Schlieren/Dietikon

«Nicht möglich»: Das sagt die Volkswirtschaftsdirektion zu einer Direktverbindung zwischen Schlieren und dem Flughafen

Dietikon kämpft dagegen, dass der Schnellzug zwischen Basel und Flughafen in Dietikon künftig nur vorbeirauscht. Und in Schlieren wird gefordert, dass der Stadtrat dafür kämpft, dass der Schnellzug neu in Schlieren hält. «Nicht möglich», sagt die kantonale Volkswirtschaftsdirektion.

Was tut der Schlieremer Stadtrat dafür, dass Schlieren eine Direktverbindung zum Flughafen erhält? Das will Sasa Stajic (FDP) wissen.

Es ist ein Dauerbrenner: In Schlieren wünschen sich viele eine direkte Zugsanbindung an den Flughafen. So wie sie Dietikon mit dem Schnellzug zwischen Basel und dem Flughafen hat, der im Bezirkshauptort hält. Nachdem schon länger nicht mehr gross darüber diskutiert wurde, hat der FDPGemeinderat Sasa Stajic eine Kleine Anfrage zum Thema eingereicht.

Stajic – er ist auch Vorstandsmitglied der Wirtschaftskammer Schlieren – will wissen, ob der Stadtrat bei den SBB für einen direkten Zug in Richtung Flughafen mit Halt am Bahnhof Schlieren angefragt habe. Zudem möchte er in Erfahrung bringen, was der Stadtrat dafür unternimmt, dass der Wirtschaftsstandort Schlieren besser verbunden wird.

Für diesen wäre eine schnellere Verbindung vor allem zum Flughafen wertvoll, begründet Stajic in seiner Kleine Anfrage. Und schliesslich sei Schlieren auch ein wichtiger Ein- und Aussteigebahnhof für umliegende Gemeinden.

«Schlieren wächst und hat viele internationale Firmen»

«Die Forderung ist nicht neu. Aber Schlieren wächst und hat viele Arbeitsplätze und viele internationale Firmen. Eine direkte Verbindung zum Flughafen wäre ein Vorteil für den Standort Schlieren», sagt Stajic gegenüber der Limmattaler Zeitung. «Der Stadtrat sollte sich dafür einsetzen, und zwar mehr als bis jetzt», fordert er.

Stajic weiss schon, welcher Zug für einen solchen Halt prädestiniert wäre: Jener, der zwischen Basel und dem Flughafen verkehrt und mitunter in Dietikon hält. «Es wäre die perfekte Lösung, wenn dieser Zug in Dietikon und in Schlieren hält. Beides sind städtische Standorte, die meiner Meinung nach besser an den Flughafen angebunden werden sollten. Heute ist nur die Anbindung an den Hauptbahnhof sehr gut», sagt Stajic. Zudem wäre ein Direktzug nach Basel für Schlieren naheliegend, angesichts der in beiden Orten ansässigen Pharmabranche.

Stajics Vorstoss ist auch vor dem Hintergrund interessant, dass der heutige Dietiker Flughafenzug auf der Kippe steht. Denn die SBB und das Bundesamt für Verkehr planen zwar, dass Dietikon mit dem Ausbauschritt 2035 mehr Schnellzugshalte erhalten soll, gleichzeitig soll aber die Direktverbindung nach Basel wegfallen. Statt der stündlichen Verbindung nach Basel sollen neu zwei je halbstündliche Schnellzüge in Dietikon halten. Einer von Solothurn und Olten her über Dietikon und den Flughafen nach St. Gallen. Und der andere von Aarau und Brugg her bis zum Hauptbahnhof. Zählt man beide Fahrtrichtungen, ergibt das also acht Schnellzugshalte pro Stunde in Dietikon.

Der Flughafenzug beschäftigt auch Dietikon

Das Komitee Vorwärts Limmattal schätzt zwar die Taktverdichtung, kämpft aber gegen den Verlust der Linie nach Basel. «Die Anbindung des Limmattaler Wirtschaftsraums an den Wirtschaftsraum Basel ist wichtig» und «Basel ist wichtiger als Solothurn», sagte der Komiteepräsident und Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) im Sommer. Stajic bezieht sich in seiner Kleinen Anfrage auf die Berichterstattung der Limmattaler Zeitung zu diesem Thema.

Die Stadt Dietikon hat verschiedene Hebel in Bewegung gesetzt, um sich für den Halt des Schnellzugs zwischen Basel und Flughafen in Dietikon einzusetzen. Unter anderem wurde die kantonale Volkswirtschaftsdirektion um Stellungnahme angefragt.

Kanton verweist auf S-Bahn und mehr Halte in Dietikon

Ein Sprecher der Volkswirtschaftsdirektion äussert sich auch gegenüber der Limmattaler Zeitung. Er betont das «sehr gute S-Bahn-Angebot», das auch künftig durch das Fernverkehrsangebot ergänzt werde. Zudem unterstreicht er, dass sich die Zahl der Fernverkehrsabfahrten in Dietikon mit dem Ausbau 2035 von heute zwei auf acht pro Stunde erhöhen werde. «Die Direktverbindung zum Flughafen kann vom Stunden- auf einen Halbstundentakt ausgebaut werden. Zudem kann diese Verbindung neu weiter nach Winterthur in die Ostschweiz geführt werden.» Damit werde auch die wichtige Verbindung nach Zürich Oerlikon aufgewertet. Mit dem Step-Ausbauschritt 2035 erhalte Dietikon nicht nur mehr Schnellzüge als heute, sondern damit werde auch die Zahl der umsteigefrei verbundenen Bahnhöfe deutlich erhöht. Dies führe zu einer höheren Erschliessungsqualität.

«Bekanntlich lassen sich im öffentlichen Verkehr leider nicht alle Kundenbedürfnisse erfüllen. Kompromisse sind daher zwingend erforderlich, damit die Mehrheit der Kundschaft von einem guten Angebot profitieren kann», heisst es weiter vonseiten der Volkswirtschaftsdirektion.

3 Minuten längere Fahrt oder in 3 Minuten umsteigen

Sie hält zudem fest, dass die Fahrt von Dietikon nach Basel heute 61 Minuten dauere. Neu könne dann mit Umsteigen in Olten innert 64 Minuten nach Basel gereist werden. «Mit einer etwas knapp bemessenen Umsteigezeit von drei Minuten in Olten ist eine Reise sogar halbstündlich in 57 Minuten möglich.» Dies sei eine adäquate Alternative zur heutigen Direktverbindung.

Die Volkswirtschaftsdirektion äussert sich auch zum Wunsch nach einer Direktverbindung von Schlieren zum Flughafen. «Via Zürich HB hat man von Schlieren bereits heute ein gutes Angebot an den Flughafen. Dank weiterer Taktverdichtungen wird sich dieses Angebot in der Zukunft weiter verbessern. Verständlicherweise hätten viele Regionen gerne eine Direktverbindung an den Flughafen. Leider aber lassen sich nicht beliebig viele Linien an den Flughafen führen. Deshalb ist dies auch in diesem Fall nicht möglich.» Die Stellungnahme der Volkswirtschaftsdirektion fällt ziemlich klar aus.

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