Jugendarbeit

Limmattaler Jugendtreffs: So geht Jugendarbeit in Zeiten von Corona

Auch im Jugendraum Kube in Schlieren ist wieder ein wenig Normalität eingekehrt.

Auch im Jugendraum Kube in Schlieren ist wieder ein wenig Normalität eingekehrt.

Wegen Corona waren Limmattaler Jugendarbeiter lange nur über Social Media mit den Jugendlichen in Kontakt. Nun sind Jugendtreffs und Jugendzentren wieder geöffnet.

Das Warten hat ein Ende. Nach Lockdown und Sommerferien sind mittlerweile alle Jugendtreffs im Limmattal wieder geöffnet. Nicht nur für die Jugendlichen, denen ein wichtiges Freizeitangebot fehlte, sondern auch für die Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter endet damit eine spezielle Zeit. Denn während der Schliessung der Treffs war Kreativität gefragt. Viele Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter traten in dieser Zeit über digitale Kanäle wie Instagram, Snapchat und Whatsapp mit den Jugendlichen in Kontakt.

Etwa in Oberengstringen: Intern wurde dort auf die Videokonferenzplattform Zoom gesetzt. «Wir waren online immer präsent. Wir führten viele Telefonate und machten digitale Lehrstellencoachings», sagt Sandra Jenny, die Jugendbeauftragte der Gemeinde. Gleich nach dem Lockdown wurde die Jugendinfostelle mit Schutzmassnahmen wiedereröffnet. Das Jugendhaus blieb aufgrund von Renovationsarbeiten geschlossen. Es öffnete mit einem Schutzkonzept anfangs September wieder.

Digitale Kanäle wurden unterschiedlich genutzt

Auch Jugendtreffleiter Markus Felix vom Jugendtreff Bergdietikon nutzte im Lockdown die digitalen Kanäle. Gleich nachdem der Jugendtreff geschlossen wurde, richtete er einen Jugendtreffchat ein. Als Anfang Juni Veranstaltungen wieder erlaubt waren, wurde der Treff mit Schutzmassnahmen wieder geöffnet. «Wir verwenden nun Einweg-Getränkebecher, die angeschrieben werden müssen. Ausserdem müssen die Abstandsregeln eingehalten werden», sagt Felix. Im Sommer kamen bis zu 40 Jugendliche in den Jugendtreff. Da sich die meisten aber draussen aufhielten, habe dies kein Problem dargestellt, so Felix.

«Wir stellten schnell um auf Zoom und Face-Time», sagt Danielle Misteli vom Jugendtreff in Uitikon. Nach dem Lockdown konnten zuerst nur einzelne Zeitfenster im Jugendtreff reserviert werden. «Dazwischen hatten wir zehn Minuten Zeit, um alles zu desinfizieren und zu lüften», sagt sie. Ausserdem wurde mit Contact Tracing gearbeitet. Nach den grösseren Lockerungen wurde die Maximalbesucherzahl auf 30 Personen angehoben. Das Bistro blieb aber ­geschlossen. Nach den Sommerferien wurde wieder normal geöffnet, Abstands- und Hygieneregeln sind aber geblieben, genauso wie das Contact Tracing.

Auch beim Jugendtreff Geroldswil, der von der reformierten Kirchgemeinde betrieben wird, blieb man während des Lockdowns über Social Media mit den Jugendlichen in Kontakt. «Wir haben Spiele und Herausforderungen auf Instagram aufgeschaltet, bei denen sie mitmachen konnten», sagt Sarah Aemisegger vom Jugendtreff Geroldswil, der auch Jugendlichen aus Unterengstringen, Oetwil und Weiningen offen steht. Anfang Juni konnte er wieder geöffnet werden. Das Schutzkonzept hat man vom Dachverband der offenen Jugendarbeit übernommen und wird laut Aemisegger laufend angepasst.

In Birmensdorf öffnete der Jugendtreff Traffic ebenfalls im Juni wieder. Wie viele andere Jugendtreffs blieb er in den Sommerferien zu und nahm am 21. August wieder den Betrieb auf. Ein aufwendiges Schutzkonzept hat es laut dem Jugendtreffverantwortlichen Beat Feubli nicht gebraucht. Vor allem zusätzliche Reinigungsarbeiten seien dazugekommen, sagt er. «Wir hatten nicht so grosse Einschränkungen, dass alles umgestellt werden musste.»

Anders lief es in Urdorf ab. Die reformierte Kirche musste sogar die Konfirmation absagen. Sie findet erst nächstes Jahr statt. «Für uns ist speziell, dass wir die Konfirmanden so lange sehen», sagt Jugendarbeiter Thomas Luginbühl. Er ging Mitte August unter Einhaltung der Schutzmassnahmen bereits mit der nächsten Konfirmanden-­Klasse ins Lager. Der Kontakt mit den Jugendlichen fand sonst per Telefon statt. Den Mittagstisch, der jeweils am Donnerstag organisiert wird, kann Luginbühl seit diesem Monat endlich fortführen. Die Gemeinde Urdorf hat noch keinen eigenen Jugendtreff. Ende letzten Jahres hat der Gemeinderat im Zuge der Umsetzung seiner Jugendstrategie aber beschlossen, einen solchen zu planen. Andrea Köbeli von der offenen Jugendarbeit stand während des Lockdowns immer mit den Jugendlichen in Kontakt. «Nach den Lockerungen war ich vermehrt draussen unterwegs und traf die Jugendlichen zu Gesprächen», sagt Köbeli. Veranstaltungen konnten aber keine stattfinden.

Wegen der Feriensperre wurde zusätzlich geöffnet

Bei der Jugendarbeit Dietikon wurde auf die eingeschränkten Reisemöglichkeiten in den Ferien reagiert. «In der ersten und letzten Sommerferienwoche war das Jugendzentrum ausserordentlich geöffnet, da viele Kids nicht in die Ferien fuhren», sagt Léa Prêtre, Leiterin der Jugendarbeit. In beiden Wochen sei es gut besucht gewesen. Das Jugendzentrum konnte zuvor vergleichsweise früh öffnen und war nur vom 15. März bis zum 11. Mai geschlossen. Danach ging es mit einem Schutzkonzept weiter. Die Anzahl der ­Jugendlichen, die sich dort aufhalten können, ist jedoch beschränkt. Ausserdem bleiben zwei Räume geschlossen.

In Aesch öffnete der Jugendtreff Container am 22. August wieder. «Wir haben alles schön dekoriert und Chips und Getränke zur Verfügung gestellt. Wir wollten zum Start etwas Spezielles bieten», sagt Gemeinderätin Janine Vannaz (CVP). Sie habe den Anwesenden bei der Wiedereröffnung die Schutzmassnahmen erläutert. Nach dem Apéro hätten sich die Erwachsenen verabschiedet und die Jungen walten lassen. «Wenn man mit den Jugendlichen spricht, klappt es super. Sie kennen das alles bereits von der Schule», sagt Vannaz.

In Schlieren wurde der Jugendraum Kube am 13. März geschlossen. «Alle Veranstaltungen und Projekte wurden abgesagt», sagt Michael Koger, Leiter der Fachstelle Jugend. Während des Lockdowns wurde dafür das Projekt «Jugend hilft» umgesetzt. Unter anderem gingen dabei Jugendliche für Risikopersonen einkaufen. Vor den Sommerferien bot die Fachstelle Jugend ausserdem Hilfe bei der Lehrstellensuche an. Vom dem 9. Juni an konnte der Jugendtreff zudem mit Einschränkungen bis zu den Sommerferien besucht werden. Zum Schulbeginn wurde das «Kube» mit einem Schutzkonzept wieder geöffnet. Der Lockdown hatte für Koger auch Positives: So will er das Projekt «Jugend hilft» mit der Pro Senectute weiter­entwickeln und den Austausch zwischen den Generationen fördern.

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