Dietikon

Mission Flucht: In seinen sechs Escape Rooms ist Teamgeist gefordert

Massimo Laquale aus Zürich bietet seit 2017 im «Mission: Escape»  Escape Rooms an. In einem davon dreht sich alles um die Abenteuer von Zauberlehrling Harry Potter.

Massimo Laquale aus Zürich bietet seit 2017 im «Mission: Escape» Escape Rooms an. In einem davon dreht sich alles um die Abenteuer von Zauberlehrling Harry Potter.

Die Redaktion taucht in Massimo Laquales Escape Rooms in der Dietiker Silbern in die Welt von Harry Potter und «Jack the Ripper» ein.

Vier Personen stehen vor einer Kommode und gestikulieren wild. Eine von ihnen wedelt mit einem Blatt Papier. Die Stoppuhr läuft. 23 Minuten sind bereits vergangen. Plötzlich erklingt ein Warnton, ein rotes Lämpchen blinkt. «Die Spieler haben Hilfe angefordert», sagt Massimo Laquale, setzt sich die Kopfhörer auf und hält das Mikrofon vor den Mund. «Ihr seid nah dran, ändert die Reihenfolge.» Die Personen auf dem Bildschirm befolgen den Rat und bald schon huschen sie in das Sichtfeld der nächsten Überwachungskamera. «Es ist schwierig, nicht zu viel zu verraten. Man muss die Leute selbst überlegen lassen», sagt Laquale.

Der 38-Jährige betreibt unter dem Namen «Mission: Escape» eine Anlage mit sechs unterschiedlichen Escape Rooms im Dietiker Industriequartier Silbern. «Ein Team aus zwei bis sechs Personen begibt sich für 60 Minuten in einen verschlossenen Raum und muss versuchen, die Aufgaben zu meistern, bevor die Zeit abläuft. Indem die Spieler den Raum erkunden, nach Hinweisen suchen und die Rätsel lösen, finden sie zum Ausgang», erklärt Laquale.

Während des ganzen Spiels beobachten er oder einer seiner neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Teilnehmenden über Monitore und geben wenn erwünscht Hinweise.

Den Stein der Weisen und den Serienmörder finden 

Im Bezirk Dietikon ist Laquale der einzige Anbieter der angesagten Freizeitaktivität. Eine Delegation der Limmattaler Zeitung stellt sich an diesem Morgen der Herausforderung. Im Raum «H. Potter», der optisch und inhaltlich an den ersten Band der Fantasy-Romanreihe Harry Potter angelehnt ist, stürzen sich die Arbeitskollegen ins Abenteuer. Ihre Mission: den Stein der Weisen vor dem Bösewicht Lord Voldemort aufspüren.

Riddle: Escape Room in Dietikon

Nachdem die vierköpfige Truppe nach rekordverdächtigen 35 Minuten ihre Pflicht bereits erfüllt hat, macht sie sich im nächsten Raum auf die Suche nach Serienmörder Jack the Ripper.
2016 besuchte Laquale zum ersten Mal einen Escape Room in Zürich. «Meine Tochter wollte unbedingt gehen. Ich wusste damals nicht einmal, was das ist.» Bereits nach dem ersten Spiel hatte ihn das Fieber gepackt. «Wir fanden es so cool, dass wir am nächsten Tag nochmals vorbeigingen.» Es dauerte nicht lange, bis Laquale alle Escape Rooms in der Schweiz und später auch viele im Ausland abklapperte. «So sehr mir der Zeitvertreib auch gefiel, sah ich doch Verbesserungspotenzial. Die Wände in den Räumen waren meist kahl, die Einrichtung lieblos, Fenster lenkten den Blick nach draussen.»

Deshalb kamen ihm, seiner Freundin und zwei Kollegen die Idee, selbst Escape Rooms anzubieten. «Ich arbeitete damals beim Radio als Sound-Layouter. Da ich mich sowieso nach einer neuen Herausforderung sehnte, kam das Projekt für mich wie gerufen.» Das Gründungsteam fand den Standort in der Silbern und eine Firma in Athen, die auf Escape Rooms spezialisiert ist. «Sie konzipieren gemäss unseren Wünschen die Rätsel sowie die Ausstattung der Räume und richten sie vor Ort ein.» Seit 2017 ist die Anlage in Betrieb. Man startete mit zwei Räumen. Im Sommer 2019 kamen vier weitere hinzu. «Wir waren auf der Suche nach einem zweiten Standort. Als die Nachbarn auf unserer Etage auszogen, konnten wir uns hier vergrössern», sagt Laquale. Das war auch nötig, denn der Freizeitspass ist sehr beliebt. «Bis zu 60 Buchungen verzeichnen wir an Wochenenden. Unter der Woche ist es unterschiedlich. Oft kommen Firmen vorbei, die Teamevents durchführen.» Pro Person kostet eine Stunde im Escape Room zwischen 30 bis 45 Franken, je nach Grösse der Gruppe. Familien und Freunde, aber auch Paare aus der Region, der ganzen Schweiz und Deutschland besuchen «Mission: Escape».

Eine inoffizielle Karte zeigt alle Escape Rooms in der Schweiz an. Urbanescape hat die Räume in Spreitenbach aber mittlerweile geschlossen.

Gefordert sind nicht nur Kreativität und eine gute Auffassungsgabe, sondern auch der gegenseitige Austausch. Das macht für Laquale den Reiz des Spiels aus: «Escape Rooms sind Orte, an denen direkte Kommunikation essenziell ist. Etwas, das in unserer vom Smartphone beherrschten Welt zu kurz kommt.» Oft sei das ein Problem. «Einige Gruppen geraten sich in die Haare, weil die Kommunikation nicht funktioniert.» Bei den Redaktionskollegen ist das nicht der Fall. Dank Teamgeist bewältigen sie die Aufgaben mit Bravour. Freudig verlassen sie den zweiten Escape Room. Für Laquale das Schönste: «Wenn die Leute Spass haben, haben wir einen guten Job gemacht.»

Autor

Sibylle Egloff

Meistgesehen

Artboard 1