Dietikon
Jetzt werden die Motorräder wieder auf Vordermann gebracht

Ostern naht, es knattert wieder auf den Limmattaler Vorplätzen und in den Tiefgaragen, lahmgelegte Motoren husten auf. Die Töffsaison steht vor der Tür - in der Werkstatt von Motoport Valten läuft es rund

Katja Landolt
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Die Töffwerkstatt in Dietikon
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Den Töffliebhabern sollte es bei diesem Anblick im Handgelenk jucken
Pascal Iten schraubt an einer 50-Kubik-Maschine
Ein Töff nach dem anderen wird in die Werkstatt gefahren
Das Öl rinnt

Die Töffwerkstatt in Dietikon

Katja Landolt

Zuverlässig wie die Maiglöckchen recken mit den ersten Sonnenstrahlen auch die Motorradfahrer ihre Köpfe. Zwar bremst der Schnee gerade die Euphorie, aber spätestens am ersten schönen Wochenende fahren sie wieder, kurven über die Pässe, die Nase im Wind. Und spätestens ab dann kennen sie die Wetteraussichten besser als jeder Wetterfrosch.
In der Werkstatt von Motoport Valten in Dietikon stehen drei Maschinen auf den Rampen - Pneus, Bremsen, Öl, alles muss geprüft und gewechselt werden, und alles möglichst schnell. «Die Welle rollt», sagt Inhaber Björn Valten und grinst. «Es ist wie beim Reifenwechsel bei den Autos, wenn der erste Schnee fällt: Kaum stehen die ersten schönen Tage an, bringen alle Kunden ihre Maschinen für den Service auf einmal.» Doch nicht nur in der Werkstatt, auch im Verkauf läuft viel, neue Maschinen müssen bereit gemacht und mit Zubehör ausgerüstet werden. Da sind Überstunden für das vierköpfige Team programmiert. «Das gehört dazu.»
Es fehlt an Nachwuchs
Die Motorradbranche ist eigentlich nicht stark von Modeströmungen geprägt. Eine erhöhte Nachfrage aber gibt es seit ein paar Jahren bei der Farbe Weiss und bei Naked Bikes, Töffs ohne Teil- oder Vollverkleidung. Valten hat in seinem Laden rund 50 Motorräder stehen. Am besten verkaufen sich die Roller und die 50-Kubik-Töffs für 16-Jährige. Auch die 600- und 800-Kubik-Modelle von Yamaha laufen nicht schlecht. «Das sind gute Mittelklasse-Töffs mit rund 100 PS. Mehr Leistung braucht man eigentlich nicht», sagt Valten.
In der Schweiz sind rund 407 000 Motorräder eingelöst. Das klingt nach relativ viel. Trotzdem sagt Valten, es fehle an Nachwuchs. «Mit 16 Jahren fahren sie Roller, mit 18 steigen sie aufs Auto um und lassen den Roller verstauben.» Beides sei vielen zu teuer. Oftmals seien Töfffahrer Wiedereinsteiger; 25-Jährige, die in der Jugend Roller gefahren sind und sich Mitte Zwanzig Auto und Motorrad leisten können und mit Freunden unterwegs sind. «Motorradfahren ist eine Virussache; meist packt es dann einen ganzen Freundeskreis.» Oder 40 bis 50-Jährige, die sich nach den Kindern ein neues Hobby suchen. «Da kommen oft auch die Frauen mit», sagt Valten. Frauen machen laut Valten bereits 30 bis 40 Prozent der Töffbegeisterten aus.
Wie unterscheiden sich Motorrad fahrende Männer und Frauen voneinander? Valten lacht; die Unterschiede seien sehr klischeehaft. «Für den Mann ist der Töff ein Statussymbol; ihm sind Marke, Leistung und der Typ wichtig.» Frauen hingegen legten viel mehr Wert auf die Optik, auf Sicherheit, auf das Wohlfühlen auf dem Motorrad. «Frauen setzen das Hauptaugenmerk auf die Kleidung.» Überspitzt gesagt investiere der Mann in die Technik, die Frau in die Kleidung. «Aber es gibt keine Regel ohne Ausnahme.»
Töfffahren mag für viele die schönste Art sein, sich fortzubewegen. Aber es ist auch nicht ungefährlich; Meldungen über tödliche Motorradunfälle häufen sich an schönen Wochenenden. «Man kann das Motorradfahren gefährlich oder weniger gefährlich gestalten, wie alles andere auch», sagt Valten. Das sei keine Frage des Gefährts, sondern der Risikofreude. «Aber es ist schon so, als Töfffahrer wird man von den anderen Verkehrsteilnehmern oft unterschätzt oder übersehen.» Töfffahrer müssten auch für die anderen aufpassen, den Verkehr lesen können. Und genau hier ist der Hund begraben: «Viele haben nach der Winterpause nicht mehr die gleiche Routine wie im Herbst. Man muss die Brems- und Ausweichmanöver erst wieder üben.» Valten rät deshalb dringend, vor der ersten Tour einen Kurs zu besuchen, um das Gefühl für die Maschine wiederzuerlangen.

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