Dietikon
Kommt die Silbern-Station? Doris Leuthards Briefkasten füllt sich

Bald entscheidet sich, ob die S-Bahn-Station Silbern kommt oder nicht. Das Vernehmlassungsverfahren zum Bahn-Ausbauschritt 2030/2035 läuft. So lobbyiert das Limmattal in Bundesbern für die Haltestelle Silbern.

Leo Eiholzer
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Das Dietiker Silbern-Gebiet wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Deshalb brauche es eine S-Bahn-Haltestelle Silbern, sagen die Befürworter. Sandra Ardizzone

Das Dietiker Silbern-Gebiet wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Deshalb brauche es eine S-Bahn-Haltestelle Silbern, sagen die Befürworter. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Die Pöstler in Bundesbern liefern gerade ungewöhnlich viele Briefe aus dem Limmattal aus. Gemeinden, Wirtschaftsverbände, Gewerbler und Einzelpersonen äussern sich in Vernehmlassungsantworten zum Bahn-Ausbauschritt 2030/2035. Knackpunkt für das Limmattal ist die S-Bahn-Haltestelle Silbern. Sie ist im Milliarden-Investitionsplan nämlich nicht enthalten, könnte es aber noch rein schaffen. Sie hat momentan den Status «offen».
Deshalb versuchen die verantwortlichen Limmattaler, Bundesbern möglichst deutlich zu zeigen, wie wichtig die S-Bahn-Haltestelle für das wachsende Quartier wäre. «Die Strategie ist: Möglichst viel Post muss nach Bern gehen», sagt Otto Müller (FDP). Er ist Stadtpräsident von Dietikon und steht mehreren Organisationen vor, die für die neue Station kämpfen.

Urs Jenny präsidiert die IG Silbern, den Zusammenschluss von Gewerblern und Grundeigentümern aus dem Gebiet. Er weibelt ebenfalls für das Projekt und sagt: «Bern wird momentan von Schreiben aus dem Limmattal bombardiert.» Wie viele es genau sind, kann er nicht sagen, aber er geht von einer hohen zweistelligen Anzahl Briefe aus. Das Bundesamt für Verkehr will vor dem Abschluss der Vernehmlassung am 15. Januar noch nichts zur Anzahl Schreiben sagen.

85 Prozent Zeitersparnis

Die IG Silbern hat auf ihrer Website einen Musterbrief aufgeschaltet, mit dem man dem Bundesamt für Verkehr und dem Bundesrat die Argumente für die neue Haltestelle aufzeigen kann. Darin heisst es: «Wir befürworten eine S-Bahn-Station Silbern, weil damit jeder der 5000 Arbeitnehmenden rascher ankommt.» Aus Spreitenbach reist man heute 20 Minuten an, mit einer S-Bahn-Station Silbern ginge es noch drei Minuten. Vom Zürcher Hauptbahnhof fährt man momentan 30 Minuten, nach dem Bau wären es noch 18 Minuten.

Müller hat Regierungsrätin Carmen Walker-Späh (FDP) in einem persönlichen Gespräch dargelegt, warum die Station für das Limmattal wichtig wäre. Der Kanton will aber noch nicht sagen, was in seiner Antwort zur Vernehmlassung steht.

Am Freitag hat zudem die Dietiker SP eine Stellungnahme nach Bern geschickt. Andere angefragte Ortsparteien geben an, dies noch tun zu wollen, oder entschuldigen sich aus Kapazitätsgründen. Ausgerechnet die Partei Müllers, die FDP, hat aber bisher beim Plan des Stadtpräsidenten nicht mitgemacht.

Champions-League-Lobbying

Doch reicht es, nur Briefe nach Bern zu schicken? Der Kanton Basel-Stadt geht weiter: Damit er zu seiner milliardenteuren Durchmesserlinie namens «Herzstück» kommt, zieht die Regierung alle Register. Sie lud die Mitglieder der national- und ständerätlichen Verkehrskommissionen an ein Champions-League-Spiel des FC Basel ein. Kostenpunkt: 10 000 Franken.

Nun, Champions-League-Fussball kann das Limmattal nicht bieten, aber wäre Lobbying bei einer Einladung ans Dietiker Stadtfest eine Alternative? «Das ist eine gute Idee», sagt der Dietiker Stadtpräsident Müller scherzhaft. «Einladen kann man immer, aber ob die Parlamentarier dann auch kommen, da bin ich nicht so sicher.»

Er geht aber davon aus, dass die Station gute Chancen hat. «Unser Projekt ist im Verhältnis zu anderen auf der Liste mit 49 Millionen Franken ja nicht so teuer», sagt Müller.

Die Limmattaler lobbyieren auch direkt in Bundesbern. Dabei fällt vor allem der Name von SVP-Nationalrat Hans Egloff aus Aesch oft. «Wenn man es despektierlich sagen will, bin ich der Meldegänger zwischen dem Limmattal und Bern. Positiv gesagt bin ich der Fürsprecher des Projekts», sagt dieser. Egloff hat das Thema Station Silbern zweimal Bundesrätin und Verkehrsdepartements-Chefin Doris Leuthard (CVP) im persönlichen Gespräch näher gebracht. «Wir wollen mit unserem Lobbying klar machen, dass die Haltestelle Silbern nicht nur ein Wunsch ist, sondern eine absolute Notwendigkeit», sagt IG-Silbern-Präsident Jenny.

Er ist zuversichtlich, dass die Station ihren Platz in den Plänen bekommt. «Für mich steht nicht mehr die Frage im Raum, ob es eine S-Bahn-Station Silbern gibt, sondern nur noch wann.»

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