Mein Ding: Nähen
«Ich habe den schönsten Beruf»: Hilay Ferreira da Costa wagt in Dietikon ein Neustart mit ihrem Nähatelier

Erst vor kurzem ist die gebürtige Brasilianerin mit ihrem Geschäft von Zug nach Dietikon gezogen. Für das «Fashion Atelier Zanzar» näht sie alle Kleidungsstücke selbst. In einem Kleidungsstück stecken bis zu drei Tage Arbeit.

Carmen Frei
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Hilay Ferreira da Costa hat für ihr Geschäft «Fashion Atelier Zanzar» einige Kleidungsstücke aus Stoff mit Porträts der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo genäht.
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In ihrem Geschäft an der Zürcherstrasse 45 macht sie alle Kleidungsstücke selbst. «Es sind alles Einzelstücke», sagt sie.
Auch Taschen zählen zum Sortiment des Nähateliers. Mit diesen hatte sich Hilay Ferreira da Costa ursprünglich selbstständig gemacht.
Viele unterschiedliche Kleider hängen an den Kleiderstangen im Geschäft. Hilay Ferreira da Costa will, dass in ihrem Sortiment für alle etwas dabei ist.
Hier wird gearbeitet: Im Geschäft entstehen auch gleich die Jacken, Kleider und Taschen.
Eine Massanfertigung für Kundinnen und Kunden ist anspruchsvoller und teurer, da sie immer wieder zur Anprobe vorbeikommen. Vielfach rät Ferreira da Costa den Kundinnen und Kunden darum, die Stoffe gleich selbst mitzubringen.

Hilay Ferreira da Costa hat für ihr Geschäft «Fashion Atelier Zanzar» einige Kleidungsstücke aus Stoff mit Porträts der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo genäht.

Alex Spichale

In ihrem neuen Geschäft an der Zürcherstrasse 45 in Dietikon zeigt Hilay Ferreira da Costa stolz eine ihrer neuen Kreationen. Auf dem Stoff der Jacke ist das stilisierte Porträt der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo zu sehen. «Sie ist gerade voll im Trend», meint Ferreira da Costa, die alle Kleidungsstücke für ihr Fashion Atelier Zanzar selbst näht. «Es sind alles Einzelstücke», sagt die gelernte Schneiderin. Die Stoffe, mit denen sie arbeitet, stammen aus Frankreich und Spanien.

Früher hat Hilay Ferreira da Costa vor allem unifarbene Stoffe verwendet. «Dann habe ich mit ein wenig verrückten Sachen begonnen», sagt die 53-Jährige. Mittlerweile arbeitet sie gerne auch mit ausgefalleneren Mustern.

Auch für die Fasnacht war sie mit der Nähmaschine im Einsatz

In einer Jacke oder einem Kleid stecken bei ihr etwa zwei bis drei Tage Arbeit, sie kosten zwischen 200 und 400 Franken. «Bei Kleidern nach Mass braucht es mehr Zeit, da die Kundinnen und Kunden immer wieder zur Anprobe kommen und ich sie anpassen muss», erklärt sie. Neben den Kleidern für ihr Sortiment und Massanfertigungen näht Ferreira da Costa Fasnachtskostüme. Für die Guggenmusik Figorowa aus Zug hat sie vor zwei Jahren 20 Kostüme genäht.

«Ich habe den schönsten Beruf», sagt sie. Mode und Nähen haben sie schon immer interessiert. Sie erinnert sich:

«Im Alter von elf Jahren habe ich meinen ersten Jupe genäht.»

Ihre Grossmutter war ebenfalls Schneiderin und hat ihr vieles beigebracht. «Ich habe als Kind meine Kleider aufgetrennt und wollte daraus mit eigenen Schnittmustern aus Zeitungspapier neue Kleider nähen», sagt die gebürtige Brasilianerin.

Zuerst fertigte sie Taschen fürs eigene Geschäft

Vor 26 Jahren ist sie ihrem damaligen Mann in die Schweiz gefolgt. Für sieben Jahre arbeitete sie im Manor in Baden, vier Jahre danach im Manor an der Zürcher Bahnhofstrasse. 2007 machte sie sich selbstständig und begann, Taschen zu fertigen, damals noch in Möhlin. «Viele Kundinnen und Kunden haben gefragt, ob ich nicht auch Kleider mache», sagt sie. Also erweiterte sie ihr Sortiment.

Knapp ein Jahr war sie in Möhlin, danach zog sie mit ihrem Geschäft weiter nach Zug, wo sie 13 Jahre blieb. Da auch wegen Corona immer weniger Laufkundschaft in ihr Geschäft in der Zuger Altstadt kam, wagt sie nun einen Neustart in Dietikon. Hier wohnt sie nur drei Strassen von ihrem Nähatelier entfernt.

Kommunikation ist ihr wichtig – mit der Kundschaft und der Nachbarschaft

In Dietikon gefällt es Ferreira da Costa bereits sehr gut. Erst am 1. November hat sie ihren Wohnsitz von Brunnen ins Limmattal verlegt. Sie plaudert gerne mit den Passanten – diese freuten sich jeweils sehr darüber. Allgemein kommt Ferreira da Costa gerne ins Gespräch. Darum will sie auch keine Preisschilder in ihr Schaufenster hängen.

«Die Kunden sollen in den Laden reinkommen und sich mit mir unterhalten»,

sagt sie. In Zug habe sie dies ebenfalls so gehandhabt.

In ihrem neuen Geschäft wird sie von ihrem Sohn Talisson unterstützt. Er hat unter anderem die Tapeten und die Kleiderstangen angebracht. «Ich wusste zuvor gar nicht, dass er das kann», sagt Ferreira da Costa.

An der offiziellen Eröffnung erwartet Ferreira da Costa viele Gäste

Für die Eröffnung am 4. Dezember hat er auch schon eifrig Gäste eingeladen, so soll beispielsweise Internet-Star Zeki Bulgurcu vorbeischauen. Zudem wird eine Sängerin, die zu den Kundinnen von Ferreira da Costa zählt, die Besucherinnen und Besucher mit Bossa-Nova-Stücken unterhalten. Vor allem am Nachmittag zwischen 13 und 17 Uhr rechnet Ferreira da Costa mit viel Besuch, darunter auch mit einigen Stammgästen aus Zug. Sie freue sich, die Leute von Dietikon und Umgebung zu begrüssen und kennen zu lernen.

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