im Juni waren es 1427 und im Februar sogar 2347.

Auch in Weiningen ist der Unterschied in Sachen Wahlbeteiligung gross. Bisher haben 442 Personen abgestimmt. Zum gleichen Zeitpunkt im Juni waren es noch 498 Personen, also 56 Personen mehr.

Wie schon bei den vergangenen Abstimmungen dürfte sich der Trend zu einer tieferen Stimmbeteiligung im Limmattal bei der kommenden Abstimmung mit dem Trend auf nationaler Ebene decken.

Die hohe Stimmbeteiligung im Februar hatte insbesondere mit der Abstimmung über die SVP-«Durchsetzungsinitiative» zu tun. Höhere AHV-Renten, ein verschärftes Nachrichtendienstgesetz, die Förderung einer nachhaltigeren Wirtschaft und ein kantonaler Fonds für die Kinderbetreuung scheinen das Stimmvolk offenbar weniger zu interessieren.
Dennoch gilt: Ganz sicher ist es noch nicht, dass der kommende Abstimmungssonntag jener mit der tiefsten Stimmbeteiligung des Jahres 2016 wird. Denn Ende November stimmt die Eidgenossenschaft über die Atomausstiegsinitiative und der Kanton Zürich über die Eheschutz-Initiative und die Kulturlandinitiative ab.