Geroldswil
Mit Rahmtäfeli in die Unternehmerwelt

Mit Grossmutters Rezept und nachhaltiger Produktion wollen sieben Jungunternehmer das Nidletäfeli neu lancieren. Einer davon ist der Geroldswiler Kantischüler Philippe Müller.

Flurina Dünki
Drucken
Teilen
Rahmtäfeli "edelTäfeli"
6 Bilder
Nur Bio- und Fairtrade-Produkte werden als Zutaten verwendet
Die Klassikerli und Nussknackerli sind zwei Sorten der Nideltäfeli der sieben Jungunternehmer
Auch die Vorbereitung zum Auskühlen will gekonnt sein
Auf den Moment, wenn die Masse hochkocht, muss man gefasst sein
Die ersten Malheurs in der Küche hat Philippe bereits hinter sich - nun ist er bereits Profi im Rahmtäfeli-Kochen.

Rahmtäfeli "edelTäfeli"

Flurina Dünki

Während er konzentriert im köchelnden Gemisch aus Rahm und Zucker rührt, erklärt der Geroldswiler Philippe Müller: «Das Knifflige an der Rahmtäfeli-Zubereitung sind die schnellen Wechsel der Zustände der Caramelmasse.» Die Pfanne dürfe nicht ganz auf der Platte stehen, damit der Rahm nicht hochkocht. Beim ersten Mal sei seine Masse plötzlich verbrannt, weshalb er eine ganze Pfanne voll entsorgen musste.

Zu Beginn des Schuljahres sassen Philippe, Yannic, Phyllis, Max, Luca und Nadja, Schüler der Kantonsschule Hottingen, um einen Wohnzimmertisch, um zu beraten, wie sie das Projekt ihres Schulfachs «Young Enterprise» umsetzen wollen. Dieses beinhaltet, ein Kleinunternehmen zu gründen und während zweier Semester zu führen. Die Idee, die von Phyllis mitgebrachten Rahmtäfeli zum Produkt ihrer Firma zu machen, löste spontan nur Gelächter aus. Doch nach einer Überlegungspause war man sich einig, dass der Gedanke, die in der Schweiz bei Alt und Jung beliebte Nascherei neu zu erfinden, eine höchst interessante Sache sei.

So fanden sich die sieben Jungunternehmer kurze Zeit später in einer Schulküche wieder, um auf Basis des Rezepts von Phyllis’ Grossmutter ihre Rahmtäfeli zu kaufen. Das Unternehmen «edelTäfeli» war entstanden. Ihr Produkt tauften die Schüler «Zürcherli». «Zu Beginn ist uns doch noch das eine oder andere Missgeschick unterlaufen. Die Caramelmasse kommt wie kochende Milch plötzlich hoch und lief bei einigen von uns über den ganzen Herd», sagt Philippe Müller. Der Geroldswiler ist im Organigramm des siebenköpfigen Start-ups der Abteilung «Produktion» zugeteilt und beweist beim Treffen mit der Limmattaler Zeitung bereits routinierte Rahmtäfeli-Kochkünste.

Das Fach Miniunternehmung steht am Wirtschaftsgymnasiums Hottingen im dritten Jahr des Schwerpunkts «Entrepreneurship» auf dem Programm. Die Schüler durchlaufen mit der von ihnen gegründeten Firma alle Stationen von Jungunternehmern, indem sie sich auf ein Produkt einigen, finanzielle Mittel beschaffen und sich um die Vermarktung kümmern müssen. Nachhaltigkeit und faire Produktionsbedingungen müssen dabei zwingend berücksichtigt werden. «Dass wir die Rahmtäfeli selber kochen, gehört zu unserem Konzept. Die Leute wissen dann gleich, von wem die Täfeli gemacht wurden», erzählt Philippe Müller. Auch die Verwendung von Bio- und Fair-Trade-Zutaten soll die «Zürcherli» von Konkurrenzprodukten abheben.

Während des laufenden Schuljahres sind die Miniunternehmer regelmässigen in Kontakt mit der Organisation Young Enterprise Switzerland. Der 2006 gegründete Verein vernetzt Schulen mit der Wirtschaft, indem er Programme, wie das der jungen Entrepreneure der Kantonsschule Hottingen, begleitet und die Jungunternehmer bei ihren ersten Erfahrungen berät.

Zweimal im Monat treffen sich die Schüler, um ihre «Zürcherli» zu kochen. «Mit 45 Minuten bis zu einer Stunde pro Pfanne braucht der Produktionsprozess durchaus seine Zeit. Wir haben aber herausgefunden, dass wir diese sehr gut nutzen können», sagt Philippe Müller. So lernen die sieben Schulkameraden etwa gemeinsam auf die nächste Prüfung, während sie in der Caramelmasse rühren.

Zusätzlich zu den klassischen Nidletäfeli kreierten die Schüler zusätzliche Geschmacksrichtungen, wie etwa die «Nussknackerli», die «Kokusnüssli» oder die «Zimetli». Welche Geschmacksnoten die Spezialkreationen erhalten sollten, wurde vorgängig via selbst ausgeführter Marktforschung eruiert. «Die meisten Befragten gaben Whiskey-Geschmack als Lieblingsvariation an», sagt Philippe Müller. Vielleicht würden sie das Whiskey-Täfeli ja eines Tages auch ins Sortiment aufnehmen.

Beim Testausflug in die Unternehmerwelt erhalten die Gymnasiumschüler einen Vorgeschmack darauf, was ihnen in ihrem späteren Alltag blühen könnte. Nur schon die internen Verhandlungen für den Einsatzplan, wer zur Anpreisung der Rahmtäfeli welchen Weihnachtsmarkt übernimmt, erwiesen sich als zäh. «Wegen Trainings und anderer Freizeitaktivitäten wurden in der Gruppe etliche Male die Daten getauscht. Wir mussten darauf achten, dass ein doppelter Einsatz wieder ausgeglichen wird, und lernten somit einen sozialen Umgang im Team», sagt der Geroldswiler.

Aber auch von zu Hause aus können die Kreationen der sieben Rahmtäfeli-Köche bequem bestellt werden. Denn wie es sich für eine moderne Geschäftsidee gehört, betreiben die Jungunternehmer unter www.edeltaefeli.ch ihren eigenen Online-Shop.

Aktuelle Nachrichten