Coronavirus

Kurz zurück in die Normalität – dies berichtet Praktikant Joël Decurtins von seinem Militärdienst

Vor 38 Tagen ist Joël Decurtins ins Militär eingerückt. Wie es ihm dabei ergeht, berichtet er in seiner Kolumne. (Symbolbild)

Vor 38 Tagen ist Joël Decurtins ins Militär eingerückt. Wie es ihm dabei ergeht, berichtet er in seiner Kolumne. (Symbolbild)

Im Januar begann Joël Decurtins (19) aus Uitikon ein Praktikum bei der Limmattaler Zeitung. Wegen der Coronakrise musste er Mitte März kurzfristig ins Militär einrücken.

Es war ein komisches Gefühl, als ich am Freitag vor einer Woche erstmals wieder nach Hause kam. 38 Tage nachdem ich ins Militär eingerückt war. Die Freude des Wiedersehens mit der Familie mischte sich mit der Ungewissheit, ob ich das Virus mitbringen würde. Denn während meines Einsatzes im Spital Frauenfeld hatte ich Kontakt mit Coronapatienten. Trotz meiner Bedenken hoffte ich, der ursprünglichen, zivilen Normalität – inzwischen hatte ich mich an den Alltag in der Kaserne gewöhnt – wieder näher zu kommen. Das gelang mir nur bedingt.

Zwar genoss ich mittags mit der Familie die Spaghetti an der leckeren Tomaten-­Oliven-Peperoni-Sauce meiner Mutter, auf die ich mich schon die ganze Zeit in der Kaserne ge- freut hatte, doch kam ich wäh- rend der 52 Stunden Urlaub nie ganz zu Hause an. Aus Respekt vor einer Virusübertragung behielt ich in der unmittelbaren Nähe meiner Eltern und meines Bruders die Schutzmaske an. Auch Treffen mit Freunden unterliess ich während meines ersten Urlaubs. So konnte ich das Gefühl des Aus- nahme­zustands nie ganz ab- legen. Dennoch war es schön, mit der Familie von Angesicht zu Angesicht zu reden, mit unserem Hund zu spazieren und im eigenen Bett zu schlafen. Nach zwei Übernachtungen ging es dann schon wieder zurück in die Kaserne. Viel zu früh, wie ich fand.

Letzten Mittwoch und Donnerstag war ich dann schon zum zweiten Mal zu Hause. Dabei fühlte ich mich schon einiges wohler. Die Situation wirkte nicht mehr ganz so neu und fremd, auch wenn sie weit vom Status quo entfernt ist. Allmählich beginne ich mich daran zu gewöhnen. Vielleicht keine schlechte Idee. Denn auch wenn der Bundesrat die Massnahmen immer weiter lockert und Bars und Restaurants unter Auflagen bald wieder ihre Türen öffnen, bleibt zu bezweifeln, ob wir wirklich zur Normalität zurückkehren. Denn das Coronavirus wird wahrscheinlich auch in den nächsten Monaten, gar Jahren, nicht mehr verschwinden. Entweder finden wir einen Impfstoff oder müssen lernen, mit dem Virus zu leben. Es wird spannend, die Entwicklung unserer Gesellschaft mitzuerleben – und zu sehen, wann mein Dienst endet.

Zur Person:

Joël Decurtins (19) aus Uitikon begann im Januar ein Praktikum bei der Limmattaler Zeitung in Dietikon. Wegen der Coronakrise musste er Mitte März kurzfristig ins Militär einrücken. Hier berichtet er von der Front.

Joël Decurtins (19) aus Uitikon begann im Januar ein Praktikum bei der Limmattaler Zeitung in Dietikon. Wegen der Coronakrise musste er Mitte März kurzfristig ins Militär einrücken. Hier berichtet er von der Front.

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