Dietikon
Kantonsspital Baden baut im Limmatfeld aus – neue Praxis ohne Voranmeldung

Das Kantonsspital Baden investiert Millionen in die Erweiterung des Ärztezentrums Limmatfeld. Im Juni eröffnet dort eine Walk-in-Praxis. Für Dietiker Hausärzte sei dies zwar eine Konkurrenz, aber auch eine Chance, sagen die Verantwortlichen.

Alex Rudolf
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Eröffnung im Juni: Das Kantonsspital Baden erweitert den Standort Dietikon. aru

Eröffnung im Juni: Das Kantonsspital Baden erweitert den Standort Dietikon. aru

An der Grünaustrasse gleich neben den Bahngleisen im noch jungen Dietiker Quartier Limmatfeld ist derzeit rund ein Dutzend Arbeiter damit beschäftigt, ein neues Ärztezentrum fertigzustellen. Im Juni eröffnet dort das Kantonsspital Baden (KSB) eine Walk-in-Praxis. «Die Patienten können ohne Voranmeldung vorbeikommen und medizinische Leistungen beziehen», sagt Adrian Schmitter, CEO des KSB. Drei bis vier Ärzte und eine Praxisassistentin werden den Patienten – auch über Mittag und abends bis 20 Uhr – zur Verfügung stehen.

Das Angebot ist weitreichend. Neben zwei Räumen zur Behandlung von Walk-in-Patienten beheimatet die neue Praxis einen Raum für kleine operative Eingriffe sowie die Infrastruktur für radiologische Untersuchungen. Auch Fachärzte des KSB werden hier inskünftig Sprechstunden abhalten. Den Innenausbau und die Gerätschaften der rund 400 Quadratmeter grossen Fläche lässt sich das KSB rund 5,5 Millionen Franken kosten.

Bereits vor gut einem Jahr nahm die Frauenarztpraxis des Ärztezentrum Limmatfeld ihren Betrieb wenige Meter entfernt an der Heimstrasse 1 auf. Zukünftig würden einige medizinische Abklärungen der Frauenarztpraxis in den neuen Räumen des Ärztezentrums durchgeführt, so Schmitter.

Man will kein Konkurrent sein

Adrian Schmitter ist sich bewusst, dass die Erweiterung des Ärztezentrums durch das KSB bei den angestammten Hausärzten für Besorgnis oder gar reflexartige Ablehnung sorgen kann. Dafür habe er Verständnis. «Wir werden als Konkurrenz wahrgenommen, was wir in der ambulanten Behandlung auch teilweise sind. Die Hausärzte können jedoch auch von unserer Infrastruktur profitieren», sagt er weiter. In Brugg beispielsweise, wo das KSB im Jahr 2006 ebenfalls ein externes Praxiszentrum eröffnete, hätten die ansässigen Hausärzte skeptisch reagiert: «Heute möchten uns die dortigen Hausärzte nicht missen.»

Den Grund für die guten Erfahrungen in Brugg ortet Schmitter in der zunehmenden Bedrängnis, in der sich der Berufsstand Hausarzt befindet. «Für die nächste Generation ist die Anstellung als Hausarzt mit langen Arbeitstagen und der ständigen Verfügbarkeit eher unattraktiv», sagt er. Die Notfall-Abteilungen der meisten Spitäler seien aus diesem Grund chronisch überlastet. «Die Menschen gehen gleich ins Spital, da sie oft über keinen eigenen Hausarzt verfügen.»

Aus diesem Grund gibt es in verschiedenen Spitälern, auch im «Limmi» und im KSB, Hausarztpraxen. Ein weiterer Lösungsansatz für dieses Problem bieten auch vier Limmattaler Hausärzte. Diese gründeten ein Netzwerk von Gruppenpraxen und planen unter anderem eine Hausarztpraxis und eine Walk-in-Praxis in Dietikon. Bis Anfang 2016 soll die Hausarztpraxis im Limmatfeld Eröffnung feiern. Christopher Meerwein, Urdorfer Hausarzt und Sprecher des Netzwerkes, zeigt sich besorgt: «Im Bereich der Radiologie wird es sicherlich einen Verdrängungskampf geben, da in Dietikon bereits ein solches Zentrum existiert.» Auch dass viele Hausärzte die Infrastruktur des neuen Ärztezentrums des KSB in Anspruch nehmen werden, wagt er zu bezweifeln. Denn: Durch das Ärztenetzwerk Zürich West, die Dachorganisation der hiesigen Hausärzte, wurde deren Zusammenarbeit mit dem Spital Limmattal im Jahr 1997 institutionalisiert. «Das Bedürfnis nach einer Zusammenarbeit mit dem KSB ist nicht vorhanden», sagt Meerwein.

Auch er sieht in der Zukunft des Berufsstandes Hausarzt einige Herausforderungen. «Es ist jedoch die Aufgabe der Hausärzte, alternative Konzepte zu entwickeln, um die Grundversorgung zu gewährleisten und für die zukünftige Hausärztegeneration Ausbildungsstellen und zeitgemässe Arbeitszeitmodelle zu schaffen», sagt er.

Wird im Limmatfeld bald ein Verdrängungskampf unter den Anbietern von Gesundheitsleistungen stattfinden? «Vom Spital Limmattal wird unsere Niederlassung im Limmatfeld aktuell als etwas provokativ wahrgenommen», so Schmitter. Doch habe die Bedarfsanalyse gezeigt, dass die Nachfrage in dieser Region vorhanden sei.

Thomas Brack, Direktor des Spitals Limmattal, sieht im neuen Angebot im Limmatfeld keineswegs Konkurrenz für seine Institution. Einerseits, sei das «Limmi» nicht in der Hausarzt-Grundversorgung tätig und andererseits werde die Akzeptanz der Patienten bei einer Zuweisung in Richtung KSB eher klein sein. Dies, weil das Spital Limmattal in unmittelbarer Nähe liege.

Keine weitere Expansion

Der Frage, ob die Expansion des KSB nach Dietikon nun vorerst abgeschlossen sei, begegnet Schmitter mit einer Präzisierung. Man sehe dies nicht als Expansion, sondern als «ergänzendes Angebot im Rahmen der integrierten Gesundheitsversorgung». Die Leistungen, die der Standort Limmatfeld erbringen könne, würden die Hausärzte entlasten und den Patienten lange Wartezeiten ersparen, sagt er. Man pflege die Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen Spitälern, aber auch mit den nachgelagerten Anbietern wie Spitex oder Pflegeheimen. Aber: Weitere Standorte seien im Limmattal nicht geplant.

Wie die Dietiker Bevölkerung auf das erweiterte Ärztezentrum Limmatfeld reagieren wird, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass es mit einem eigenen Logo positioniert wird. Der visuelle Auftritt erfolge eigenständig und unabhängig vom KSB – ganz ohne dessen Logo. Möglich, dass mit dieser Massnahme der von Thomas Brack angedeuteten «geringen Akzeptanz» vorgebeugt werden soll.

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