Weiningen

Lehm verwehrte Corinne den Weg – die Bauarbeiten in der Fahrweid verzögern sich

Das Projekt «Entwässerung Fahrweid» schreitet weiter voran. Der Untergrund hielt aber zwei Überraschungen bereit. Es ist mit höheren Kosten zu rechnen.

Im Moment ruhen die Tunnelbohrmaschinen in der Fahrweid, die sich seit August 2019 in vier verschiedene Richtungen durch den Untergrund wälzen. Aber es werden Schachtbauwerke erstellt. Damit können in Zukunft Unterhaltsarbeiten an der neuen Abwasser-Kanalisation gemacht werden.
Das Grossprojekt «Entwässerung Fahrweid» umfasst die Verlegung neuer Abwasserrohre und die Erweiterung des Pumpwerks Länggenbach. Die Gemeinden Geroldswil und Weiningen entschieden sich zusammen mit der Limeco, die die Abwasseranlage in Dietikon betreibt, die meisten Kanäle mittels Microtunnelingverfahren zu realisieren. So müssen keine Strassen aufgerissen werden. Der grösste Bohrkopf mit einem Durchmesser von 1,4 Metern trägt den Namen Corinne. Die Bauarbeiten starteten im Frühling 2019. In einer Mitteilung ist nun von einer mehrwöchigen Verzögerung die Rede.
Es habe überdurchschnittlich viele Überraschungen gegeben, sagt Benjamin Rüde, der Bauleiter für das Tunnelingverfahren. Er ist für die Firma ILF Beratende Ingenieure AG tätig. «Etwas Unerwartetes kommt in einem solchen Projekt zwar immer zum Vorschein, aber nicht in diesem Ausmass.»
In der Planphase seien im Abstand von sechzig Metern Bohrproben entnommen worden, um die Beschaffung des Bodens aufzuspüren. Diese liessen aber nicht auf einen hohen Lehmanteil zwischen den Kiesablagerungen schliessen. «Dass dem so ist, zeigte sich erst in den vergangenen Wochen», sagt
Fabrice Bachmann von der «swrplus AG». Er ist Gesamtleiter des Entwässerungsprojekts. Auch ein externer Geologe sei über diese Verwirbelungen im Boden überrascht gewesen, sagt er. Eine Faustregel besagt, dass sich der Bohrkopf zehn Meter pro Tag durch den Boden fräsen kann. Dieses Tempo war nicht mehr möglich. Aufgrund des feintonigen Bodens musste stärkeres Geschütz aufgefahren werden. Der neue Bohrkopf war mit Sprühdüsen ausgestattet. Erschwerend kamen dann auch noch alte Spundwände in die Quere. Diese wurden in den 1960er-Jahren versenkt. Die Stahlhindernisse waren aber in keinem Bauplan eingezeichnet. Sie mussten herausgezogen werden. «Der Lehm wirkte dabei wie ein Sog», sagt Bachmann.

Die Überraschungen verursachten die Verzögerung. Deshalb muss der Hauptschacht noch bis Ende Oktober offen bleiben. Das Loch hat einen Durchmesser von zehn Metern und befindet sich an der Kreuzung von Giessackerstrasse und Fahrweidstrasse. 70 Tonnen Material wurden ausgehoben. Das Einbahnregime auf der Fahrweidstrasse bleibt nach dem Microtunneling noch bis Ende 2021 bestehen.«In einem Bauprojekt rechnen wir mit Zwischenfällen. Deshalb werden Reserven gebildet», sagt Bachmann. Der Bau sei aber nochmals teurer geworden. Eine genaue Bezifferung sei derzeit nicht möglich. Die Gesamtkosten wurden zuletzt auf rund 17,4 Millionen Franken geschätzt.
Der Tunnel erstreckt sich über eine Länge von ingesamt 1250 Metern. Im September wird ein letztes Stück in der Fahrweidstrasse in Richtung Geroldswil gebohrt. Danach folgen im konventionellen Grabenbau noch zwei Abschnitte.
Diese Arbeiten müssten gemäss ursprünglichem Zeitplan bereits beendet sein. Bald werden die Haushalte an das neue Kanalsystem angehängt. Die Abschlussarbeiten fallen dann mit dem nächsten Projekt zusammen. Im Frühling 2021 steht noch die Neugestaltung der Fahrweidstrasse bevor.

Zwei neue Pumpschnecken stehen im Einsatz

Fertig sind hingegen die zwei Pumpschnecken beim Pumpwerk Länggenbach. Diese stehen ab August in Betrieb – doch laufen werden sie nur in Notfällen. Denn sie sollen verhindern, dass die Keller im Quartier geflutet werden. In der Vergangenheit staute sich dort manchmal das Abwasser. «Wir freuen uns darauf, dass ab August die beiden neuen Schneckenpumpen bei starkem Regen das Wasser aus der Fahrweid pumpen und so Hochwasserereignissen vorbeugen können», sagt Patrik Feusi, Geschäftsführer von Limeco.
Zudem wird der Schacht im Pumpwerk ein Dach erhalten, um Geruchsemissionen zu vermindern. Die Gerüche wehten bisher bis ins Quartier. Das gesamte erneuerte Kanalsystem in der Fahrweid wird eine Lebensdauer von rund siebzig Jahren haben.

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