Schlieren
Kein Shopping-Paradies am Bahnhof: «Das Zentrum verzettelt sich»

Die SBB werten derzeit mehrere Bahnhöfe des Kantons auf – dass die Neubauten in Schlieren einen positiven Einfluss auf die Belebung des Zentrums entfalten, glaubt die Detaillistenvereinigung jedoch nicht

Alex Rudolf
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Als erste offizielle Mieterin steht die Fitnesskette Activ-Fitness fest. Für die Vermietung weiterer Flächen stehe man im Gespräch. ZVG

Als erste offizielle Mieterin steht die Fitnesskette Activ-Fitness fest. Für die Vermietung weiterer Flächen stehe man im Gespräch. ZVG

© 2014 nightnurse images, Züri

Wo heute an der Schlieremer Güterstrasse gleich beim Bahnhof ein grosses Loch im Boden klafft, bauen die SBB bis Ende 2018 zwei Gebäude mit Büros, Wohnungen und Flächen für den Detailhandel. Die beiden Bauten – die SBB nennen sie Punkt- und Langhaus – passen perfekt zur Immobilienstrategie der Bundesbahnen. So eröffnet im November im Bahnhof Oerlikon ein Shopville mit knapp 30 Geschäften, auf der Nordseite des Bahnhofs Altstetten entstehen zwei Gebäude mit Wohnungen und Flächen für Detailhandel und mit der Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs Löwenstrasse wuchs die Ladenfläche am Zürcher Hauptbahnhof um 2500 Quadratmeter. Aus Bahnhöfen werden zunehmend Shoppingzentren.

Ein Fitnesscenter zieht ein

Wird nach dem HB und Oerlikon auch Schlieren zu einem Shopville III? Details zu den neuen Geschäftsflächen am Bahnhof geben die SBB nur wenige bekannt. Lediglich die beiden Obergeschosse des Punkthauses seien bereits an die Fitnesskette Activ-Fitness vermietet, wie SBB-Mediensprecher Oliver Dischoe auf Anfrage sagt. «Für die weiteren Flächen sind bereits Interessenten vorhanden», sagt er weiter. Weil aber noch keine Verträge unterzeichnet wurden, könne man keine weiteren Angaben machen. Für Retail- und Dienstleistungsflächen werden die SBB in den beiden Gebäuden rund 900 Quadratmeter zur Verfügung stellen. Dischoe rechnet damit, dass im Langhaus drei Mietparteien einziehen werden und im Punkthaus deren zwei im Erdgeschoss und zwei bis drei im ersten Obergeschoss. Bezüglich der Mieterschaft zeigen sich die SBB offen. «Wir sind bestrebt, einen für die Belebung des neu entstehenden Bahnhofareals optimalen Mietermix sicherzustellen.» Gleich klang es bei der Vergabe von Flächen im neuen Bahnhof Löwenstrasse und am Bahnhof Oerlikon.

Dass das Bahnhofareal dereinst zur Belebung des Zentrums oder gar zu einem Shopping-Paradies werden wird, daran zweifelt Philipp Locher. Der Präsident der Detaillistenvereinigung Schlieren und Inhaber der Drogerie Locher stellt infrage, dass das Zentrum durch die Bauten der SBB tatsächlich aufgewertet wird: «Dadurch, dass die Läden weiter weg vom eigentlichen Zentrum zu stehen kommen, verzettelt sich dieses und wird dadurch verwässert», sagt er. Architektonisch werde der Bahnhof Schlieren zwar sicherlich attraktiver, dass es an dieser Lage jedoch eine Erdgeschossnutzung brauche, glaubt er nicht. «Das bisherige Zentrum zu stärken, etwa mit einer Stadthalle am Stadtplatz, wäre um einiges sinnvoller», sagt er.

Damit das Bahnhofareal zum Erfolg wird, braucht es für Locher Angebote, die es in der Stadt so noch nicht gibt. «Der ergänzende Branchenmix entscheidet dabei, ob ein Zentrum belebt wird.»

SBB müssen sich um Mieter bemühen

Ein anderes Bild zeigt sich am HB Zürich. Aufgrund der Passantenströme sind dort die Ladenflächen heiss begehrt. Doch: Nun beklagen sich Detaillisten über die hohen Mieten, die von ihnen verlangt werden. Wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich berichtete, ziehen mehrere namhafte Läden aus dem Shopville aus. Darunter Tekoe, Zebra und Famous. Im September würden die Filialen der Bäckerei Le Crobag und des Kaffeeanbieters Spettacolo schliessen.

Angst davor, dass wegen der neuen Gewerbeflächen der SBB die Mieten im Stadtzentrum steigen werden, hat Locher nicht. «Die Situation hier in Schlieren ist nicht mit jener im Hauptbahnhof zu vergleichen», sagt er. So müssten sich eher die SBB bemühen, attraktive Detaillisten mit einem Angebot des täglichen Bedarfs an den Bahnhof zu locken.