Schlieren

Jetzt springt der Schlieremer Stadtrat ein – weshalb private keine Veloständer bauen

Die Grünen Schlieren ärgern sich seit Monaten darüber, dass es im Stadtzentrum kaum Abstellplätze für Velos gibt.

Die Grünen Schlieren ärgern sich seit Monaten darüber, dass es im Stadtzentrum kaum Abstellplätze für Velos gibt.

Die Stadt Schlieren springt ein und installiert bei der Überbauung Parkside Secondhand-Abstellplätze.

Die Schlieremer Grünen sind in Rage. In einem offenen Brief an den Stadtrat moniert die Ortspartei, dass die Parkplatz-Situation rund um die Überbauung Parkside, die sich zwischen dem Bahnhof und dem Stadtplatz befindet, illegal sei. Es geht nicht um Auto-, sondern um Veloparkplätze. Von diesen hat es nämlich zu wenig, wie Gemeinderat Dominik Ritzmann (Grüne) bereits in einer parlamentarischen Fragestunde vom vergangenen Herbst feststellte. Die Partei fordert den Stadtrat nun dazu auf, dafür zu sorgen, dass innerhalb von 30 Tagen genug Veloabstellplätze vor dem Parkside zur Verfügung stehen.

Bereits in besagter Fragestunde sagte Bauvorstand Stefano Kunz (CVP), dass die geringe Anzahl Abstellplätze illegal sei, da die Besitzer des Parkside wie auch die Limmattalbahn AG zusammen total 46 Abstellplätze zur Verfügung stellen sollten. Aktuell sind lediglich acht auf der Seite Bahnhofstrasse vorhanden. Alle anderen – namentlich jene an der Badenerstrasse  – wurden entweder nicht erstellt oder rückgebaut.

In einer Interpellation wollte Ritzmann wissen, warum der Stadtrat nicht dagegen vorgeht. Kunz beantwortete diese in der Parlamentssitzung von Ende Juni. «Wie Sie wissen, sind zwei Initiativen zur Gestaltung des Bahnhofplatzes und der Bahnhofstrasse hängig. Der Ausgang der Abstimmung wird grossen Einfluss auf die Veloparkplätze rund um das Parkside haben», so Kunz. Daher sei es wenig sinnvoll, bereits heute auf bauliche Massnahmen zu bestehen.

Zudem sei es noch nicht dazu gekommen, dass eine grössere Anzahl Fahrräder rund um das Parkside abgestellt wurde, führte Kunz aus. «Aus diesen Gründen sah der Stadtrat keine Notwendigkeit, die vorgeschriebenen Veloparkplätze zum jetzigen Zeitpunkt einzufordern», sagte Kunz. Man beobachte die Situation jedoch permanent und scheue sich nicht, falls notwendig, kurzfristig neue Plätze zu fordern.

Die Grünen sehen dies anders. So befinde sich das Bahnhofareal, über dessen Gestaltung abgestimmt wird, nicht auf der Südseite des Gebäudes, wo die Abstellplätze früher waren. Zudem: «Keine Veloabstellplätze zu installieren, nur weil die Leute Anstand zeigen und die Velos nicht wild abstellen, ist eine ziemlich abenteuerliche Argumentation», heisst es im offenen Brief.

«Der Stadtrat verweigert seine Arbeit»

Weiter bekenne sich Schlieren im Verkehrsrichtplan zur Förderung des Langsamverkehrs. Auch dass die Plätze nicht rege genutzt würden, sei kein Grund für das Fehlen der Plätze. «Sind mehr attraktive Plätze vorhanden, werden sie auch vermehrt genutzt», sagte Ritzmann vor dem Parlament. «Der Stadtrat verweigerte nicht nur seine Arbeit, er hat den illegalen Zustand auch noch verteidigt. Das ist schlichtweg inakzeptabel», sagt Ritzmann auf Anfrage.

«Der Stadtrat unterstützt sicherlich kein illegales Treiben», sagt Kunz. Der Stadtrat sei noch immer der Meinung, dass es nicht sinnvoll sei, auf den 46 Abstellplätzen zu bestehen, die von den Parkside-Besitzern und der Limmattalbahn AG errichtet werden müssten. «Im Werkhof fanden wir provisorische Veloständer, die wir in den kommenden Tagen auf der Südseite des Parkside installieren werden», so Kunz. Dies koste nur wenig Geld, da die Stadt sie nicht eigens anschaffen müsse. Hat das Stimmvolk dereinst entschieden, ob es eine Tempo-20- oder eine Tempo-30-Zone im Bahnhofsgebiet will, können diese Ständer abgebaut und mit permanenten ersetzt werden.

Ritzmann sieht derweil nicht ein, warum die Stadt Schlieren die Veloständer organisiert: «Heisst das nun, dass der Stadtrat bei allen einspringt, welche keine Lust mehr haben, ihren rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen?»

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