Musik ist ein wichtiger Teil im Leben des Aeschers Daniel Burla. Im Frühling 2015 schaffte er als Querflötist ins Militärspiel der Schweizer Armee. Heute studiert der 23-Jährige in Zürich Biochemie, spielt nebenbei aber weiterhin im Jugendsinfonieorchester Crescendo und besucht drei Wochen im Jahr die Wiederholungskurse (WK) des Militärspiels. «Musik ist für mich Emotion pur. Durch sie kann ich meine Gefühle ausdrücken», sagt Burla.


Deswegen lag es für ihn auf der Hand, dass er versuchen würde, die Eignungsprüfung für die Militärmusik zu bestehen. «Ich hätte mir aber auch vorstellen können, Fahrer zu werden. Ich wollte einfach eine Funktion, die mir für mein späteres Leben etwas mitgibt.» Dass er seine Leidenschaft nun auch in der Armee ausüben kann, findet der er toll. «Waffen und das Schiessen sind eher nicht so meins. Ich wollte lieber eine Funktion ausüben, die mir auch richtig Spass macht.»

In den drei WK-Wochen übt er den ganzen Tag

Das Militärspiel ist gleich strukturiert wie die anderen Truppen der Schweizer Armee. Während der 18-wöchigen Rekrutenschule (RS) sind die Musiker von morgens bis abends gemeinsam unterwegs und verbringen den Tag ganz im Zeichen ihrer Funktion: in ihrem Fall mit Musizieren. Danach besuchen sie jährlich WKs, bei denen sie in der dritten und letzten Woche jeweils zwei Saalkonzerte für die Bevölkerung spielen.
Ansonsten tritt das Militärspiel hauptsächlich an militärischen Einsätzen zur Unterstützung der anderen Truppen auf. «Vor den WKs muss man sich nicht speziell darauf vorbereiten», sagt Burla. «Die Kommandanten kennen ihre Truppen und wissen, was sie können. Entsprechend wird auch die Literatur ausgewählt.» Abseits der Einsätze werde in den drei WK-Wochen den ganzen Tag hindurch geübt, da könnten die Auftritte zu Genüge geprobt werden, meint Burla. Während des restlichen Jahres übt er zu Hause fast täglich 15 bis 30 Minuten. «Wichtig ist vor allem, dass ich regelmässig spiele und nicht, wie viel ich spiele», sagt der er.

Es gibt nicht nur Profis

Sich selber bezeichnet Burla als Laien, sowie es die meisten Militärmusiker seien. Einige haben bereits den Bachelor in Musik, oder werden ihn noch abschliessen, und sind auf dem Weg zum Profi. Die meisten aber spielen wie Burla zivil in Orchestern, Harmonien oder in einer Brassband mit, verfolgen beruflich jedoch andere Ziele. Laut dem Querflötisten müsse man aber schon mit einer gewissen Regelmässigkeit spielen, um die Eignungsprüfung der Militärmusik zu bestehen. «Die Armee will nicht einfach die Quoten füllen, sondern Musiker ausbilden, die ein gewisses Niveau aufweisen», so Burla. Dementsprechend ist auch die Anzahl der Rekruten in der Militärspiel-RS von Jahr zu Jahr unterschiedlich. «Ich war in einer relativ kleinen RS mit etwas über 50 Musikern. In manchen Jahren werden in der Sommer-RS jedoch bis zu 80 Musiker ausgebildet», sagt er. Wichtig sei einfach, dass eine Harmonie- oder eine Brassband-Besetzung zustande komme.


Ausgewählt werden die Militärmusiker anhand einer Eignungsprüfung, die im Jahr durchschnittlich 220 Personen ablegen. Ungefähr 160 davon, also zirka drei Viertel, werden in die Militärmusik aufgenommen, wie Oberst Philipp Wagner sagt. Während der Prüfung werden die Bewerber und Bewerberinnen auf ihr gesamtes musikalisches Können und Wissen getestet. Einerseits müssen sie ein Stück vorspielen, das sie selber zu Hause eingeübt haben. Andererseits müssen die Musiker aber auch ihr Blattlese-Talent unter Beweis stellen und nach 30 Minuten Vorbereitungszeit ein ihnen zuvor unbekanntes Stück präsentieren. Darauf folgen eine Musiktheorie- und eine Gehörbildungsprüfung. «Ich hatte am Gymnasium einen sehr guten Musiklehrer, mit dem ich mich auf die Eignungsprüfung vorbereitet habe», sagt Burla. Die Kriterien würden gut kommuniziert, meint er. Es gebe aber auch spezifische Kurse, die auf das Examen vorbereiteten.

Jeder Musiker ist wichtig

Musikalisch unterscheide sich die Militärmusik nicht von einem gewöhnlichen Blasmusikorchester, sagt Burla. Jedes Jahr bewerben sich auch drei bis fünf Frauen für das Militärspiel, da sie es als Chance sehen, einmal Berufsmusikerluft zu schnuppern. «Während der RS ist man Profi-Musiker. 18 Wochen lang hat man nichts anderes als Musik im Kopf», so Burla. Der grösste Unterschied zu einem gewöhnlichen Blasmusikorchester liege jedoch in den Umgangsformen und Tagesabläufen des Militärs, die natürlich auch ins Militärspiel einfliessen. «Am Anfang muss man lernen, dass in der Armee eine gewisse Hierarchie vorherrscht. Auch wenn diese im Militärspiel vielleicht etwas weniger im Vordergrund steht als in anderen Truppen», sagt Burla. Die Musik sei ein Gesamtwerk, das von allen gemeinsam produziert werde. «Wenn im Militärspiel der einzige Flötist ausfällt, wird es bereits schwierig. Jeder Musiker ist wichtig.»


Auch in seiner Aufgabe unterscheidet sich das Militärspiel von den anderen Abteilungen der Armee. «Die Militärmusik ist wichtig für die Moral der Truppen», so Burla. Heutzutage sei das Militärspiel zudem das Bindeglied zwischen der Armee und der Bevölkerung. «Unsere Saalkonzerte sind für das Volk. Und wenn wir an unseren WKs für andere Truppen spielen, sind das meistens auch Milizsoldaten, die ihre dreiwöchigen WKs absolvieren. Da können wir mit unserer Musik auch denjenigen, die weniger motiviert sind, den Start etwas verschönern.»