Es war eine Szene wie aus dem Film, als der Innerschweizer Motorradbauer Coni Bernasconi im Mai dieses Jahres auf dem Bergdietiker Herrenberg mit einer Gruppe von Freunden das Weltrekordmotorrad «Naked Bullet» während eines Sponsorentermins entführte. Entsprechend gross war das Entsetzen des Veranstalters und des Töffbesitzers Markus Saegesser.

Titel: «Naked Bullshit»

Es folgt eine spektakuläre Verfolgungsjagd durch die Kantonspolizei Luzern, bevor sich Bernasconi, der den Töff gebaut hatte, und Saegesser bei der Kantonspolizei Aargau in Baden aussprachen. Bernasconi beschuldigte Saegesser, ihm eine grössere Summe Geld zu schulden. Obwohl Saegesser dies anders sah, stimmte er zu, Bernasconi zehntausend Franken zu überweisen.

Nun hat die hochemotionale Geschichte Eingang in ein Buch gefunden. Bernasconi liess das mit «Nake Bullshit» betitelte Taschenbuch von «Phil Good» alias Philipp Pfäffli schreiben. Es soll, wie der Motorradbauer sagt, die «wahren» Hintergründe des Projekts «Naked Bullet» aufzeigen. Heraus kam ein Buch, dessen Inhalt zum Teil gewöhnungsbedürftig ist und das manche Personen nicht in bestem Licht erscheinen lässt. Das weiss auch Bernasconi. «Doch ich stehe zu meinem Wort», sagt er im Gespräch mit der Limmattaler Zeitung.

Schwierige Kommunikation

Der Deal war, dass Bernasconi die Arbeiten am Motorrad als Sponsoring in das Projekt «Naked Bullet» investiert und Markus Saegesser die dafür nötigen Teile bezahlt. So zumindest haben sich beide Seiten bei der Befragung durch die Kantonspolizei Aargau geäussert. Im Buch «Naked Bullshit» merkt man aber auch deutlich, dass fehlende oder missverständliche Kommunikation zwischen Saegesser und Bernasconi die ganze Problematik zusätzlich verschärft haben dürfte. Bernasconi sagt dazu: «Die Dummen machen immer die gleichen Fehler, die Intelligenten dafür immer neue.»

Der Töff «Naked Bullet»

Der Töff «Naked Bullet»

Während der Lesung in der Werkstatt von CCCP (Coni's Custom Chopper Projekt) in Malters löste die eine oder andere von Phil Good vorgetragene Passage grosse Heiterkeit aus. Weniger lustig findet Markus Saegesser das Ganze. Er will sich zum Buch auf Anfrage nicht äussern: «Ich werde zur Sache und über diese Person keine Aussage machen.» Verständlicherweise zeigte sich der Motorradfahrer auch wenig begeistert davon, dass das Projekt «Naked Bullet» nun noch in Buchform erschienen ist. Trotzdem will Saegessers Anwalt Bruno Meier nicht gegen die Niederschrift vorgehen: «Das Buch ist es nicht wert, darüber einen Rechtsfall zu konstruieren», sagt er.

Ein Schwumm im Brunnen

Kann Bernasconi dem Projekt «Naked Bullet» trotz allem etwas Positives abgewinnen? Er nickt: Als er Saegesser und das Motorrad bei seinem Weltrekordversuch 2011 nach Amerika begleitet habe, habe er eine ganze Nacht in Las Vegas verbracht. «Ich schwamm morgens um 5 Uhr eine Runde im Brunnen vor der Rezeption des Hotel Ceasar Palace», erinnert er sich. Dieser Spass habe ihn für Vieles entschädigt.