Weiningen
Mountainbiker wollen Tiere «lieber erschrecken, als erschiessen»

Die Jagdgesellschaft Gubrist fordert Biker auf, der Tiere wegen nicht länger nachts den Altberg herunter zu fahren. Nun äussern sich die Biker: sie wären mit einem Kompromiss einverstanden.

Katja Landolt
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Nachts mit dem Bike durchs Unterholz den Altberg hinunter preschen - für die einen gibt es nichts Schöneres, für die andern sind solche Fahrten ein rotes Tuch. Beispielsweise für die Jagdgesellschaft Gubrist. In der neusten Ausgabe der «Winiger Ziitig» fordern sie deshalb die Biker auf, auf solche Ausflüge zu verzichten - dem Wild zuliebe, das durch die grellen Lichtquellen und schnell fahrenden Biker aufgeschreckt wird.

Denn das sorgt nicht nur für Stress bei den Tieren, sondern auch vermehrt zu Wildschäden an den landwirtschaftlichen Kulturen, so Martin Peter, Jagdaufseher der Jagdgesellschaften Oetwil und Gubrist, in der az Limmattaler Zeitung vom 7. Juli.

Die Jagdgesellschaft geht sogar noch weiter: Sollte dieser Aufruf nichts nützen, würden zusammen mit dem Forstamt weitere Massnahmen ergriffen und fehlbare Biker in Absprache mit der Polizei konsequent verzeigt. Denn wie für Reiter gilt auch für Mountainbiker: Geritten oder gefahren werden darf nur auf Wegen und Strassen, nicht aber auf Trampelpfaden. Bis jetzt hat die Jagdgesellschaft tagsüber beide Augen zugedrückt, wenn sie fehlbare Fahrer erwischt hat. Nachts will sie die Wildbiker aber nicht mehr länger tolerieren.

«Rücksicht aufeinander nehmen»

«Wie gross die Schäden sind, die aufgescheuchtes Wild anrichtet, kann ich nicht abschätzen», sagt Hanspeter Stöckli von Stöckli Bike GmbH in Geroldswil auf Anfrage. Aber für ihn ist klar, dass alle aufeinander und auf das Wild Rücksicht nehmen sollten - und dass sich auch die Biker einschränken müssen.

Bevor das nächtliche Fahren ganz verboten werde, lasse er die Trampelpfade, so genannte Trails, lieber links liegen und fahre auf den breiten Waldwegen. «Diesen Kompromiss kann man gerne machen.»

«Thema wirkt aufgebauscht»

Anders sieht das ein Biker aus der Region, der anonym bleiben will: «Die Jagdgesellschaft konstruiert hier ein Problem, das gar keines ist.» Auch er ist jeweils nachts in den Wäldern und Hängen des Limmattals unterwegs. «Es gibt hier in der Region so wenige Biker, die das machen, dass dieses Thema eher aufgebauscht wirkt.» Er habe die ganzen Wintermonate über keinen anderen Biker getroffen, geschweige denn könne er sich daran erinnern, dass sich ein Passant oder Jagdaufseher bei ihm beschwert hat. Ein schlechtes Gewissen, weil er mit seinen nächtlichen Fahrten das Wild aufscheucht, hat er nicht. «Lieber das Wild erschrecken, als es abschiessen.»

Von den Plänen der Jagdgesellschaft, bei einem ungehörten Verhallen ihres Appells die Null-Toleranz-Strategie zu fahren, sprich Trampelpfade mit Forstmaterial aufzufüllen und so zu sperren, hält der Biker nichts. Auch glaubt er nicht, dass die Jagdgesellschaft ein Verbot für nächtliche Fahrten überhaupt durchsetzen kann. Nicht zuletzt deswegen, weil es generell immer mehr Mountainbiker gibt. «Wollen sie vielleicht Polizisten in den Wald stellen oder Fallen stellen? Das wäre lebensgefährlich.»

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