«Geschätzte Leute von Bergdietikon: Brauchen Sie Hilfe im Alltag? Ich helfe Ihnen gerne!» Hinter diesen Sätzen verbirgt sich nicht etwa eine Nachbarschaftshilfe oder Sozialbetreuung, sondern ein 13-jähriger Bergdietiker Schüler. Aaron hat ein Ziel, zu dessen Erreichung er Geld braucht, und so kam er auf die Idee, auf Jobsuche zu gehen. Mit kleiner Formulierungsunterstützung von seiner Mutter entwarf er ein Plakat, das er an den Bushaltestellen in Bergdietikon aufhängte. Einige Beispiele sollten seine potenziellen Auftraggeber auch gleich noch von seiner Vielseitigkeit überzeugen: «Ich mähe Ihren Rasen, gehe mit Ihrem Hund spazieren, wasche Ihr Auto, gehe für Sie einkaufen.»

Das war vor gut einem Monat. Inzwischen hatte er eine Handvoll Jobs, die ihm insgesamt etwa 100 Franken einbrachten. «Ein Nachbar brauchte zum Beispiel Unterstützung beim Heckenschneiden. Meine Aufgabe war es, die grossen Stücke, die er abgeschnitten hatte, mit einer Handschere kleiner zu schneiden», meint Aaron, der die 7. Klasse der Spreitenbacher Sekundarschule besucht. Zwei Mal war er schon für eine ältere Dame im Einsatz. «Zuerst hatte ich den Auftrag, zu staubsaugen, danach habe ich ihr im Garten geholfen.» Unter anderem ging es darum, eine Christrose wohlbehalten in die Erde zu bringen.

Kollegen lästern nicht mehr

Offensichtlich war die Bergdietikerin mit dem aufgestellten jungen Mann zufrieden. Seine Auftraggeber zeigten ihm stets ihre Freude über seine Hilfe und lobten ihn für die Qualität seiner Arbeit, meint Aaron auf Nachfrage. Man merkt, dass er zwar vor allem sein Ziel erreichen möchte, ihm aber auch die Arbeit selbst Spass bereitet. Einige seiner Schulkollegen hätten sich erst ein bisschen lustig über ihn gemacht und gemeint: «Du kannst ja bei uns zu Hause anfangen.» «Das hat mir aber nichts ausgemacht», so der 13-Jährige, «ausserdem hat es aufgehört, als sie erfahren haben, wie viel ich schon verdient habe», meint er lachend.

Mit den 100 Franken hat Aaron bereits mehr als den halben Betrag zusammen, den er für sein Ziel braucht: den Mofa-Führerausweis. 180 Franken kostet der, und er möchte sobald als möglich die Prüfung ablegen, damit er an seinem 14. Geburtstag auch gleich losdüsen kann. Bei 13 Franken Sackgeld im Monat kann er sich nicht viel zurücklegen, und seine Eltern sind der Ansicht, dass er sich das Geld für seinen Wunsch selbst erarbeiten soll. «Ich finde es gut, dass er sein Ziel aus eigener Kraft erreichen kann», meint Aarons Mutter Karin Seiffert. Aber ihr ist wichtig, dass sie die Auftraggeber, zu denen Aaron ins Haus geht, kennt. Dieser hat auch nicht die Absicht, etwa nach Dietikon zu «expandieren». «Ich nehme Aufträge nur in Bergdietikon an, hier kenne ich mich aus.»

Stundenlohn frei wählbar

Einen festen Stundenlohn verlangt er nicht. Er überlässt es seinen Auftraggebern, wie viel sie ihm zahlen möchten. «Das soll danach gehen, wie zufrieden sie mit mir waren», meint Aaron. Ausgenutzt habe das noch keiner. Um die 15 Franken habe er im Schnitt für die Stunde erhalten, genauso wie das der Schweizerische Gewerkschaftsbund vorschlägt (siehe unten). «Mich freut vor allem, dass ich mit jedem Job meinem Ziel näher komme», meint Aaron, der wie seine 11-jährige Schwester auch zu Hause mithelfen muss – natürlich ohne Bezahlung.

Karin Seiffert passt auf, dass das Jobprojekt ihres Sohnes nicht überhandnimmt und er noch genügend Freizeit hat. Die verbringt der Schüler mit den Lieblingsfächern Geografie, Geschichte und Turnen am liebsten beim Fussball und mit seinem Handy; einmal in der Woche erhält er Klavierunterricht. Ausserdem widmet er seinem Computer viel Zeit, denn Informatiker ist sein Berufsziel. «Ich könnte auch jetzt schon am PC helfen.» Das klingt nicht danach, dass er sich bald wieder aus dem Arbeitsmarkt zurückzieht. «Ich blättere schon in Töffli-Prospekten. Gebrauchte kosten so zwischen 400 und 700 Franken.»