110 Zentimeter lang und 4 Zentimeter hoch und breit war das Vierkantholz, das der heute 27-Jährige seinem Widersacher gegen den Hinterkopf schlug. «Es war ein massiver Schlag. Es bestand Lebensgefahr», sagte der Dietiker Bezirksgerichtspräsident Stephan Aeschbacher, als er gestern Abend das Urteil verkündete. Zehn Tage lang musste das Opfer künstlich beatmet werden. Noch heute, über ein Jahr nach der Tat, ist der 22-jährige Kosovare zu 100 Prozent arbeitsunfähig.

Die Auseinandersetzung hatte sich am 7. November 2017 ereignet, kurz vor 18.30 Uhr. Tatort war ein Parkplatz mitten in Oberengstringen, keine hundert Meter von der Zentrumsüberbauung mit dem Gemeindehaus entfernt.

Der Erstschläger wurde zum Opfer

Zuerst verpasste der Kosovare, der später zum Opfer wurde, drei Kontrahenten je einen Faustschlag gegen den Kopf. Die drei revanchierten sich mit einem Faustschlag gegen den Kopf und zwei Faustschlägen gegen den Rücken des späteren Opfers. Einer dieser Faustschläge gegen den Rücken tätigte der Mann, der gestern als Beschuldigter aussagen musste. Doch dieser Faustschlag war ihm der Rache nicht genug: Stattdessen setzte er zum fatalen Schlag mit dem Kantholz an, während sich sein Kollege mit dem Opfer prügelte. Dieses stürzte bewusstlos zu Boden. Er sei zusammengesackt, sagte später die Zeugin, eine Anwohnerin, die den Vorfall mitbekam. Sie sah auch, wie das Holz beim Schlag kaputt ging.

Staatsanwältin: 5½ Jahre Gefängnis

Der Begleiter des Opfers packte den Kantholz-Schläger. Doch der liess sich nicht bändigen. Stattdessen schlug er mit dem kaputten Kantholz auch noch den Begleiter des Opfers. Kurz darauf war die Kantonspolizei vor Ort. «Acht Beteiligte wurden für Abklärungen in die Polizeistation gebracht», teilte diese tags darauf mit (die Limmattaler Zeitung berichtete). Nach den polizeilichen Befragungen wurden vier mutmassliche Täter festgenommen. So auch der Kantholz-Schläger. Nach 37 Tagen in Untersuchungshaft wurde er am 13. Dezember 2017 wieder in die Freiheit entlassen. Am 26. April 2018 erhob die kantonale Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte Anklage. An der gestrigen Gerichtsverhandlung forderte die Staatsanwältin fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe.

Täter ist mehrfach vorbestraft

Der 27-jährige Täter, ein mehrfach vorbestrafter Schweizer mit Migrationshintergrund, gestand zwar den Schlag mit dem Kantholz ein. Doch gab er an, gegen den Rücken und nicht gegen den Kopf geschlagen zu haben. Zudem argumentierten er und sein Verteidiger, dass die Verletzungen am Kopf nicht durch den Schlag, sondern erst durch den darauf folgenden Sturz auf den Boden entstanden seien.

Damit kamen sie nicht durch. Auch weil das Institut für Rechtsmedizin zum Schluss kam, dass die Verletzungen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erst durch den Sturz verursacht wurden. Vielmehr passen die Kopfverletzungen zum Kantholz. Zudem war die Zeugin felsenfest überzeugt, den Schlag gegen den Kopf gesehen zu haben. «Sie beschrieb ihn plastisch und anschaulich», sagte Richter Aeschbacher. Ebenso habe sie das Geräusch, das beim Schlag entstand, beschrieben. Auch dass das Holz durch den Schlag kaputt ging, hatte sie gesehen.

Aus der Kombination von Gutachten, den Aussagen der Zeugin und den weiteren Aussagen ergebe sich «zwingend und schlüssig», dass der Beschuldigte dem Opfer die Verletzungen zugefügt hat. So verurteilte ihn das Gericht wegen schwerer Körperverletzung und Raufhandels zu 32 Monaten Freiheitsstrafe, davon 22 Monate bedingt bei einer Probezeit von 4 Jahren und 10 Monate unbedingt. Hinzu kommt eine bedingte Geldstrafe: 90 Tagessätze à 40 Franken, ebenfalls bei einer Probezeit von vier Jahren.

Opfer erhält 15'000 Franken Genugtuung

Der Täter muss Verfahrenskosten übernehmen und dem Opfer eine Genugtuung von 15'000 Franken plus Zinsen zahlen. Zudem muss er Schadenersatz zahlen; wie viel, wird erst ein Zivilprozess zeigen.

Die Parkplatz-Schlägerei hatte insgesamt drei Verfahren nach sich gezogen. Das Opfer mit den heftigen Kopfverletzungen, das damals die Schlägerei begonnen hatte, wurde bereits im Oktober wegen Raufhandel verurteilt, blieb aber straffrei.