Parlamentsreise

Mario Fehr würdigt den höchsten Schlieremer: «Sein Verhalten zeigt, wie verlässlich Walter Jucker ist»

Der höchste Schlieremer lud noch höheren Besuch zur diesjährigen Parlamentsreise in die Polizeikaserne.

In einem alten Mirage-Tram aus den 1960er-Jahren, das wegen Tramknappheit wieder auf der Linie 8 im Einsatz steht, fuhr das Schlieremer Gemeindeparlament an seinem jährlichen Ausflug am Samstag vom Geissweidplatz zum Zürcher Stauffacher. Im Cockpit sass aber nicht irgendwer, sondern der Dietiker Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP). Seit 40 Jahren arbeitet er bei den Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich als Safety-Verantwortlicher und wurde für ein paar Stunden zum Chauffeur. «Nostalgie pur – solche Fahrten sind auch für mich immer etwas Besonderes», sagte er. Als das Tram auf halbem Weg bei der Haltestelle Grimselstrasse eine Patrouille von Billett-Kontrolleuren passierte, hielt Illi an und grüsste seine Kollegen. «Wenn ihr meine Fahrgäste kontrolliert, könnt ihr ein richtig gutes Geschäft machen», witzelte er weiter. Da es sich um eine Spezialfahrt handelte, verfügten die Parlamentarier natürlich über kein gültiges Ticket.

Nach diesem rassig-nostalgischen Einstieg in den Tag begrüsste der Veranstalter die Teilnehmer mitten im samstäglichen Getümmel am Zürcher Stauffacher. Organisiert wird der Ausflug traditionsgemäss vom höchsten Schlieremer. Dieses Jahr hat Walter Jucker (SP) das Amt des Gemeinderatspräsidenten inne und nahm die Parlamentarier sowie fünf Stadträte mit ins Kriminalmuseum Zürich. Jucker war rund 40 Jahre lang Kantonspolizist mit Leib und Seele und wollte seinen Kollegen und Kolleginnen die Arbeit der «besten Kantonspolizei der Schweiz», wie er sie nannte, näherbringen. Das Museum bietet interessantes Hintergrundwissen. Etwa, dass das 1803 gegründete, 63 Mann starke Landjägerkorps als die Vorgängerorganisation der Kantonspolizei gilt. Der Lohn für die Landjäger betrug 7,5 Batzen sowie täglich ein Stück Brot. Ihre Hauptaufgabe habe darin bestanden, Vagabunden, falsche Steuersammler und Bettler zu jagen und mit dem Laufpass an die Grenze zu bringen. Auch die damals zwölf Bordelle der Stadt waren im Visier, der Polizisten, die nicht zuletzt als Sittenhüter dienten. Dass die Arbeit der Gesetzeshüter heute völlig anders aussieht, zeigte ein kurzer Dokumentarfilm über die Aufgabengebiete der Kapo.

«Jucker hat visionäre Arbeit geleistet»

Der Apéro im Anschluss an den Museumsrundgang sorgte für Erstaunen. So gesellten sich Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) und die Chefin der Kapo Bezirk Dietikon, Katharina Kohler, zu den Stadtparlamentariern und genossen einen lockeren Austausch bei Wein oder Orangensaft. Regierungsrat Fehr liess es sich nicht nehmen, eine Ansprache zu halten. Darin erinnerte er sich neben der Bedeutung der Stadt Schlieren für den Frauenfussball auch an den höchsten Schlieremer. «Walti Jucker war nicht irgendein Polizist, sondern er war ein Polizist, der visionäre Arbeit geleistet hat. Er erfand nämlich das Programm Brückenbauer, das der Kantonspolizei Zugang in die verschiedenen religiösen Milieus ermöglichte.» Zahlreiche andere Polizeien hätten das Modell seither kopiert.

Jucker sei aber auch als Mensch einzigartig, was Fehr anhand einer besonderen Anekdote illustrierte. Am Schlierefäscht hätten nämlich der Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP), Ständerat Daniel Jositsch (SP) und Fehr selber gemeinsam ein Glas genommen und Jucker gefragt, ob er sich dazugesellen wolle. «Er verneinte glasklar, da er im Turnzelt noch bis 22 Uhr im Einsatz stehe. Punkt. Bei diesem Verhalten zeigt sich, wie verlässlich Walter Jucker ist», so Fehr. Schliesslich gratulierte Fehr Jucker auch dazu, dass er das Amt des höchsten Schlieremers erreicht habe. Er selber sei in den 1990ern Gemeinderatspräsident von Adliswil gewesen und habe das Jahr sehr genossen, weil er stets neue Seiten von seiner Gemeinde kennen gelernt habe.

Katharina Kohler erinnerte sich an ihre Zeit in der Polizeischule. 2001 lernte sie Jucker kennen, der den angehenden Polizisten im Sportunterricht den trockenen Schulalltag aufgelockert habe. «Schnell merkte man, dass du ein Polizist mit viel Herz bist», sagte sie in Richtung Jucker. «Daher macht es uns auch sehr stolz, dass einer aus unseren Reihen, ein ehemaliger Kantonspolizist, während eines Jahres eine derart wichtige Funktion in Schlieren einnehmen darf.»

Bevor die Gruppe zum nächsten Programmpunkt überging, wurde noch eine andere Person in den Mittelpunkt gestellt. Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) feierte am Samstag nämlich seinen Geburtstag und bekam von seinen Politik-Kollegen ein Ständchen gesungen.

Stadtrat solle sich von den vielen Veloplätzen inspirieren lassen

Ihn mache aber nicht nur seine Berufslaufbahn aus. «Als Jugendlicher strahlte der Hauptbahnhof Zürich eine wahnsinnige Anziehungskraft auf mich aus.» Daher lud Jucker das Parlament im zweiten Teil des Rundgangs auf eine Führung durch den Zürcher Hauptbahnhof ein. Auf dieser Führung erfuhren die Teilnehmer viel Interessantes über den meistfrequentierten Bahnhof des Landes. Ausgangspunkt war das letzte Stück des Tunnels über dem Bahnhof Museumsstrasse. Der Tunnel hätte eigentlich als Untergrund-Autobahn genutzt werden sollen. In der Passage Sihlquai, vorbei an den zwei Liften, die nicht wie alle anderen senkrecht in den Boden gehen, sonder schräg gebaut sind, führte die Tour ebenfalls vorbei. Stadträtin Manuela Stiefel (parteilos) löste das Rätsel nach dem Grund auf: «Die darunter und darüberliegenden Gleise sind nicht senkrecht aufeinander, daher musste der Lift so gebaut werden.»

Einen Besuch statteten die Gemeinderäte auch dem grossen Veloparkplatz unter dem Europaplatz ab. «Hiervon sollte sich der Stadtrat inspirieren lassen», tuschelte ein Gemeinderat in Anspielung auf die in geringer Anzahl vorhandenen Veloparkplätze beim Schlieremer Bahnhof. Schliesslich wurde die Gruppe auch in die Untergeschosse geführt, durch welche die zahlreichen Geschäfte des Shopville beliefert werden und die ganze Technik versorgt ist und bewirtschaftet wird. Zurück nach Schlieren ging es nicht mit dem 2er-Tram, sondern mit der S-Bahn. Diese brachte die Gemeinderäte schneller zu ihrem Abendessen, als es das Tram gekonnt hätte.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1