Dietikon
Jörg Schneiders Abschied ist ein «Häppi Änd»

Mit 78 Jahren tritt Jörg Schneider von der Bühne ab und das Publikum ist begeistert von seiner Abschiedstournee. «Häppi Änd» heisst das Stück, mit welchem er sich verabschiedet. Ein passender Titel, denn die Tour ist auch für ihn das «Häppi Änd».

Franziska Schadel
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Im Stück «Häppi Änd» spielt Jörg Schneider einen alternden Kino-Betreiber.

Im Stück «Häppi Änd» spielt Jörg Schneider einen alternden Kino-Betreiber.

Franziska Schadel

Kein Platz ist mehr frei im reformierten Kirchgemeindehaus, als sich der Vorhang zum letzten Stück öffnet, mit dem der Volksschauspieler Jörg Schneider gegenwärtig auf Abschiedstournee ist.

Schneider tritt mit 78 Jahren von der Bühne ab. Und er tut dies so, wie ihn sein Publikum liebt: volksnah, witzig, mit einem Schuss Ironie und einer Energie, um die ihn mancher Gleichaltrige wohl beneiden dürfte.

«Häppi Änd» ist die Geschichte des griesgrämigen Witwers Robert Lehmann, der alle Lebensfreude verliert, als sein Sohn das Quartierkino Eden verkauft. Lehmann hat es seit Jahrzehnten mit Herzblut betrieben und kann sich ein Leben ohne sein «Eden» nicht vorstellen.

Lehmanns Sohn, seine Nachbarin und die Spitexpflegerin haben es schwer mit dem mürrischen Alten, der keine Gelegenheit verpasst, sie zu beleidigen und zu beschimpfen. Aber unter der harten Schale des Herrn Lehmann steckt ein weicher Kern.

Auch die Melancholie fehlt nicht

Und so hat das Stück neben allen Kalauern, die das Publikum oft und gerne mit Gelächter quittiert, auch melancholische Momente. So etwa, wenn der alte Kauz Zwiesprache hält mit seiner verstorbenen Frau Maja und sie um Rat bittet, wenn er nicht mehr weiterweiss.

Irène Fritschi, die Nachbarin, die dem alten Lehmann mit ihrem Geschwätz auf die Nerven geht, Angelika Binz, die graue Spitex-Maus, die sich zur eleganten Schönheit mausert, und Daniel Bill, der im Geschäftsleben glücklose Sohn mit der Züri-Schnurre - sie alle tragen zusammen mit Jörg Schneider zu einem vergnüglichen Theaterabend bei.
Für Angelika Hess aus Dietikon ist der Anlass auch etwas traurig. Sie werde Jörg Schneider auf der Bühne vermissen und sei gerührt davon, wie er dieses letzte Stück spielt.

«Ich durfte ihn einmal als kleines Mädchen persönlich kennenlernen. Mein Vater kannte ihn und hat mich ihm vorgestellt», erinnert sich Hess. Später habe dann ihr Sohn die Kasperlikassetten gehört, die Jörg Schneider gesprochen hat. «Herr Schneider hat mich während meines ganzen Lebens auf irgendeine Art begleitet.»

Urchig und lebensnah seien die Stücke des Schauspielers, sagt die Dietikerin Margrit Honegger. Sie hat fast alle am Fernsehen gesehen. «Diese Geschichten können doch auch im Leben passieren», schmunzelt sie.

Geschichte mit glücklichem Ende

«Häppi Änd» hat tatsächlich ein Happy End. Robert Lehmann lässt sich davon überzeugen, seine Filme in Altersheimen vorzuführen. Die Grandezza seines Kinos, so der brummige Lehmann, könne das aber natürlich nicht ersetzen.

Mit der neuen Aufgabe kehrt seine Lebensfreude zurück. Die Abschiedsvorstellung hat gefallen. Jörg Schneider wird mit stehenden Ovationen verabschiedet und man spürt: Das Publikum lässt ihn ungern ziehen.