Waldegg-Bühne
«Liebesküsse aus Moskau» sorgt in Uitikon für Gelächter

Die Waldegg-Bühne feierte im Üdiker-Huus Premiere mit «Liebesküsse aus Moskau».

Daniel Diriwächter
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Die russische Krankenschwester hat eigene Methoden
8 Bilder
Einleitung auf russisch
Hauptdarsteller Roli Wismer ist die ganze Zeit auf der Bühne
Die russische Agentin bleibt (fast) immer standhaft
Slapstick auf der Bühne
Theater Grüsse aus Moskau
Regisseur Harry Sturzenegger (in Jeans) mitten in seinem Ensemble
Applaus für das Ensemble der Waldegg-Bühne

Die russische Krankenschwester hat eigene Methoden

Daniel Diriwächter

Es herrscht Kalter Krieg in Uitikon. Selbstverständlich nur auf der Bühne, als Komödie dargeboten und mit einem Hauch von Realsatire. «Liebesküsse aus Moskau» gilt es zu empfangen, und es ist keine Episode der Doppelnull, sondern ein Stück in zwei Akten des britischen Boulevard-Autors John Graham. Regisseur Harry Sturzenegger übernahm damit zum vierten Mal die Leitung des Laientheaters Waldegg-Bühne und präsentierte am Samstag das Werk in einer Dialektfassung sowie in bunter 70er-Jahre-Optik im Üdiker Huus.

Die Handlung ist die einer klassischen Verwechslungskomödie: John, ein unbedeutender und verheirateter Beamte des britischen Aussenministeriums, gönnt sich zu Zeiten der Sowjetunion ein romantisches Wochenende mit seiner Geliebten in Moskau. Diese gewann den Städtetrip per Verlosung eines Waschmittelkonzerns. Dumm nur, dass John von Gewissenbissen geplagt wird, die Reise zu Werbezwecken ausgeschlachtet werden soll und unliebsame Bekannte im selben Hotel nächtigen. Es folgen Ausreden und Lügen, Wanzen auf Wodka, und John wird flugs zum Agenten wider Willen, für den sich sogar der Geheimdienst KGB interessiert.

Turbulente Probezeit

Bereits vor 20 Jahren hat der Verein Waldegg-Bühne Uitikon die Komödie auf die Bühne gebracht, doch damals dürften die Vorbereitungen wohl ruhiger verlaufen sein. Wenige Wochen vor der diesjährigen Premiere fielen eine Darstellerin sowie der Lichttechniker aus. Aber der Regisseur behielt einen kühlen Kopf, und Ersatz wurde in letzter Minute gefunden. «Das Ensemble sowie die Vereinsmitglieder verfügen über einen starken Zusammenhalt, niemals gab es wegen der Vorfälle Spannungen, das Vertrauen war immer da, und das schätze ich sehr», so Sturzenegger. Das sei mitunter ein Grund, warum er gerne mit der Waldegg-Bühne arbeite. Eifersüchteleien, hinter den Kulissen – oft ein grosses Thema, so der Regisseur – gäbe es hier ebenfalls nicht.

Die Turbulenzen im Vorfeld waren der Inszenierung nicht anzumerken. Das zehnköpfige Ensemble hatte sichtlich Spass, sich in der liebevoll ausgestalteten Kulisse eines russischen Hotelzimmers auszutoben. Ein grosses Lob gebührt dem in Uitikon geborenen Darsteller des John, Roland Wismer. Er ist von Anfang bis Ende auf der Bühne, textsicher sowie ein Held des Slapsticks. «Die Rolle des John ist sehr anspruchsvoll», so Sturzenegger. Normalerweise habe ein Darsteller rund 300 Einsätze auf der Bühne; Stichworte, beziehungsweise Zeitpunkte, welche die Handlung vorantreiben. Wismer musste aber deren 600 erlernen.
Die Geschichte wiederholt sich

So ist im mittlerweile 27. Jahr seit der Gründung des Vereins die diesjährige Produktion doch noch gelungen. Auch wenn der britische Humor teilweise wegen der Übersetzung etwas auf der Strecke blieb, sassen die Pointen. Und Sturzenegger sah in seinen «Liebesküssen aus Moskau» einen Bezug zur heutigen Realität; nicht nur, weil darin ein junger KGB-Agent namens Wladimir von einer mächtigen Zukunft träumt: «Im heutigen Weltgeschehen entsteht wieder eine Art Kalter Krieg und die Geschichte scheint sich leider zu wiederholen.»

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