Es gebe selten eine Gelegenheit, um eine Festtags-Tracht anzuziehen und an einem öffentlichen Anlass tanzen zu gehen, sagt die 21-jährige Tanja Grau. Eine dieser Gelegenheiten hat sich am Donnerstagabend geboten – am Sommertanzabend der Trachtengruppen Bergdietikon und Dietikon auf dem Dietiker Kirchplatz. Seit 2012 fordern die beiden Vereine jeweils in der letzten Sommerferienwoche in der Markthalle zum Tanz auf.

«Eine solche Chance muss man einfach nutzen», sagt Grau. In diesem Jahr ist sie aber ohne ihre Freiämter Festtagstracht erschienen, weil sie direkt von der Arbeit kam. Aber das, sagt sie, halte sie in keiner Weise vom gemeinsamen Tanzen ab.

Grau lebt in Zufikon AG, gehört der Volkstanzgruppe Eggenwil an und hat bereits im Alter von drei Jahren das Tanzen für sich entdeckt: «Es war schon immer mein erstes und grösstes Hobby», erzählt sie. Mit ihrem Engagement und der Leidenschaft für den Volkstanz steht sie gegen einen Trend, mit dem sich die Trachtengruppen Dietikon und Bergdietikon konfrontiert sehen. Denn die beiden Vereine haben mit der schwindenden Anzahl junger Neumitglieder zu kämpfen, weshalb schon vor einiger Zeit beschlossen wurde, gewisse Aktivitäten gemeinsam zu pflegen.

Die Ländermusik Arwyna sorgte für Stimmung

Am Sommertanzabend war die Faszination und die Freude bei den Besuchern und Zuschauern gross. Für die passende Musik war die Ländlermusik Arwyna engagiert worden, die seit der ersten Ausgabe am Sommertanzabend vertreten ist. Der Name rührt daher, dass Walter Bolliger aus dem Wynental stammt und der Kapellmeister Godi Wipf aus dem Aaretal.

Unterstützt wurde Arwyna an diesem Abend von Hannes Bäni: «Die Akustik ist zwar auf dem offenen Platz nicht gerade optimal, aber das spielt für den gemeinsamen Tanz keine so grosse Rolle», sagte er. Neben den einzelnen Programmpunkten, etwa den beiden Volkstänzen «I der Mühli» oder «Im Örgelihuus», wussten auch die Stadt-Jodler Dietikon mit mehreren Auftritten zu begeistern.

Der fröhliche Abend war gut besucht

Astrid Dätwyler, die Präsidentin der Trachtengruppe Dietikon, zeigte sich mit dem Anlass zufrieden: Der Sommertanzabend sei immer gut besucht. Er laufe jeweils unter dem Motto «weniger ist mehr», was sich bewährt habe.

So blieb denn auch manch vorbeilaufender Passant an diesem Abend stehen und zückte die Handykamera, um die Stimmung einzufangen. Daneben gab es aber auch viele Besucher, die den Abend einfach bei einer Grillwurst und einem kalten Getränk ausklingen liessen.

Die Spanierin Josefa, wohnhaft in der Stadt Dietikon, besuchte den Tanzabend zum ersten Mal. «Wenn man dem Treiben zusieht, wird einem wieder bewusst, dass es eigentlich schade ist, dass diese Tradition nicht an Schulen vermittelt wird, womit das Tanzen und das Erbe verloren geht», sagt sie. Die Bergkulisse fehle noch, aber sonst sei es ein ganz schönes Fest, bei dem man auch einfach zusehen und geniessen könne. «Die Musik klingt sehr fröhlich und verbreitet eine gute Stimmung.»

Dieser Aussage stimmte auch Ursula Gooljar zu, die seit 41 Jahren in Dietikon wohnhaft ist: «Diese Art von Musik an einem solchen Anlass live mitzuerleben, ist immer etwas ganz anderes. Ich mag das Tanzen sehr, aber es gibt einfach zu wenig Männer, die einen auffordern.» Ihr gefielen die verschiedenen Trachten, sagte sie weiter.

In den Trachten steckt ganz viel Arbeit Hinter einem solchen Kleidungsstück steckt viel Arbeit, wie die Trachtenschneiderin sagt. «Normalerweise braucht es rund ein Jahr, manchmal gelingt es in acht Monaten», erzählte sie. Sie selbst trug an diesem Abend eine schwarze Freiämter Ausgangstracht. «Alleine in den aufwendigen Stickereien stecken zwei Monate Arbeit.»

Die Organisation des Abends übernahm in diesem Jahr das neue OK-Team Elsbeth Zuber und Renate Müller: «Wir haben mit den aufgestellten Festbänken Plätze für etwa 150 Leute geschaffen», sagte Müller. Diese Plätze waren im Verlauf des Abends gut besetzt. Ihre Motivation für das Engagement ist klar: «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass der Sommertanzabend als Traditionsanlass weitergeführt wird. Und die Konstanz ist wichtig: Jedes Jahr, zur selben Zeit am selben Ort und im selben Rahmen – für solche Anlässe muss es einfach Platz haben», sagte sie.