Fest im Sattel sassen sie schon, nun wurden sie startklar gemacht: In Oberengstringen konnten am Samstag rund fünfzehn Kinder ab sechs Jahren lernen, worauf sie im Strassenverkehr achten müssen. Der Elternverein Oberengstringen organisierte zusammen mit dem Verein Pro Velo Kanton Zürich einen Fahrkurs, der ganz auf den Nachwuchs zugeschnitten war. «Wir haben diesen Kurs im Frühling 2013 zum ersten Mal angeboten und die Resonanz war gross. Seither planen wir den Kurs jedes Jahr an einem Samstagmorgen ein», sagte Brigitte Velten, Präsidentin des Elternvereins. Zwar sei das Velofahren in den Quartierstrassen relativ sicher, aber die Zürcherstrasse sei für die Jüngsten eine Herausforderung.

Bevor es losging, wurden mit Kreide auf den Pausenplätzen der Primarschulen Goldschmied, Sunnerai und Halde (GSH) Strassen und Kreuzungen aufgemalt. Diese wussten schon zu Beginn des Kurses zu begeistern und die Kinder fuhren von sich aus ihre Runden – teils unter den Argusaugen ihrer Eltern. Vier Leiterinnen von Pro Velo, darunter Natasha Kipper, die regelmässig solche Kurse durchführt, standen bereit, um auf spielerische Art und Weise das Fahren auf dem Drahtesel beizubringen. Dennoch betonten sie auch die Wichtigkeit eines solchen Kurses. Es ist ein Fakt, dass das Bundesamt für Strassen im Jahr 2017 über 4200 verunfallte Velofahrer zählte.

Eltern müssen nachsitzen

Während sich die Kinder für die Lektion fit machten, wurden auch die Eltern eingeladen, sich einige Regeln in Erinnerung zu rufen. Im Singsaal sassen sie alle im Kreis und Kipper erklärte ihnen die «zehn goldenen Tipps für sicheres Velofahren», so lautet auch der Untertitel der Broschüre «Radschläge». So müsse beispielsweise immer ein Abstand von 70 Zentimetern zum Strassenrand, zu unterbrochenen Leitlinien oder zu parkierten Autos gehalten werden oder man dürfe in einem Kreisel leicht rechts von der Spurmitte fahren – was im übrigen viele Autofahrer nicht wissen würden. Ebenso wird erklärt, dass das Tragen eines Helmes in der Schweiz zwar nicht Pflicht ist, jedoch appellieren die Leiterinnen an die Vorbildfunktion der Eltern.

Schulweg gemeinsam fahren

Das grösste Thema – auch beim anschliessenden Üben – war aber das Linksabbiegen. «Beim Linksabbiegen kommt alles zusammen. Die Kinder müssen dabei einhändig fahren und bremsen, dabei zurückschauen können und auch den Gegenverkehr beachten», sagt Kipper.
Insbesondere müsse man auch die Vortrittsregeln erlernen, wie sie weiter sagte. «Natürlich werden sich die Kinder heute nicht alles einprägen, denn für den Anfang ist das viel. Aber wir vertrauen den Eltern, dass sie mit ihren Kindern immer wieder üben.» Kipper gibt ihnen den Rat, sich ruhige Strecken in der Nähe auszusuchen oder den Schulweg gemeinsam abzufahren und zu schauen, wo kritische Situationen entstehen könnten.

Das grosse Üben

Nach dem theoretischen Teil mit den Eltern wurden die Kinder in zwei Gruppen – ab sechs und ab sieben Jahren – eingeteilt. Zunächst übten sie alle auf dem Pausenhof, natürlich das Linksabbiegen, aber auch Strassenzeichen wurden erklärt. Während einige schon ziemlich flott unterwegs waren, herrschte bei anderen noch Unsicherheit.

Aber mit den verständnisvollen Worten der Kurs-Leiterinnen gelang ihnen meistens die gestellte Aufgabe. Im zweiten Teil durften die sicheren und älteren Kinder – gemeinsam mit einem Elternteil und mit Leuchtwesten ausgestattet – vom Schulhof weg und hinaus in das Quartier fahren. Im Mittelpunkt standen die Regeln und das korrekte Verhalten im Verkehr.
Sechs Kinder blieben zurück und übten auf den Kreidestrassen das Bremsen oder das Handzeichen geben. Bis am Mittag dauerte dieser Kurs, der aber nicht zu verwechseln ist mit einer Veloprüfung, die im Kanton Zürich in der 5. Klasse absolviert wird. Dennoch hat Oberengstringen dank des Elternvereins und Pro Velo Kanton Zürich eine neue Velo-Generation erhalten, die im Strassenverkehr geübt ist.