Dietikon

Kirche verkauft «Bären» an Stadt – Gregor Biffigers Verein für günstiges Wohnen geht leer aus

Sanierungen mit Kosten von bis zu 2,4 Millionen Franken stehen im «Bären» an. Diese kann die Kirche finanziell nicht stemmen.

Sanierungen mit Kosten von bis zu 2,4 Millionen Franken stehen im «Bären» an. Diese kann die Kirche finanziell nicht stemmen.

Die katholische Kirchgemeinde Dietikon verkauft das Gebäude für 1,7 Millionen. Höhere Angebote schlug sie aus.

Nach einer nur rund einstündigen Diskussion, aber nach vielen verschiedenen Teilabstimmungen, war es am Montagabend um 22.15 Uhr schliesslich Tatsache: Mit 72 Ja- zu 21 Neinstimmen bei 2 Enthaltungen hatte sich die katholische Kirchgemeindeversammlung deutlich dafür ausgesprochen, die Liegenschaft Bären am Dietiker Bahnhof zu verkaufen. Für 1,75 Millionen Franken wird die Stadt das Gebäude mit dem Restaurant und den fünf Mietwohnungen übernehmen.

Die Gegner der Vorlage bemängelten insbesondere, dass die Kirche das 1912 erstellte kleine Hochhaus zu günstig abgebe. «Private hatten keine Chancen, Offerten einzureichen», kritisierte eine Anwesende. Und sie las der Versammlung gleich ein Kaufangebot vor. Demnach wäre der Verein Casarta bereit gewesen, den «Bären» für 2,2 Millionen Franken zu übernehmen. Der Verein, der in den 1950er-Jahren als «Verein für billiges Wohnen» in Baden gegründet worden war, um der Wohnungsnot zu begegnen, wäre auch dieselben Vertragszusätze wie die Stadt eingegangen. Doch der Verein, bei dem Gregor Biffiger, Präsident des Gewerbeverbands Limmattal, Vizepräsident ist, sei nicht einmal zu einem Gespräch eingeladen worden, brachte die Votantin vor. «Wenn es der Kirchgemeinde derart schlecht geht, dass sie den ‹Bären› verkaufen muss, dann soll sie doch das um eine halbe Million Franken höhere Angebot nehmen», merkte eine weitere Stimmberechtigte an.

Kirche hat Stadt bewusst als Käuferin auserkoren

Die Mehrheit der 95 Anwesenden folgte jedoch dem Antrag der Kirchenpflege, die sich bewusst für die Stadt als Vertragspartnerin ausgesprochen hatte. «Das Gebäude liegt an einem strategisch wichtigen Ort», sagte Maria Spielmann, die Präsidentin der katholischen Kirchenpflege. Die Stadt spricht derzeit mit den SBB über die Entwicklung und die Neugestaltung des gesamten Bahnhofareals. Der «Bären» liegt am Rand dieses Perimeters. «Die Stadt kann, wenn sie die Liegenschaft von der Kirche erwirbt, aktiv an der Zentrumsgestaltung mitwirken», sagte Spielmann. «Wir haben auch eine politische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.» Der «Bären» gehöre zu Dietikon, deshalb sei der Verkauf an die Stadt richtig.

Von einem «fairen Angebot», das von einem «verlässlichen Partner» stamme, sprach Pius Meier, Präsident der Rechnungsprüfungskommission. Die Interessen der Stadt und der Kirche würden sich decken. Dies sei wichtig. «Es kann uns nicht egal sein, was mit dem Haus passieren wird.»

Die Gegner der Vorlage versuchten mittels verschiedener Anträge, den Ausgang der Versammlung zu ändern. Ein Antrag auf geheime Abstimmung kam dabei durch. Ein Rückweisungsantrag an die Kirchenpflege scheiterte indessen. Er wurde nur von 17 Anwesenden unterstützt. Auch der Antrag auf eine Urnenabstimmung drang nicht durch. Das erforderliche Quorum von einem Drittel der Anwesenden wurde mit 14 Stimmen klar nicht erreicht. Noch steht ein Rekurs an den Bezirksrat im Raum; einen solchen prüfen die Gegner zumindest.

Die Kirche will nicht verkaufen, sie muss

Dass sich die katholische Kirche Dietikon vom «Bären» trennt, den sie 1955 für 310000 Franken gekauft hatte, ist auf finanzielle Gründe zurückzuführen. Denn in den fünf Mietwohnungen stehen Sanierungen an, die nach intensiven Abklärungen bis zu 2,4 Millionen Franken kosten könnten. «Das können wir uns nicht leisten», sagte Maria Spielmann. Die Sanierungskosten liessen sich in den nächsten 20 Jahren durch die Mieten nicht herausholen, sagte Finanzvorstand Patrick Knecht. Und Liegenschaftenvorstand Martin Senn ergänzte, dass die Mieten nicht durch Kirchensteuern quersubventioniert werden sollen. «Wir wollen den ‹Bären› ja nicht verkaufen, aber wir müssen es aus Not tun», sagte Knecht. Denn es stünden andernorts noch andere Sanierungen an, welche die Kirchgemeinde vornehmen müsse.

Die fünf Mietwohnungen stehen seit einiger Zeit leer. Die Kirchenpflege hatte die Mietverhältnisse per März 2019 gekündigt. Kurz darauf fiel die marode Wasserversorgung ganz aus.

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