Soeben hatte Philipp Hensler sein zweites Tor erzielt in der Partie gegen den Glarner EC. Doch so richtig jubeln mochten weder er noch seine Urdorfer Teamkollegen. Ihnen war bewusst: Der Anschlusstreffer zum 4:6 aus Limmattaler Sicht würde dieser Partie keine Wende mehr geben. Denn es blieben gerade mal noch 53 Sekunden zu spielen auf der Urdorfer Kunsteisbahn Weihermatt.

Zweieinhalb Minuten zuvor hatten die Urdorfer den vorentscheidenden Treffer kassiert. Jeret Anderegg hatte für die Gäste zum 5:3 getroffen. Coach André Wismer nahm daraufhin ein Time-out, Goalie Florian Wassmer machte kurz darauf einem sechsten Feldspieler Platz. Doch der Glarner Simon Beglinger traf nur zehn Sekunden später ins leere Tor. Damit war die Partie endgültig entschieden.

Vor dem fünften Gegentreffer hatten die Urdorfer allerdings im Powerplay gesündigt, als sie praktisch ohne Unterbruch fünf Minuten in Überzahl agieren konnten, aber kein Tor zustande brachten. Sie hatten sogar noch Glück, dass der Glarner Stürmer Dominik Hauser alleine vor Wassmer eine hervorragende Torchance vergab. Schon zuvor hatten die Stiere keine einzige Überzahlsituation zu einem Tor nutzen können. Damit blieben sie an diesem Samstagabend im Powerplay ohne Treffer, trotz total rund zehneinhalb Minuten Überzahlspiel gegen Glarus. «Wir hatten im Powerplay zu wenige Torabschlüsse», sagte Wismer. «Wir haben zu viel nach hinten gespielt.» Assistenztrainer Ivo Müller ergänzte: «Wir wollten den perfekten Pass spielen, statt das einfache Spiel durchzuziehen.» Das galt allerdings auch für die Gäste, die sich in den rund zehn Minuten, in denen sie in Überzahl agieren konnten, ebenfalls sehr umständlich anstellten. So blieben auch sie im Powerplay torlos.

Dafür waren die Glarner kaltschnäuziger vor dem Tor. Die erste Strafe gegen Jeret Anderegg, die nach nicht mal zwei Spielminuten ausgesprochen worden war, war gerade abgelaufen, da gewannen die Gäste den Puck, griffen an und Daniel Moreno schloss zur Führung ab. «Der erste Schuss aufs Tor und gleich ein Treffer», sagte Urdorfs Assistenztrainer Ivo Müller konsterniert.

Immerhin liessen sich die Stiere nicht beeindrucken und kamen zwei Minuten später durch Keegan Evangelista zum 1:1. Doch 14 Sekunden vor dem Ende des ersten Drittels dann wieder ein Nackenschlag für die Limmattaler: Erst kam Joël Anderegg zu einer guten Chance, die Wassmer noch zu vereiteln vermochte, doch dann traf Jeret Anderegg mit seinem ersten Treffer an diesem Abend zum 2:1 für die Gäste.

Im Mitteldrittel wendeten die Hausherren das Blatt aber. Nach knapp zwei gespielten Minuten traf Ken Walliser erst zum 2:2. Und dann schoss Philipp Hensler gar das 3:2 für die Urdorfer. Etwas mehr als die Hälfte der Partie war zu diesem Zeitpunkt absolviert.

Die Führung der Stiere hielt nicht lange Bestand. Vier Minuten danach glich Michael Freuler aus, und dann sorgte Jeret Anderegg für die neuerliche Wende in dieser Partie, als er die Gäste mit einem sehenswerten Distanzschuss wieder in Führung schoss. Diesmal anderthalb Minuten vor dem Drittelsende. «Wenn man kurz vor der Pause Gegentreffer kassiert, sind das Knackpunkte», sagte Müller. «Und wir haben gleich zwei solche Tore wegstecken müssen.»

Das leere Tor verfehlt

Im Schlussabschnitt bekamen die Urdorfer gleich zu Beginn die Chance, diese Partie erneut zu drehen: Der Glarner Torwart Rico Blöchlinger wollte einen Urdorfer Angriff unterbinden, fuhr aus seinem Kasten und verfehlte dabei die Scheibe, Urdorfs Sandro Fischer traf das leere Tor jedoch nicht. Die Urdorfer versuchten nun alles, um den Ausgleich doch noch zu erzwingen. Doch es blieb bei der knappen Glarner Führung, bis Jeret Anderegg mit seinem dritten Treffer an diesem Abend für die Vorentscheidung sorgte.

«In der Summe haben wir zu viele Eigenfehler gemacht», sagte Wismer. «Und diese Fehler führten zu Chancen, die meistens ein Gegentor bedeuteten.» Zudem habe man teilweise zu kompliziert gespielt. «Wir haben das einfache Hockeyspiel nicht durchgezogen», sagte Müller. Insgesamt seien die Glarner etwas Zwingender gewesen.

Kubli verletzt ausgeschieden

Wismer erinnerte allerdings auch daran, dass Urdorf ersatzgeschwächt antrat. Und zu allem Überfluss hatte sich während der Partie gegen die Glarner auch noch Andreas Kubli verletzt. Immerhin stimme die Moral: «Auch jene Spieler, die nicht viel Eiszeit bekommen, sind sehr positiv und unterstützen ihre Teamkollegen, wo es nur geht», so Wismer.

Am Ende bleibt jedoch der bittere Nachgeschmack, dass man mit einer Niederlage ins neue Jahr gestartet ist. «Klar, wir hätten die Direktbegegnung gerne gewonnen», so Müller. Statt sich in der Rangliste nach oben orientieren zu können, sind die Stiere nun auf den fünften Platz abgerutscht. «Aber es gibt ja noch ein paar Spiele», sagte Wismer.