«Wer übernimmt die Verantwortung, wenn wir älter werden?» Diese Frage beschäftigt Unternehmer bereits seit vielen Jahren. Auch in Vereinen ist das immer wieder ein Thema. Nun fand im Kulturforum des Gleis 21 in Dietikon ein Vortrag statt, bei dem sich auch Vereinsmitglieder mit der Nachfolgeregelung auseinandersetzen konnten.
«Das Herzblut von allen Beteiligten ist das Zentrale. Wenn man das ausstrahlt, dann ‹gluschtet› es andere auch», sagt Sybille Kunz, Referentin des Abends. Sie ist Mitglied des Organisationskollektivs «Pod’Ring» in Biel. Das gleichnamige Festival wird bereits seit über 40 Jahren durchgeführt. Über die letzten Jahrzehnte hat Kunz auch erfahren, was es heisst, neue Leute in den Verein aufzunehmen und wie schwer es für ältere ist, den Vorsitz abzugeben. Damit dies geschehen kann, legte sie den rund 15 Zuhörern ans Herz, sich gut zu vernetzen, den Jungen Verantwortung zu geben und auch mal einen Schritt zurückzumachen. Dabei habe sie sich immer wieder überlegt: «Wo ist ein Bedarf, wo kann man eine Öffnung machen und den Jugendlichen eine echte Arbeit geben.»


Das führte beispielsweise dazu, dass Kinder Badges für das Festival verkauften. Als ihnen dies später zu kindisch erschien, erhielten sie ein eigenes Budget und organisierten einen eigenen Zweig des Festivals. «Generationenwechsel ist dann möglich, wenn die Jüngeren auch Lust dazu haben», sagte sie. Dann sind die Älteren dazu aufgefordert, abzugeben und zu coachen.

Kritische Fragen aus dem Publikum

«Das tönt jetzt alles wunderbar. Doch gab es nicht auch manchmal Probleme?», fragte eine Dame in der vordersten Reihe nach dem Vortrag. Natürlich seien auch immer Schwierigkeiten aufgetreten, sagte Kunz. Zum Beispiel, als ein fünfstelliger Betrag aus einem Auto gestohlen wurde, als einigen Vereinsmitgliedern das Festival zu professionell wurde oder als diverse Grundsatzdiskussionen immer wieder neu geführt werden mussten. Doch trotz diesen Dingen, schien es nicht so, als sei Kunz der Mut verloren gegangen. Zu welchem Zeitpunkt sie selbst die Verantwortung abgeben wird, ist noch nicht klar.
«Wie viele Stunden beträgt der Aufwand der verantwortlichen Vereinsmitglieder?», fragte ein Mann aus der hinteren Reihe. Das sei schwierig zu beanworten, sagte Kunz. Es gebe einige, die bis zu einem Monat Arbeit für das Festival aufwenden. Die Besetzung während des Festivals sei jeweils sehr unterschiedlich. «Doch bei einem knapp besetzten Ressort ist es umso schwieriger, jemand Neues reinzunehmen», sagte Kunz.

Cüpli und Käse zum Networken

Nach der Fragerunde im Plenum gab es noch die Möglichkeit, bei Wein und Antipasti weiterzudiskutieren und zu networken. Manche erschienen ausschliesslich dafür. «Ich sah die Ausschreibung des Kulturforums und wollte auch neue Leute kennenlernen», sagte eine Frau, die sich noch in keinem Verein engagiert. Doch einige kamen mit dem konkreten Anliegen, etwas zu lernen, das sie in ihrem Verein umsetzen können, etwa Agnes Matt vom Theaterverein Dietikon. Sie fühlte sich von der Thematik des Generationenwechsels angesprochen. «Ich kann mir das Ganze nach diesem Vortrag auf alle Fälle schon besser vorstellen. Pod’Ring macht das jedenfalls sehr gut», sagte sie.


Fabian Hauser, Betriebsleiter des Gleis 21 und OK-Mitglied des letztjährigen Dietiker Stadtfests war ermutigt durch den Vortrag. «Man merkt, wir sind nicht alleine. Es gibt auch andere, die Freude an einer Sache haben und dabei Gas geben.» Der Abend wurde von Irene Brioschi, der Kulturbeauftragten der Stadt Dietikon organisiert. Auf die Frage was Dietikon vom «Pod’Ring» lernen könne, sagte sie: «Mir machte die Aussage besonders Eindruck, dass man echte Arbeit weitergeben soll, und dass man dazu manchmal auch einen Schritt zurückmachen muss.»